bedeckt München 29°

Pflanzenwelt:Löwenstark

Löwenzahn, Taraxacum sect. Ruderalia, hat eine Asphaltdecke durchbrochen *** Dandelion, Taraxacum sect Ruderalia, has br
(Foto: Christian Ohde/imago images)

Grünzeug ist langweilig und steht nur so in der Gegend rum? Von wegen: Auf die Kräfte dieser sieben Pflanzen wären selbst Superhelden neidisch.

Schleudersitz: Das Springkraut

Springkräuter schleudern ihre Samen förmlich in die Welt. Sobald ihre Fruchtkapseln reif sind, platzen sie auf und katapultieren die Samen heraus - heimische Arten schaffen bis zu drei Meter, Indisches Springkraut sogar sieben. Man kann mit den Fingern nachhelfen, indem man leicht auf die Kapseln drückt. Also Augen auf beim Sommer-Waldspaziergang.

Explosiv: Der Sandbüchsenbaum

Selbst auf der Autobahn sind 250 Kilometer pro Stunde sauschnell. Mit der gleichen Geschwindigkeit schießen Sandbüchsenbäume ihre Samen in die Luft. Dafür lassen sie ihre Früchte mit einem Knall explodieren, die Samen fliegen bis zu 45 Meter weit. Wo sie auch landen, haben sie ihre Ruhe: Sie sind für Menschen und Tiere giftig. Auch sonst sind Sandbüchsenbäume eher kämpferisch unterwegs: Ihr Stamm hat fiese Stacheln zur Selbstverteidigung, und ihr Milchsaft ist ätzend und giftig.

Kraftprotz: Die Riesenseerose

Auf ihren Blättern haben nicht nur Frösche Platz: Es gibt Seerosen, deren Blätter einen Durchmesser von bis zu drei Metern erreichen und die über 100 Kilo tragen können: wie ein richtiger Sessel. Die allergrößten wachsen im brasilianischen Regenwald und tragen den majestätischen Namen Victoria amazonica.

Verschlungen: Der Baumwürger

Baumwürger sind so was wie die Pythons unter den Pflanzen: Der Kletterstrauch schlingt sich so fest um Stämme, dass er Bäume töten kann. Auch Regenrinnen oder Zäune würgt er, sogar bis sie einknicken. Nur alte Bäume mit dicken Stämmen über 20 Zentimeter halten ihm stand. Warum ihn trotzdem manche in den Garten pflanzen? Im Herbst sieht der Würger mit seinen leuchtend roten Früchten wunderschön aus.

Sprengkraft: Der Löwenzahn

Löwenzahn ist löwenstark: Mit bis zu 20 Bar schiebt er sich sogar durch Asphalt - das ist doppelt so viel Druck wie in einem prallen Radreifen. Um solche Kräfte zu entwickeln, braucht er einen stabilen Stand. Dafür sorgen Saughaare und klebriger Schleim, die den Löwenzahn fest im Boden verankern. Ist das erledigt, pumpt er seine Zellen mit Flüssigkeit auf und sprengt sich seinen Weg an die Oberfläche.

Stinkbombe: Der Titanwurz

Eigentlich müsste diese Pflanze Titanenfurz heißen. Sie stinkt nämlich ganz fürchterlich - und zwar nach Aas, also verwesenden Tieren. Mit dem Geruch lockt sie Käfer an, die ihre Bestäubung übernehmen. Außerdem ist die Titanwurz die größte Blume der Welt, ihr Blüte wird bis zu drei Meter hoch - die Pracht dauert allerdings nur ein bis drei Tage und sprießt nur alle paar Jahre.

Feuerfest: Der Eukalyptusbaum

Eukalyptusbäume sind echte Feuerteufel: Das Öl ihrer Blätter brennt schneller als Diesel und facht Buschfeuer ordentlich an. Klingt komisch, aber für die Bäume ist das gut. Während das Feuer ihre Feinde und andere Pflanzen tötet, übersteht der Eukalyptus das Inferno unbeschadet: Seine Samen haben eine feuerfeste Hülle, den Wurzeln kann Feuer nichts anhaben, aus dem verkohlten Stamm sprießen schon bald neue Triebe, und die Asche dient den Samen als Dünger.

© SZ vom 30.05.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite