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Pfandring an Mülleimern:Stuttgart startet eine Pfandring-Testphase

"Ich habe mich daran gestoßen, dass die einen etwas wegwerfen und andere es wieder mühsam aus dem Müll herausfischen, um sich ein Zubrot zu verdienen", sagt Ketz. Er habe sich mit vielen Flaschensammlern unterhalten und sei so auf sein Design gekommen. Derzeit lägen ihm viele Anfragen vor. Allein im Januar hat er aus seiner Werkstatt 70 Ringe verschickt. Ketz sagt, er finde vor allem den ökologischen Aspekt spannend: "Derzeit werden Pfandflaschen für 250 Millionen Euro im Jahr verbrannt, weil sie niemand aus dem Müll fischt."

Anfangs wollte die Pfandringe niemand so recht haben. Ketz bewarb sich beim Fernsehsender Vox für die TV-Show "In der Höhle des Löwen", bei der eine Jury die Wirtschaftlichkeit von Konzepten überprüft. Ketz wollte ein Fünftel seiner Firma für 50 000 Euro an Investoren verkaufen. Er fiel durch. Stattdessen gewann Ketz' Ring im vergangenen Jahr den Bundespreis Ecodesign. Seitdem geht es aufwärts.

"Einzelne Lösungsvorschläge für einzelne Problemstellungen"

Derzeit läuft die Produktion für Stuttgart, wo der Jugendrat der Stadt bereits vor zwei Jahren Pfandringe für die City gefordert hatte. Damals lehnte die städtische Abfallwirtschaft ab. Zu teuer, zu aufwendig. Zwei Jahre später verkündet die Stadt per Pressemitteilung nun den Start einer Testphase mit sechs Pfandringen.

Dabei hat sich politisch nichts geändert, aber eine neue Firma aus der Region mit dem Namen Wewant hat sich der Sache angenommen. Das Start-up mit sechs Mitarbeitern hat es sich zum Ziel gesetzt, Verbesserungsvorschläge von Bürgern direkt an die Verantwortlichen in Kommunen und Firmen weiterzuleiten. Ein Nutzer beschreibt seine Vorstellung vom Sinn von Wewant wie folgt: "Ich will keine Parteien mehr wählen, sondern einzelne Lösungsvorschläge für einzelne Problemstellungen."

Da sich der Zuspruch für Wewant dennoch in Grenzen hielt, kam die Firma auf eine Idee: Pfandringe. Zwar hatten sich nur 279 Nutzer solche in Stuttgart gewünscht, was bei einer Einwohnerzahl von knapp 600 000 nicht sehr viel ist. Dennoch will Wewant der Stadt sechs Pfandringe zu Verfügung stellen, was in der Region für einige Publicity und begeisterte User sorgte.

Designer Paul Ketz sagt, er bekomme dauernd Anfragen von Firmen, die an seinem Erfolg teilhaben wollten. Die gerne T-Shirts mit seinem Logo drucken würden oder den Pfandring nach China bringen. Er lehnt sie alle ab.

Hin und wieder stellt er sich neben seine Pfandringe und beobachtet, wie Passanten ihre Pfandflaschen hineinstellen und Flaschensammler sie später rausholen. "Früher haben die Leute jemandem, der am Boden saß, etwas hingeworfen, ein paar Münzen." Das habe er als recht würdelos gefunden. Heute begegne man sich auf gleicher Höhe. Auf der des Pfandrings.