Pfandring an Mülleimern Gewinnen auch die Flaschensammler?

Und Gewinner? Gehören die Flaschensammler dazu? Berndt, sagt, er habe sich zu Beginn der Aktion einmal mit Sammlern unterhalten, das Echo sei positiv gewesen. Ansonsten müsse man sich eben auf die Kooperationspartner verlassen. Der größte davon ist die Initiative "Pfand gehört daneben", mehr als 40 000 Unterstützer hat sie auf Facebook.

Die Selbstbeschreibung lautet so: "Der Unterschied zwischen Arm und Reich zeigt sich selten so deutlich wie beim Pfand." Es gibt Aufkleber mit der Aufforderung, Pfand zumindest neben den Mülleimer zu stellen und die Pfandkiste. Dazu Seminare und Podiumsdiskussionen. Die Nachfrage ist groß. "Wir freuen uns, was da gerade los ist", sagt Mischa Karafiat.

Karafiat trägt einen schwarzen Kapuzenpulli mit der Aufschrift: "Kein Mensch ist illegal" und betreibt eine PR-Agentur. Gerade hat er beim Aufbau der Hamburger Greenpeace-Ausstellung mitgeholfen. Seit 2011 gibt es die Facebook-Seite, der Zuspruch war anfangs gut. "Wir haben aber gemerkt, dass da mehr zu holen ist", sagt Karafiat. Also haben sie Künstler wie die Beatsteaks angesprochen, die ihre Seite verlinkt haben, was wieder neue Likes brachte.

Der Pfandring führt auch zu einem aufgeräumten Stadtbild

Andere Bands nahmen die Plakate der Kampagne "Pfand gehört daneben" mit auf Tour, was noch mehr Zulauf brachte. "Wir suchen immer neue Kanäle, über die wir die Botschaft kommunizieren können." Neulich hat die Initiative den Green Tec Award bekommen, der für Projekte in der grünen Wirtschaft vergeben wird. Und auf dem Young-Lions-Festival, dem Nachwuchspreis des großen Werbewettbewerbs in Cannes, war die Pfandkiste eine Aufgabenstellung für den Nachwuchs. Die Gewinner durften nach Cannes fahren.

Die einen spazieren unter Palmen, die anderen wühlen in Mülleimern. Es sind zwei Welten, die sich nie treffen. "Der Erfolg ist irre", sagt Mischa Karafiat. Bekommt er auch Reaktionen von Flaschensammlern? "Fünf haben sich auf Facebook gemeldet und fanden das gut. Die anderen suchten ja nicht unbedingt so die Öffentlichkeit."

In vielen Städten sagen die Politiker, der Pfandring sei nicht nur eine würdevolle Sache für die Flaschensammler, er führe auch zu einem aufgeräumten Stadtbild. Bisher würden viele Sammler nachts die Mülleimer durchwühlen und den Müll auf der Straße verteilen. Mit dem Pfandring habe alles seine Ordnung. Vielleicht ist es aber auch nur eine Ordnung, hinter der die Unordnung verschwindet. Unsichtbar wird.

Das wahrscheinlich erste Gestell für Pfandflaschen hat der Produktdesigner Holger Jahns erfunden, 2006. Damals war die Zeit wohl noch nicht reif für Social Business. Marktführer ist jetzt Paul Ketz aus Köln, der sich den Namen Pfandring als Marke hat schützen lassen. Sein Wahlspruch: "Ökologisch. Ökonomisch. Sozial". Ein Pfandring aus Metall kostet bei ihm etwa 110 Euro, der Preis sinkt bei höherer Stückzahl. Das sei knapp kalkuliert, reich könne er damit nicht werden, wolle er auch nicht.