Familien-NewsletterEs liegt nicht an Ihnen!

Lesezeit: 2 Min.

Sommerurlaub mit der Familie kann auch Stress bedeuten.
Sommerurlaub mit der Familie kann auch Stress bedeuten. Markus Scholz/dpa

Unsere Autorin hat festgestellt: Tipps zur Konfliktlösung in Patchworkfamilien helfen auch in der eigenen Kernfamilie.

Ein Familien-Newsletter von Felicitas Kock

SZ bei Google bevorzugen

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wissen Sie schon, was Sie in den großen Ferien machen? Und freuen Sie sich darauf? Ich habe gerade einen Text mit dem Titel „Ich würde sie gerne mögen“ (SZ Plus) gelesen. Die Autorin schreibt dort anonym und deshalb vermutlich besonders schonungslos über die schwierige Beziehung zu ihren Stiefkindern und über ihre persönliche Horrorshow: den Sommerurlaub, den sie jedes Jahr gemeinsam verbringen.

Nun muss nicht jede Patchwork-Beziehung so belastet sein, dass allein der Gedanke an gemeinsame Ferienwochen Gänsehaut erzeugt. Gleichzeitig ist unbestritten, dass oft schon wegen der Vielzahl der beteiligten Personen mit unterschiedlichen Agenden mehr emotionales Gepäck zu sortieren ist als in der 08/15-Kernfamilie. In dem Artikel der Stiefmutter ordnet eine Psychologin die Spannungen zwischen der Autorin und ihren Stiefkindern entsprechend ein: „Es liegt nicht an Ihnen. Es liegt nicht an den Kindern. Es liegt an der Konstruktion.“ Vermutlich hilft es schon, sich das hin und wieder bewusst zu machen.

Weitere Lösungsansätze für Konfliktsituationen, in die Patchworkfamilien typischerweise geraten, hat meine Kollegin Carolin Fries hier zusammengetragen (SZ Plus). Wobei man sich manche Ideen durchaus auch als Mitglied einer Kernfamilie notieren kann. Etwa wenn ein Elternteil genervt vom schmatzenden, Besteck verweigernden Kind ist und der andere nicht. Ja, ich weiß, wovon ich spreche.

Ich selbst kenne die Konstruktion Patchworkfamilie und einige ihrer unzähligen Versionen nur aus der Kinderperspektive: Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch klein war. Sie haben früh neue Partner gefunden. Die Familie meines Vaters gleicht über mehrere Generationen hinweg einem Flickenteppich. Ich habe meine Zusatzeltern, -großeltern, -onkel und -tanten in fast allen Lebensphasen als Gewinn empfunden. Nur als Teenagerin, daran kann ich mich noch gut erinnern, fand ich es manchmal anstrengend, mich gleich mehrfach abnabeln zu müssen.

Vor Kurzem habe ich einer guten Freundin, die auch Stiefmutter eines Jugendlichen ist, einen Artikel mit dem sprechenden Titel „Zeit mit Freunden ist kein Verrat“ weitergeleitet, der dieses Gefühl mitunter aufgreift. Drei Trennungskinder beschreiben darin in Protokollen sehr eindrücklich, was sie sich von ihren Eltern wünschen (SZ Plus).

Ich wünsche Ihnen als Eltern – egal ob Patchwork oder nicht – jetzt erst mal entspannte letzte Schulwochen oder schon einen guten Start in den Sommerurlaub. Machen Sie es sich schön! Und sollte Ihnen doch mal der Sonnenhut hochgehen, nicht vergessen: Es liegt an der Konstruktion!

Felicitas Kock

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Familiengeschichte
:„Da bröckelt das Vertrauen in das Familiennarrativ“

Viele Deutsche entdecken gerade die NS-Vergangenheit ihrer Vorfahren. Die Sozialpsychologin Angela Moré über Schuld und die Frage von Wiedergutmachung.

SZ PlusInterview von Carolin Fries

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: