Passivrauchen Kinder von Raucher-Eltern stark belastet

Mehr Infekte, Mittelohrentzündungen und eine erhöhte Aufnahme von Nikotin - neuere Untersuchungen belegen, dass Kinder aus Raucher-Haushalten verstärkt belastet sind.

Von Marlies Michaelis

Fast die Hälfte aller Kinder in Deutschland lebt in Raucher-Haushalten, ergab der Kinder-Umwelt-Survey (KUS) des Umweltbundesamtes. Damit sind sie verstärkt giftigen Stoffen ausgesetzt:

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Über fünfmal so hoch ist der Wert eines Nikotinabbauproduktes bei den Raucherkindern im Vergleich mit ihren qualmfrei aufwachsenden Altersgenossen Das ergab die im Fachmagazin Archives of Disease in Childhood (2007, online first) veröffentlichten Studie von Ann Jackson und ihren Kollegen von der University of Warwick.

Bei Kindern führt Zigarettenrauch vornehmlich zu Erkrankungen der Atemwege - so zeigte laut Angaben von Marike Kolossa-Gehring vom Umweltbundesamt schon die Vorstudie zum Kinder-Umwelt-Survey, dass Kinder, die dem Passivrauch ausgesetzt sind, anfälliger für Infekte sind und häufiger an einer Mittelohrentzündung leiden.

Wie hoch die Belastung für Kinder aus Raucher-Haushalten ist, ermittelte die neue US-Studie detailliert: Jackson und ihre Kollegen maßen in der auf fünf Jahre angelegten Untersuchung sowohl bei Kindern von Rauchern als auch bei solchen von Nichtrauchern die Werte eines Nikotin-Abbauproduktes - des Cotinins - im Urin.

Die zum Zeitpunkt der Messung jeweils zehn bis zwölf Wochen alten Kinder hatten, wenn sie bei Raucher-Eltern aufwuchsen, einen fünffach höheren Cotinin-Wert im Urin als ihre Altersgenossen aus Nichtraucher-Familien. Dabei waren die Auswirkungen größer, wenn die Mutter rauchte als wenn der Vater zur Kippe griff. Ein wesentlicher Faktor war auch, ob die Kinder im elterlichen Schlafzimmer übernachteten oder nicht.

"Babys und Kinder werden alltäglich von ihren Eltern und Erziehungsberechtigten dem Zigarettenrauch in privaten Haushalten ausgesetzt, ohne irgendeinen gesetzlichen Schutz, den Erwachsene an öffentlichen Orten genießen", urteilen die Autoren.

Ähnlich sieht es auch Kolossa-Gehring vom Umweltbundesamt: Die Verminderung der Belastung der Kinder mit Passivrauch müsse nach wie vor eine vorrangige Aufgabe sein, stellt sie als Reaktion auf die ersten Ergebnisse des deutschen Kinder-Umwelt-Surveys fest.