bedeckt München -1°

Partnerschaft:Die Trennung überstehen

Liz Taylor und Richard Burton wären an so einer vernunftbegabten Lösung wahrscheinlich gescheitert - schon allein aus Gründen der Leidenschaft. "Man kann zwei Dynamit-Stangen nicht immer wieder gegeneinanderschlagen, ohne zu erwarten, dass sie explodieren", erklärte Burton die von Dramen und Szenen geprägte Beziehung. 1974 ließen sich die beiden scheiden - um 1975 erneut zu heiraten. Die zweite Ehe dauerte nicht einmal ein Jahr.

Doch was wären Hollywood-Paare ohne Drama? Wenn bei den Stars die Fetzen fliegen, nimmt daran immer auch die Öffentlichkeit Anteil. Bis heute haben Rosenkriege berühmter Persönlichkeiten ihre Faszination nicht verloren.

Als das vermeintliche Traumpaar Brangelina seine Trennung verkündete und mit dem üblichen Scheidungswettrüsten (Anwalt, Sorgerechtsstreit, Kontaktverbot, Verunglimpfung) begann, hielt die Welt den Atem an. Und holte nur Luft, um zu verfolgen, wie es weiterging im Scheidungskarussel um Johnny Depp und Amber Heard: Nach gerade mal 15 Monaten Ehe erschien die damals 30-Jährige vor Gericht mit einem blauen Auge und dem Vorwurf, der 52-jährige Hollywood-Star habe sie jahrelang misshandelt. Heard forderte Unterhalt in Höhe von 50.000 Dollar pro Monat, Depp behauptete später, von ihr erpresst worden zu sein.

Es ist bemerkenswert, wie sehr solche Geschichten auch die Menschen berühren, die keinen der Beteiligten persönlich kennen. Vermutlich, weil die meisten sehr wohl die verzweifelte Lage kennen, in der sich Liebende nach einer Trennung befinden: Wie sie toben, randalieren oder mit Selbstmord drohen. Sich ins Bett legen in der festen Absicht, nie wieder aufzustehen. Tonnenweise Eis essen und Kleenex verschneuzen. Zu viel trinken und dem Verflossenen abwechselnd Liebesgeständnisse und Drohungen ins Telefon lallen.

So lange, bis sie überzeugt sind, dass der oder die Ex einem das Leben zerstört und einen ohnehin nicht verdient hat. Und schließlich einsehen, dass es nicht zu ändern - oder sogar besser so ist.

Trauern für den Neuanfang

Leugnen, Trauer, Wut, Akzeptanz: An den vier Phasen führt laut Psychologen kein Weg vorbei, um sich auf einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten. Wie lange die Phasen jeweils dauern, ist jedoch sehr unterschiedlich - und völlig unabhängig von der Dauer der Beziehung.

So beschreibt Autorin Jennifer Wright in ihrem Buch, wie sich die britische Schriftstellerin Caroline Lamb über Jahre hinweg weigerte, das Ende ihrer Affäre mit dem Dichter Lord Byron zu akzeptieren. Ungeachtet der Tatsache, dass sie selbst mit einem anderen Mann verheiratet war, verhielt sich Lamb wie eine tyrannische Stalkerin. Sie schickte dem abtrünnigen Byron Briefe mit ausgerissenen Schamhaaren, bedrohte ihn mit einem Messer und brachte rufschädigende Gerüchte über ihn über seine vermeintliche Homosexualität, Pädophilie und inzestuöse Affären in Umlauf.

Vernünftig wäre wohl eher das Gegenteil gewesen: "Keine Treffen, keine Briefe, möglichst nicht in Erinnerungen schwelgen - kalter Entzug sozusagen", empfiehlt die US-Hirnforscherin Lucy Brown, die die Auswirkungen von Liebeskummer ausführlich untersucht hat, den Verlassenen.

"Keine Treffen, keine Briefe" - womöglich hat Charlize Theron da etwas falsch verstanden, als sie 2015 ihre Beziehung zu Sean Penn beendete und damit eine neue Trennungskategorie schuf: Ghosting, eine fiese, aber leider recht zeitgemäße Art, sich aus dem Staub zu machen.

Nach 20 Jahren Freundschaft und 18 Monaten Beziehung brach die Hollywood-Schauspielerin den Kontakt zu dem damals 55-Jährigen völlig überraschend ab und stellte die Kommunikation restlos ein: kein klärendes Gespräch, kein Anruf, kein Abschiedsbrief. In diesem Fall hatte der "kalte Entzug" das Leid erst erzeugt, statt es zu lindern. Sean Penn dürfte ziemlich viel Kleenex und Eiscreme gebraucht haben, um das zu verkraften.

"Auch wenn es wehtut und sehr, sehr schwer ist: Schauen Sie nach vorne", rät Paartherapeut Wilchfort. Das sei auch wichtig für einen Neustart." Abgesehen davon ist es schade um die schönen Momente, die man gemeinsam erlebt hat."

Manchmal hilft dabei auch eine symbolische Handlung: Auf Ebay versuchen derzeit 563 Personen, einen "Ehering, gebraucht" loszuwerden.

© SZ.de/bavo/dd
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema