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Beziehung:Täglicher Aufruf für die Liebe

Andererseits - ist es nicht absurd, dass eine App einen erst auf die Idee bringen muss, sich zu erzählen, was einen heute zum Lachen gebracht hat? "Es geht eher darum, sich aufzuraffen. Der tägliche Aufruf hilft dabei, es auch wirklich zu tun", sagt Wilchfort. So bleibe die emotionale Verbindung erhalten. Das meiste könne man zwar auch per Whatsapp erledigen. Aber die speziellen Gadgets erleichtern den intimen Austausch, findet der Paartherapeut. "Wer sich ohnehin ständig Nachrichten schickt, wird solche Apps zu schätzen wissen." Diese helfen nicht nur, Paare ins Gespräch zu bringen, sondern auch die richtigen Worte zu finden: "Jeder weiß ja, was er sagen will. Aber nicht, was beim anderen ankommt."

Laut einer Theratalk-Studie ist das Gesprächsverhalten der häufigste Auslöser für schlechte Stimmung in der Partnerschaft - noch vor sexueller Unzufriedenheit oder mangelnder körperlicher Zuwendung. Vor allem die Art und Weise, Kritik zu äußern, schafft häufig Konflikte. Warum das so ist, fand der amerikanische Beziehungsanalyst und Paarpsychologe John Gottman heraus: In einer stabilen Beziehung stehen sich positives und negatives Verhalten in einem Verhältnis von 5:1 gegenüber. Das heißt, ein böses Wort wird durch fünf freundliche getilgt. Andererseits werden fünf liebevolle Gesten durch einen einzigen Schnitzer hinfällig. Wer sich nun die eigene Gesprächskultur vor Augen führt, dürfte zumindest ein mulmiges Gefühl bekommen.

Seid nett zueinander, bleibt im Gespräch: Das ist, was Therapeuten empfehlen. Diese Aufgabe kann eine App uns nicht abnehmen. Aber sie kann dazu motivieren und ja, auch daran erinnern. Dem Partner abends ein "Hallo, wie war dein Tag?" hinzuwerfen, weil das Handy gerade brummt, reicht allerdings nicht. Einige Apps versprechen in dieser Hinsicht mehr, wollen konkrete Konflikte lösen. Zwar sind die Programme in der Regel standardisiert und folgen Algorithmen. Doch Aufbau und Abläufe sind individuell. Einige setzen auf interaktive Beratungshilfen, basierend auf Fragebögen, manche auf Praxisbeispiele und Videos, andere auf Beratung per E-Mail oder Skype.

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So etwa bei Paarbalance, einer App, hinter der die Münchner Psychotherapeuten Ludwig Schindler und Judith Gastner stehen. Auf Basis eines Partnerschaftstests wird etwa für 130 Euro ein Coaching-Programm mit 18 Online-Sitzungen im Verlauf von drei Monaten angeboten. Die App beinhaltet zudem verschiedene Motivationshilfen wie ermutigende Botschaften, Beziehungschronik und Kommunikationstechniken. In Erklärvideos erfährt der Nutzer, wie man über die besitzergreifende Schwiegermutter redet, ohne sich gleich in die Haare zu kriegen. Oder er erhält die Aufgabe, ein Tagebuch über die schönsten gemeinsamen Momente des Tages zu führen. Wenn der Partner sich verweigert, soll er ruhig. Angeblich profitiert die Beziehung auch dann, wenn nur einer das interaktive Programm nutzt.

"Wer das Angebot aktiv verfolgt, profitiert sicher davon", sagt Wilchfort. "Ich kann mir aber vorstellen, dass die Hürde, da immer wieder reinzugehen, recht hoch ist." Diese Hürde dürfte bei Onlineberatungen allerdings immer noch deutlich niedriger sein als bei realen Therapiesitzungen - genau wie die Kosten. Paarberatung für alle, nicht nur für eine wohlhabende Elite: Auch dafür stehen die neuen Apps.

Das US-Familienministerium fördert aus diesem Grund eine Online-Paarberatung namens Our Relationship. Mit der Anwendung, die von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien betrieben wird, wollen die Verantwortlichen vor allem Paare erreichen, denen eine Therapie zu teuer wäre. Die Kosten beginnen bei 50 Euro und steigen mit den individuell gewählten Bausteinen. Genau wie Paarbalance setzt diese Anwendung auf eine gelungene Kommunikation und motiviert dazu, sich regelmäßig auszusprechen. Videos zeigen, wie man den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch findet, damit man auf Gehör stößt. Oder wie man einen Konflikt löst, ohne erst lange zu diskutieren, wer schuld ist.

Die Macher positionieren sich selbst "irgendwo zwischen dem Lesen eines Selbsthilfebuchs und der Arbeit mit einem Therapeuten". Wilchfort kann da zustimmen. "Das Problem von Selbsthilfebüchern ist nur, dass die Leser sich, genau wie bei Episoden in Coachingvorträgen, oft nicht betroffen fühlen." Das verlange eine große Bereitschaft zur Selbstreflexion.

"Das Kunststück einer guten App ist weniger, etwas Neues zu erfinden. Sondern sie so zu gestalten, dass sich die Leute wirklich darauf einlassen", davon ist Wilchfort überzeugt. Allein durch guten Willen und das Lippenbekenntnis "Man müsste mal wieder" lässt sich eine Beziehung nun einmal nicht retten: "Vom Abschließen eines Fitnessvertrags allein hat noch niemand abgenommen."

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