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Familie:Warum Kinder die Olchis zu Recht lieben

Die Olchis

Kinder lieben die Olchis.

(Foto: Martina Borsche)

Kinder mögen die grünen Wesen und ihre Vorliebe für Müll und Schleim, Eltern halten die Pupsgeschichten für einen einzigen Sparwitz. Dabei passen die Olchis zum grünen Zeitgeist.

Von Kindern kann man bekanntlich so manches lernen, zum Beispiel, dass Ekel auch nur eine Form der Faszina­tion ist und dass in jedem Gestank ein Witz zu finden ist. Gepupse am Abendbrottisch zum Beispiel. Nicht beliebt bei zivilisierten Eltern. Aber wenn Kindern beim Essen ein knatternder Furz entfleucht, dann gibt es etwas zu lachen, und manchmal erwacht auch der Wettbewerbsdrang. Bei allem Erwachsenengerede über Body Positivity, dieser entspannte Umgang mit den Realitäten des verdauenden Körpers scheint den U12-Jährigen vorbehalten zu sein und außerdem den Olchis. Und darin liegt der offensicht­liche Grund, warum Kinder deren Geschichten so viel mehr schätzen, als das Erwachsene in der Regel tun.

1990 erschien die nachnamenlose Familie mit "Die Olchis sind da" auf dem Kinderbuchmarkt, und dort hat sie sich in den vergangenen 30 Jahren konstant gehalten. Bis heute erleben die drei Generationen, die in einer Höhle auf der Müllkippe von Schmuddelfing wohnen, ein Abenteuer nach dem anderen. Nicht mal mehr der Schöpfer Erhard Dietl selbst weiß, wie viele Bücher genau verkauft wurden. Die Lizenzen haben es unter anderem bis nach Japan und Korea geschafft, neben den zahllosen Büchern gibt es Hörbücher, Musicals, Theaterstücke sowie ein immenses Merchandise­-Angebot an Popelknete und Pups­Hupen.

Auf Sprachsensibelchen wirken die Olchis wie ein einziger Sparwitz aus einer Zeit, in der es lustig war, 'Zum Bleistift', 'Schankedön' oder 'Ökäse' zu sagen. Auf die wiederkehrenden Zeilen wie "Schleime-Schlamm und Käsefuß" oder "Fliegenschiss und Olchi-Furz" sowie den inflationären Gebrauch von Ekeladjektiven (schleimig, furzig, glibberig, stinkig und natürlich olchig) fällt einem als dauerpeinlich berührter Mutter irgendwann auch nur noch "Jahaaa, ich habe es doch verstanden" ein - bis man dann doch über die Vorstellung lachen muss, wie ein Olchi rülpst und aufgrund des Mundgeruchs die herumsurrenden Fliegen abstürzen.

Pädagogisch tatsächlich wertvoll

Doch die Dauerbeliebtheit der Müllschluckerfamilie basiert nicht nur auf warmer Luft: Erhard Dietl hat eigentlich ein klassisches, geradezu traditionelles Umfeld entworfen: Olchi-Papa werkelt, Olchi-Mama kocht, Olchi-Opa erzählt Geschichten von früher, Olchi-Oma feiert gern, die Olchi-Kinder spielen und Olchi-Baby liegt rum. Alle haben sich lieb, passen aufeinander auf und fühlen sich richtig wohl. Klingt für das Zielpublikum gut und im besten Fall bekannt.

So gelingt der geschmeidige Einstieg in die verkehrte Welt: Es wird sich weder gewaschen noch eine Schule besucht. Aufräumen bedeutet verwüsten, alle sind unmöglich alt, der Opa ist zum Beispiel 985 und sogar das Baby ist schon 12. Die Olchi-Mama verwendet beim Kochen Zutaten wie Motoröl, Stinkesocken oder Fischgräten, und nie im Leben würde sie etwas Frisches zubereiten, davon bekommen die Olchis nämlich schlimmen Punkte-Ausschlag. Kinder lieben das natürlich, schließlich greifen auch sie sich gern beim Essen ­würgend an den Hals, wenn die Eltern versuchen, sie mit Rosenkohl zu vergiften. Lehrkräfte, Erzieher*innen und Eltern schätzen an den Olchis vermutlich eher die Tatsache, dass sie so viele Kinder zum Lesen und zum kreativen Weiterspinnen bringen und sie so erstaunlich fröhlich machen.

Aber das Beste und Aktuellste an den Olchis ist, dass sie schon nachhaltig gelebt haben, als wir noch dachten, alles würde gut, da sich das Ozonloch wieder schloss, oder wir statt Deo aus der Sprühdose einen Stick verwendeten. Die Olchis praktizieren Zero Waste in Reinform. Wenn die Kinder im Wald ein Auto finden, essen sie es auf. Bis auf die Reifen, aber die nutzen sie zum Spielen. Dank der Olchis braucht die Gemeinde Schmuddelfing keine Müllverbrennungsanlage, weil die Familie jeden Müll genüsslich schmatzend vernichtet. Es bleibt nichts übrig als olchige Furze und ranzige Rülpser, und so gesehen können wir alle vielleicht doch auch etwas von den kleinen grünen Wesen lernen: Öko statt Ekel!