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Ökologisch korrekt leben:Danke, für mich keine Nüsschen

Bald ist "Weltverbrauchertag". Das sollte eigentlich ein Nichts-verbrauchen-Tag sein. Doch vier Wochen lang fast gar nichts zu verbrauchen - ist das möglich? Ein Selbstversuch.

Am Dienstag ist "Weltverbrauchertag". Tolles Wort. Eigentlich geht es bei diesem Tag darum, dass "weltweit Verbraucherorganisationen an grundlegende Verbraucherrechte erinnern", wie es auf der Homepage der deutschen Verbraucherzentrale heißt. Das ist natürlich deren gutes Recht. Leider gerieren sich Verbraucherverbände aber meist wie Menschenrechtsgruppen, die sich um die wahrhaft Geknechteten der Erde kümmern. In Wahrheit stehen sie aber nur mäkelnd am Wegesrand des Boulevards herum und tun so, als gebe es ein Grundrecht auf Brachialkonsum: Brot für die Welt, Scampi für mich. Und macht endlich das Flugbenzin billiger!

jutetaschen

Papiertüten sind besser als Plastik. Noch besser sind Jutetaschen - und noch viel besser wären die Hände. Oder gar nichts kaufen. Das wäre das Allerbeste. Eigentlich.

(Foto: dpa)

Man könnte den Weltverbrauchertag aber auch mal anders interpretieren, nämlich als den Tag, an dem man sich daran erinnert, dass wir die Welt verbrauchen. Und zwar in einem Tempo, dass sie mit dem kostenlosen Produzieren von genügend Sauerstoff und ähnlichen lebenswichtigen Zutaten längst nicht mehr hinterherkommt. Elf Tonnen Kohlendioxid produziert jeder Deutsche im Jahr. Der weltweite Durchschnitt beträgt vier Tonnen. Wenn die Erde noch ein bisschen halten soll, dürften es nur zwei sein. Ich müsste mich also mit einem Fünftel von dem, was ein Durchschnittsdeutscher so an Kohlendioxid produziert, begnügen.

Also: Was tun gegen den Weltverbrauch? Heizen verschlingt im durchschnittlichen Privathaushalt ein Fünftel der Energie. Heizung abstellen geht im Winter schlecht, wenn man zwei kleine Kinder hat und nicht will, dass nach ein paar Tagen das Jugendamt auf der vereisten Matte steht. Strom macht sieben Prozent, Ökostrom hab ich eh, Ökobirnen auch. Ernährung 15, aber ich versuche ja eh schon, möglichst selten Mangos aus Chile zu kaufen. Autofahren - 14,3 - fällt weg. Aber vielleicht geht ja was beim sogenannten sonstigen Konsum, der mit 25,3 Prozent zu Buche schlägt.

Die 33 Kilo Verpackungsmüll, die jeder pro Jahr produziert, da muss man doch ansetzen können. Wie wär's, ich ernähr mich mal vier Wochen ohne Plastik?

Und so fahre ich am ersten Tag meines Experiments mit der Ökowaschmittelflasche zu einem Laden, in dem es Nachfüllreiniger gibt. Der Verkäufer taxiert kurz die Flasche und sagt: "Die hat keinen Eichstrich, geht nicht." Auf den vertraulich gemurmelten Einwand, es sei doch gerade keiner da, er könne mir gerne auch weniger geben, sagt er im Ton behaglicher Zurechtweisungsbefriedigung: "Das Eichamt verbietet uns, Gefäße ohne Eichstrich abzufüllen, also werden Sie in diese Flasche von mir kein Waschmittel bekommen." Es hat was Erfrischendes, dass man in dieser gemütsberuhigten Stadt München doch noch auf Leute treffen kann, die sich selbstbewusst exaltiert allen Grundregeln der Marktwirtschaft widersetzen. Dann halt nicht, du zwanghafter Schrat.

Die melancholische Variante der umweltschädlichen Regulierungswut erlebe ich am selben Tag im Bioladen. Als ich der Verkäuferin mein Schälchen für die Oliven reiche, sagt sie mit verschleierter Stimme, das sei verboten, es gebe da so Brüsseler Hygienebestimmungen... Ich habe ihr kein grindiges Tontöpfchen gereicht, sondern eine spülmaschinenstrahlende Glasschale. Leider, sagt sie, geht trotzdem nicht. Nur in unseren Plastikschälchen.

Direkt vor dem Besuch im Bioladen habe ich gelesen, dass für die Produktion einer Hundertgrammverpackung 200 Gramm Erdöl verbraucht werden. Als ich mich jetzt zum Laden hin umdrehe, fällt mir erstmals auf, dass hier ja auch fast alles in Plastik verpackt ist. Wäre das Erdöl - der ganze Laden würde in der schwarzen Soße ertrinken. Nix wie weg hier, auf zum Markt.

Prominente Landlust

Old Madonna has a farm