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Ökologisch einkaufen:Gibt es Einweg-Alternativen?

Leider nein. Die Herstellung von Papiertüten benötigt fast doppelt so viel Energie und belastet Luft und Wasser deutlich mehr mit Schadstoffen als die Produktion einer Plastiktüte. Zudem gehen sie schneller kaputt, können also nicht so oft wiederverwendet werden (was natürlich egal ist, wenn die Tüten nur zu Hause herumliegen und nie mehr zum Einsatz kommen). Kompostierbares Bio-Plastik wiederum hört sich zwar gut an, hat aber in Summe gar keine bessere Ökobilanz als die normale Plastiktüte. ( Die Ökobilanz der verschiedenen Tüten hat der Radiosender Bayern 1 verglichen.)

Plastiktüten Das Märchen von der Recycling-Plastiktüte
Umweltschutz

Das Märchen von der Recycling-Plastiktüte

Die Idee ist schön: Weggeworfene Tüten werden einfach zu neuen. Aber so einfach funktioniert das nicht.   Von Vivien Timmler

Wie man es dreht und wendet: Einweg ist schlecht, Mehrweg ist gut. Zwar sind Stofftragetaschen und andere Mehrwegtaschen bei der Herstellung deutlich weniger ökologisch als Plastiküten, weil ein Vielfaches der Energie verbraucht und Emissionen freigesetzt werden. Doch schon nach 36 Mal, so rechnet zumindest der "Bayern1-Umweltkommissar", hat sich das rentiert - und rein theoretisch lassen sich die Baumwollbeutel ewig verwenden.

Wie es funktioniert, ist also klar und es geht nur noch um die Umsetzung. Doch war die nicht das Grundproblem?

Immer die Baumwolltasche dabei: Katharina Schulze von den Münchner Grünen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Vom Versuch, sich umzuerziehen

Ich schaffe das jetzt, nehme ich mir vor und will immer eine Baumwolltasche oder Ähnliches in der Handtasche haben. Anfangs vergesse ich es ständig. Also muss ich strenger mit mir werden: Der faule Ausweg "Plastiktüte kaufen" ist nicht mehr erlaubt. Stattdessen balanciere ich meine Einkäufe lose durch die Gegend. Oder ich kaufe weniger als ich eigentlich wollte, nur so viel, wie ich mit beiden Händen gut tragen kann. Oder ich drehe im Supermarkt wieder um, hole eine Tasche und gehe noch mal los.

Alle drei Möglichkeiten nerven mich gewaltig. Und weil ich genervt bin, lerne ich dazu. Die Wahrscheinlichkeit, rechtzeitig eine Tasche einzupacken, wächst mit jeder Extrarunde, die ich wegen meiner Schusseligkeit drehen muss. Anfangs war ich zu bequem, an den Jutebeutel zu denken - jetzt bin ich zu bequem, um die Einkäufe anders nach Hause zu transportieren.

Plastiktüten kommen uns fast gar nicht mehr ins Haus und damit haben wir unser Müllaufkommen um 0,17 Prozent reduziert. Das ist nach Angaben der Gesellschaft für Verpackungsforschung der Anteil von Kunststofftragetaschen am Hausmüll. Wenig? Ja. Doch insgesamt werden in Deutschland 6,1 Milliarden Plastiktüten jährlich in den Verkehr gebracht. Jede einzelne, die eingespart wird, ist gut für die Umwelt.

Fazit:

  • Plastik zu vermeiden, ist gut; es mit anderen Einwegmaterialen zu ersetzen aber selten sinnvoll.
  • Die Plastiktüte trägt nicht viel zur Müllmenge bei. Sie ist jedoch das, was sich am einfachsten ersetzen lässt.
  • Daher: Mehrwegtasche besorgen und sie verwenden bis an ihr Lebensende.
Ihr Forum Plastiktüten: Helfen Verbote dem Umweltschutz?
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Plastiktüten: Helfen Verbote dem Umweltschutz?

Jutebeutel sind umweltfreundlicher als Plastiktüten - trotzdem greifen viele Verbraucher auf letztere zurück. Würde ein Verbot von Plastiktüten helfen oder liegt es am Verbraucher, umweltfreundlicher zu handeln?