Justiz:Gegen das Vergessen

Lesezeit: 8 min

Gegen das Vergessen
(Foto: imago images/Florian Gmach)

In anderen europäischen Ländern sind Aufzeichnungen von Gerichtsverhandlungen längst Standard. Nur in Deutschland nicht. Selbst von historischen Prozessen blieb bislang: nichts. Über eine skandalöse Lücke.

Essay von Annette Ramelsberger

Stuttgart-Stammheim. "Du Schwein, du verdammtes", schreit Andreas Baader den Richter an. Die Stimme von Otto Schily, damals RAF-Verteidiger, schneidet durch den Raum: "Am ersten Tag sollte ich mich hier an die Wand stellen mit erhobenen Händen. Das haben Sie angeordnet!", herrscht er den Richter an. Der hatte verfügt, dass auch Anwalt Schily vor Betreten des Gerichtssaals durchsucht wird. Verteidiger Rupert von Plottnitz will wissen, ob "der Oberstaatsanwalt Zeis seine Faustfeuerwaffe auch im Gerichtssaal trägt". Und der Oberstaatsanwalt antwortet: "Hören Sie gut zu: In Berlin gibt es einen Richter, der vielleicht noch am Leben wäre, wenn er eine Faustfeuerwaffe getragen hätte." Kurz zuvor war Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann von der RAF erschossen worden.

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Erziehung
"Du bist nicht mehr meine Freundin"
Benedikt XVI. über Missbrauch
Schuld sind die anderen
Mature businessman lying on carpet next to laptop model released Symbolfoto property released PUBLIC
Stress bei der Arbeit
"Der Grundmodus unseres Gehirns ist Angst"
Kaffee-Trend
Espressomaschinen sind die neuen Autos
Enjoying spring on my balcony; Drinnen
Wohnen
Wie Räume unsere Gesundheit beeinflussen
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB