Familientrio:Nervige "Nerf"-Pistolen

Lesezeit: 3 min

Viele Kinder spielen gerne mit den Spielzeugwaffen, auch die zwei Söhne unserer Leserin wollen mit "Nerf"-Pistolen schießen. Sie findet aber, dass so realistische Waffen nichts für Kinder sind. Hat sie recht?

Junge mit Spielzeuggewehr N Strike Elite von NERF Hasbro bewaffnet mit Schaumstoff Projektilen K
(Foto: imago/)

Meine Söhne (10 und 6) wollen unbedingt eine "Nerf"-Pistole haben. Alle ihre Freunde haben so eine Spielzeugwaffe und veranstalten damit Schlachten. Mein Mann und ich wollen unsere Kinder nicht ausschließen, finden aber, dass so realistische Waffen nicht als Spielzeug geeignet sind. Auch ist es für mich ein Unterschied, ob ich einen Stock halte und "peng, peng!" sage oder mit einer geladenen Waffe Schaumstoffmunition abfeuere. Wissen Sie Rat?

Claudia R., Landshut

Familientrio: Margit Auer ist die Autorin der Kinderbuch-Bestseller-Reihe "Die Schule der magischen Tiere", die inzwischen mehr als sieben Millionen Mal gedruckt und in 25 Sprachen übersetzt wurde. Sie hat drei erwachsene Söhne und lebt mitten in Bayern.

Margit Auer ist die Autorin der Kinderbuch-Bestseller-Reihe "Die Schule der magischen Tiere", die inzwischen mehr als sieben Millionen Mal gedruckt und in 25 Sprachen übersetzt wurde. Sie hat drei erwachsene Söhne und lebt mitten in Bayern.

(Foto: Privat)

Margit Auer:

Diese Frage ist super dazu geeignet, um die Hilflosigkeit des Familientrios zu demonstrieren, also von mir. Ich habe drei Jungs und obwohl ich schwöre, niemals eine Nerf-Pistole gekauft zu haben, ist ein Regal voll mit diesen Dingern. Keine Ahnung, wo sie herkamen! Ich hasse Waffen und sehe das genauso wie Sie. Wie kamen die Pistolen in unser Haus? Ich weiß es nicht! Im Gang wurde eifrig damit herumgeballert und, jetzt kommt's, es gab eine spektakuläre Geburtstagsfeier: Ein Junge lud alle Gäste in die Schulturnhalle seiner Mutter ein. Sie war Rektorin einer Schule, in der es bestimmt, wie in allen Schulen, darum geht, die Kinder zu einem friedlichen Miteinander anzuregen. Die Party war der Hit. Den ganzen Nachmittag wurde gekämpft. Hinter dem Mattenwagen konnte man sich prima verstecken. Diese Holzkisten, die man übereinanderstapelt, waren der perfekte Hinterhalt. Irgendwie haben wir das überstanden. Sogar das Regal hat sich inzwischen geleert. Wollen Sie wissen, wie? Einer meiner Söhne, inzwischen Student, nahm sie mit in seine Wohngemeinschaft. Dort wollte er mit einem Mitbewohner eine Nerf-Schlacht machen. Beide sind aktiv in der Grünen Jugend und engagieren sich für "Fridays for Future". Wie gesagt, manchmal bin ich auch absolut ratlos. Aber die Dinger sind aus dem Haus.

Familientrio: Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt, Wissenschaftler und Autor von Erziehungsratgebern und des Blogs "Kinder verstehen". Er hat vier erwachsene Kinder und lebt mit Frau und jüngstem Kind in Ravensburg.

Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt, Wissenschaftler und Autor von Erziehungsratgebern und des Blogs "Kinder verstehen". Er hat vier erwachsene Kinder und lebt mit Frau und jüngstem Kind in Ravensburg.

(Foto: Privat)

Herbert Renz-Polster:

Vom Kind aus gedacht spricht manches für Lockerheit. Selbst wenn sie mit diesen Teilen schlimme Schlachten schlagen und ihre Gegner "töten", sind die Kinder "in echt" nicht weniger rücksichtsvoll, hilfsbereit oder generell den menschlichen Werten zugetan. Es ist Spiel, und so wie die Steinzeitkinder mit ihren stumpfen Kinderpfeilen aufeinander geschossen haben, schießen die heutigen Kinder mit Schaumstoffmunition aus automatischen Waffen aufeinander. Wenn da nur die beklemmende Realität nicht wäre. Nerf-Waffen bilden realistisch genau die Kriegswaffen nach, mit denen gerade real Menschen getötet werden, samt Patronengürtel und halbautomatischer Bedienung. Ich kann deshalb gut verstehen, wenn Eltern dazu das sagen: Dieses Spiel macht mir keine Freude, im Gegenteil, es macht mich beklommen und stresst mich. Für meine Kinder mag es ein Spiel sein, aber ich will ihm nicht zuschauen und ich will ihm keinen Raum geben. Und so kann man das den Kindern auch sagen. Die werden ihrerseits vielleicht entgegnen: Aber hast du das mal gespielt? Im Sommer die Schlachten im Garten mit dem Supersoaker waren doch auch immer ein Riesenspaß! Sie sehen, ich bin selber ratlos.

Familientrio: Collien Ulmen-Fernandes ist Schauspielerin und Moderatorin. Die Mutter einer Tochter wohnt in Potsdam und hat den Kinderbuch-Bestseller "Lotti und Otto" und den Elternratgeber "Ich bin dann mal Mama" verfasst.

Collien Ulmen-Fernandes ist Schauspielerin und Moderatorin. Die Mutter einer Tochter wohnt in Potsdam und hat den Kinderbuch-Bestseller "Lotti und Otto" und den Elternratgeber "Ich bin dann mal Mama" verfasst.

(Foto: Anatol Kotte)

Collien Ulmen-Fernandes:

Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll! Nun habe ich endlich die Gelegenheit, etwas zu diesem Thema zu sagen: Ja, ja und nochmals ja, diese martialischen Knarren mit besagter Schaumstoffmunition sind eine Plage. Das Zeug ist total überteuert, die "Munition" fliegt überall herum und geht ständig verloren, die Kinder werden nahezu hysterisch beim Spiel, und zu allem Übel werden auch noch all unsere humanistischen Ideale sabotiert. Die Welt wäre eine bessere, wenn dieses Zeug niemals über uns gekommen wäre. Dass Sie Ihre Kinder nicht unnötig mit "Waffen" spielen lassen wollen, ist ehrenwert und verständlich. Zum Glück weisen, soweit ich weiß, alle Studien darauf hin, dass es keinen direkten Zusammenhang gibt zwischen "gewaltvollem" Spiel und entsprechender psychischer Entwicklung. Ich plädiere für Gelassenheit. Erziehung ist schon stressig genug, ganz zu schweigen davon, dass Kinder meist eh DAS am heftigsten begehren, was man ihnen verwehrt. Also, fürs Protokoll: Nerf ist eine wahre Pest, und ich wünschte, dieses Teufelszeug wäre niemals erfunden worden. Andererseits ... Haben Sie es mal ausprobiert? Es macht leider unfassbar viel Spaß.

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Schreiben Sie eine E-Mail an: familientrio@sueddeutsche.de

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