Natur:Blühendes Leben

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(Foto: imago stock&people)

Wild, bunt, wunderbar: Kaum etwas schafft so schnell Sommergefühle wie eine satte Blumenwiese. Bitte schön!

Von Georg Cadeggianini

Was ist eine Blumenwiese?

Auf einer Wiese stehen Gräser und Blumen, keine Bäume, keine Hecken. So weit, so klar.Auf Blumenwiesen findet man so viele verschiedene Pflanzenarten wie in kaum einem anderen Lebensraum bei uns. Wiesen sind aber eine Kulturlandschaft. Das heißt: Es gibt sie nur, weil wir Menschen uns darum kümmern. Würde man gar nichts machen, dauert es oft nur zehn bis zwanzig Jahre, bis so eine Fläche verwaldet. Kümmern bedeutet in dem Fall vor allem: Mähen.

Je mehr Mähen, desto mehr Wiese?

Falsch. Eine abwechslungsreiche Blumenwiese wird nur zwei- bis dreimal im Jahr gemäht und nicht vor Ende Juni. Auf den stark gedüngten Flächen, die oft fünf-, manchmal sechsmal im Jahr gemäht werden, um Heu zu machen, wachsen nur eine Handvoll Arten. Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge finden dort nichts zum Fressen. Das heißt aber auch: Vögel und Feldmaus finden auch nichts zum Fressen ...

Wie beobachtet man eine Blumenwiese?

Am besten von der Seite. Das heißt: Man buckelt sich runter und geht wie ein Käfer ganz nah ran. Was wächst da? Wer besucht welche Pflanze? Eine Wiese ist wie ein Haus mit verschiedenen Stockwerken. In jedem Stockwerk wohnen unterschiedliche Tiere. Ganz unten im Keller ist die Bodenschicht mit den Wurzeln, das Reich der Tausendfüßer, Regenwürmer und Asseln. Drüber im Erdgeschoss ist die Streuschicht mit abgestorbenen Pflanzen. Hier wohnen Käfer, Ameisen, kleine Spinnen. Die erste Etage ist die Blatt- und Stängelschicht. Spielplatz von Heuschrecken, Blattläusen, Marienkäfern. Ganz oben im Dachgeschoss bei den Blüten schwirren die fliegenden Insekten: Libellen, Hornissen, Hummeln, Bienen, Schmetterlinge.

Was wächst da?

Bekannt sind vor allem die Pflanzen von Fettwiesen, also Wiesen, die auf nährstoffreichen Böden wachsen: Löwenzahn, Gänseblümchen, Hahnenfuß, Klee, Schafgarbe. Auf solchen Böden wachsen aber meist nur wenige verschiedene Arten. Auf Magerwiesen dagegen wachsen bis zu 100 verschiedene Arten. Merke: Insekten haben oft einen ganz anderen Eindruck von einer Wiese als wir. Margeriten etwa sehen nicht wie ein bisschen öde große Gänseblümchen aus - für Insekten leuchten sie ultraviolett, ein für Menschen nicht wahrnehmbarer Farbton.

Was ist blöd daran?

Insekten brauchen etwas anderes als ein Fußballspieler. Eine richtige Blumenwiese sollte man nicht mal betreten. Sie ist also nichts für den ganzen Garten oder den Park. Aber vielleicht findet sich ein Platz für eine wilde Ecke? Jeder Flecken hilft der Natur.

Kann man da spielen?

1. Saugen wie ein Schmetterling (du brauchst: alte Strohhalme und Tesa): Der Rüssel eines Schmetterlings ist länger als sein halber Körper. Versuch mal aus einem Strohhalm zu trinken, der vom Boden bis zur Brust geht... 2. Pfeifen wie ein Murmeltier (Grashalm und Geduld): Grashalm zwischen die zwei Daumen einspannen, in die kleine Öffnung pusten. Noch mal probieren

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