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Nationalgetränk in der Krise:Bier + Deutsch = Problem

Bier mit Cappuccino-Aroma

Das hat nun gar nichts mehr zu tun mit den friedlich-fröhlichen Hochglanzklischees, mittels derer die Bierindustrie ihr Produkt als harmloses Spaßgetränk inszeniert. Ob die allerdings etwas an dem tumben Bierdimpfl-Image, das gerade der bayerischen Bierkultur anhängt, ändern werden, bleibt fraglich.

Die trinkende Jugend jedenfalls findet zunehmend Gefallen an hochprozentigen Energy-Drink-Mischungen. Die Industrie reagiert mit der Abfüllung diverser Biermischgetränke, Bier mit Cola beispielsweise, mit Tequila-, Apfel- oder auch Cappucino-Aroma.

Tatsächlich verkauft sich derart originelles Gepansche ganz ordentlich, allerdings nur mit sehr hohem Marketingaufwand, was die Umsatzrendite dann wieder nach unten drückt. Unabhängig davon stellt sich die Frage, ob derart lustige Limonaden mehr als nur eine vorübergehende Modeerscheinung sein werden; so wie die miesen mexikanischen Maisbiere, die zu Zeiten des TexMex-Booms todschick waren und heute nur noch ein deprimierendes Dasein in ordinären Berliner Strandbars fristen.

Statt zweifelhafter Ranschmeiße wäre etwas Imagepflege vielleicht sinnvoller. Dabei gälte es in erster Linie, dem scheinbar übermächtigen Konkurrenten Wein Paroli zu bieten.

Wird Bier in weiten Kreisen als eher unkultiviert wahrgenommen, so gilt der Weintrinker grundsätzlich als Kenner und Genießer. Die Weinfraktion kann sich freilich auf überirdischen Beistand verlassen, ist doch die, gerade in Bayern so gerne beschworene, christlich-abendländische Kultur durch und durch dem Weinbau verpflichtet: Aristoteles betrachtete die Sache noch nüchtern, als er in vergleichenden Studien feststellte, dass Biertrinker im Rausch nach vorne fallen, Weintrinker dagegen zur Seite.

Im Alten Rom war Bier dann schon das Getränk der feindlichen Barbaren, und so hieß es, Weintrinker dufteten nach Nektar, während Biertrinker nach Geißbock stänken. Endgültig wird die Vorrangstellung des Weins im Neuen Testament mit der Apotheose zum Blut Christi sanktioniert. (Diese Vorliebe der Antike lässt sich wohl als Abgrenzung gegenüber den rivalisierenden Hochkulturen Ägyptens und Babylons deuten, die Bier als Göttertrank verehrten).

Das 19. Jahrhundert erhob Wein dann zum Getränk der Freiheit und Aufklärung und seinen Genuss zur sublimen Kunst, während Bier das zünftige, flüssige Brot des vorindustriellen Zeitalters blieb. Das Argument, Wein sei eben das wertvollere der beiden Getränke, mag damals noch berechtigt gewesen sein.

Heute erscheint es obsolet angesichts der Tatsache, dass der Deutsche im Durchschnitt nicht mehr als zwei Euro pro Flasche Wein auszugeben bereit ist und - brancheninternen Erkenntnissen zufolge - nur etwa 300.000 Menschen hierzulande mit dem Begriff Barolo etwas anfangen können. Es ist vielmehr so, dass beim Wein die Reputation der großen Gewächse auf die Massenplörre abstrahlt, beim Bier dagegen die wirklich guten Exemplare im Meer der Durchschnittsware untergehen.

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