Nachgefragt beim Ex-Minister Was Guttenberg wirklich sagen wollte

Im Gespräch mit einer großen deutschen Zeitung hat sich Karl-Theodor zu Guttenberg in dieser Woche zur Plagiatsaffäre geäußert. Die Antworten waren erwartbar, weil die falschen Fragen gestellt wurden. Das haben wir geändert - mit erstaunlichem Ergebnis.

Ein fiktives Interview von Nico Fried

Herr zu Guttenberg, früher trugen Sie Brille und gegelte Haare. Wollten Sie damals verschleiern, dass Sie eigentlich aussehen wie Lothar Matthäus?

Unsinn! Wenn ich etwas verschleiern wollte, würde ich es so verfremden, dass es niemand merkt.

Das heißt, Sie stehen dazu, dass Sie nur ein Matthäus-Plagiat sind?

Ja, selbstverständlich. Das wiederum können meine Familie und mein unmittelbares Umfeld am allerbesten bezeugen.

Aber dass in Wahrheit Herr Matthäus Ihre Doktorarbeit geschrieben hat, sollte trotzdem niemand erfahren?

Es steht völlig außer Frage, dass ich einen auch für mich selbst ungeheuerlichen Fehler begangen habe, den ich auch von Herzen bedauere.

Wann fing Ihre Zusammenarbeit an?

Ich habe im Jahr 1999 mit meiner Doktorarbeit begonnen.

Aber da war Matthäus ja noch als Fußballer aktiv?

Ich habe mit meinem Doktorvater über diese Doppelbelastung gesprochen, und wir waren beide der Meinung, die Dissertation sei trotzdem zu schaffen.

Sie waren der beliebteste Politiker und Held der CSU. Trotzdem schlagen Sie jetzt Matthäus als Parteichef vor?

Es reicht auch für die CSU nicht aus, in romantischer Rückschau die gute alte Zeit zu beschwören.

Warum glauben Sie, dass Matthäus ein erfolgreicher Politiker sein könnte?

Den Menschen mangelt es in der Politik generell an Köpfen, die für gewisse Inhalte stehen.

Was heißt "gewisse Inhalte"?

Dabei möchte ich es bewenden lassen. Nicht jede Betonung muss bereits eine Drohung sein.

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