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Nabelschnurblut:Geschäfte wie am Schnürchen

Viele Eltern lassen das Nabelschnurblut ihrer Kinder einfrieren. Die Lagerung ist teuer - und den größten Nutzen haben aber die Firmen, die dafür kassieren.

Manche Eltern schließen bei der Geburt ihrer Kinder einen Bausparvertrag ab, oder sie legen Geld für die Ausbildung zurück. Yovana Strogaris fror für ihre Tochter ein paar Tropfen Blut ein. Die kleine Konserve, die während der Entbindung mit Blut aus der Nabelschnur gefüllt wurde, hielt sie für eine ebenso wichtige Anlage für ihr Kind.

Nabelschnurblut

Nabelschnurrblut - eine Art Lebensversicherung für das Kind?

(Foto: Foto: ddp)

Denn im Nabelschnurblut befindet sich eine große Anzahl adulter Stammzellen, jene Alleskönner, aus denen sich noch andere Zellen wie Knorpel oder Haut bilden können.

Wissenschaftler forschen intensiv an den Zellen. Und Yovana Strogaris vertraut auf die Forscher, die aus den Zellen vielleicht einmal Therapien gegen Krankheiten wie Diabetes entwickeln könnten.

Sollten solche Heilmethoden auf den Markt kommen, dann wären jene Menschen im Vorteil, die einen Vorrat an eigenen Stammzellen im Gefrierschrank haben, glaubt die Mutter. Und nicht nur sie.

Das Lagern von Nabelschnurblut liegt im Trend. Für Unternehmen, die das Blut gegen eine Zahlung von 2000 bis 4000 Euro einfrieren, ist das ein lukratives Geschäft. In Deutschland haben sich bereits sechs Firmen auf den Service spezialisiert.

Das älteste der Unternehmen, Vita34, ging im März an die Börse. Dabei ist völlig ungewiss, ob sich die Aufbewahrung lohnt.

"Eine einzigartige Möglichkeit"

"Unmittelbar nach der Geburt gibt es eine einzigartige Möglichkeit für die womöglich weitreichendste Gesundheitsvorsorge Ihres Kindes", lockt die Firma Eticur. Bei Vita34 spielt man sogar direkt auf die Angst der Eltern an: "Ihr größter Wunsch ist, dass ihr Kind gesund bleibt", schreibt das Unternehmen. Derzeit hat Marktführer Vita34 etwa 40.000 Konserven eingelagert. Dieses Jahr sollen 9000 neue hinzukommen.

"Wir wollen die Zahl der Einlagerungen durch gezieltes Marketing deutlich steigern", sagt eine Sprecherin. Dafür lässt das Unternehmen auf seiner Internetseite prominente Eltern zu Wort kommen: "Wir sehen die Stammzellen im Nabelschnurblut als biologische Gesundheitsvorsorge für unsere Tochter Lucia", verkünden etwa die Schauspielerin Mariella Ahrens und ihr Mann, Graf Patrick von Faber-Castell.

Die ehemalige Ski-Rennläuferin Martina Ertl-Renz bekundet, sie fühle sich sicherer, da sie das Blut eingefroren habe. Ähnlich geht es auch dem Ehepaar Strogaris. Yovana Strogaris war durch eine Broschüre in der Frauenarztpraxis auf das Angebot aufmerksam geworden. Ihr Arzt empfahl den Service. Gemeinsam mit ihrem Mann entschloss sie sich daher zu der Investition. "Es ist ein beruhigendes Gefühl", sagt sie.

Was genau den Eltern ihr Gefühl von Sicherheit gibt, bleibt jedoch vage. Die meisten Therapieversprechen der Firmen stützen sich auf völlig unsichere Forschungserfolge der Zukunft: "Alle Versprechen, die die Firmen den Eltern im Bereich der Organentwicklung oder zur Heilung von Lähmungen machen, sind noch Science- Fiction", sagt Gerhard Ehninger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie.

"Von solchen Therapien sind wir weit entfernt"

Diese Szenarien setzen darauf, dass aus Stammzellen eines Tages zum Beispiel insulinproduzierende Zellen gezüchtet werden können oder dass sie als Ausgangsstoff für neue Organe dienen werden. "Von solchen Therapien sind wir weit entfernt", sagt Ehninger. Eltern seien besser beraten, das Geld in die Bildung der Kinder zu investieren.

Auch Gesine Kögler, Leiterin der größten öffentlichen Stammzellbank in Düsseldorf, ärgert die Werbung privater Anbieter, die falsche Hoffnungen schüre. "Ich erhalte Anrufe von Eltern diabeteskranker oder querschnittgelähmter Kinder, die glauben, dass ihre Kinder mit den Zellen geheilt werden", sagt sie. Aber Nabelschnurblut sei kein Allheilmittel. Selbst wenn in 30 Jahren Therapien erfunden werden, ist unklar, ob die heute eingelagerten Konserven dann noch brauchbar sind. "Man weiß nicht mal, ob die Gefrierbeutel so lange halten", sagt Kögler