bedeckt München 29°

Mütter kommentieren Familienpolitik:"Kinder fördern - nicht deren Eltern"

Der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland kommt einfach nicht voran. Während die neuen Bundesländer die Quoten mittlerweile erfüllen, fehlen allein im Westen 233.000 Betreuungsplätze. Betroffene Mütter berichten, wie sie mit der Situation umgehen und was sie von den Maßnahmen der Regierung halten.

Nicht alle Eltern sind auf der Suche nach einem Krippenplatz. Manche übernehmen die Betreuung ihrer Kleinkinder lieber selbst oder geben sie in die Hand der Großeltern - eine Maßnahme, die auch der Familienpolitik zugutekommt, die bei der Einrichtung von Krippenplätzen noch immer hinterherhinkt. Doch ist das Betreuungsgeld wirklich die Lösung? sueddeutsche.de hat bei Betroffenen nachgefragt.

Betreuungsgeld statt Kita? Selbst Eltern, die ihre Kinder daheim erziehen, sind nicht wirklich von der Sinnhaftigkeit dieser Subventionen überzeugt.

(Foto: DAPD)

Jeannine Pfende, 34, Notarfachangestellte, lebt mit Mann und Tochter in Moorenweis (Landkreis Fürstenfeldbruck, Bayern)

"Ich hatte großes Glück, für Pauline einen Platz zu bekommen. Ich war im vierten Monat schwanger, als die Krippe in unserem 4000-Einwohner-Dorf gerade ausgebaut wurde. Seit Pauline 13 Monate alt ist, geht sie in die Kita, inzwischen jeden Tag von sieben bis 17 Uhr. Mein Mann und ich arbeiten beide in Vollzeit, das müssen wir auch. Deswegen haben wir uns entschieden, Pauline in die Krippe zu geben, wenn sie sich dort wohlfühlt. Und das tut sie: Wenn ich sie in der Früh dort abliefere, geht sie gleich mit den anderen Kindern spielen. Abends will sie manchmal gar nicht mehr nach Hause.

Das Finanzielle ist aber nur das eine. Ich finde es gut, dass Pauline in die Krippe geht. Dort kann sie von gleichaltrigen und älteren Kindern lernen. Ich wollte nicht, dass aus ihr ein Kind wird, das den ganzen Tag alleine mit Mama zu Hause bleibt - ich kann ihr einfach nicht dasselbe bieten wie die ausgebildeten Erzieherinnen in der Kita. Zu Hause hat sie keine Geschwister, mit denen sie spielen könnte. In der Krippe dagegen hat sie schnell Freunde gefunden, die sie jeden Tag sieht.

Wir selbst kennen das auch nicht anders: Mein Mann und ich kommen beide aus Brandenburg, waren selbst schon mit sechs Monaten bzw. einem Jahr in der Krippe. Unsere Mütter mussten arbeiten, das war damals in der DDR völlig normal.

Ich fände es blöd, wenn das Betreuungsgeld käme. Meiner Meinung nach werden kleine Kinder in der Einrichtung einfach besser gefördert als zu Hause. Das gilt besonders für Migrantenkinder, die noch Deutsch lernen müssen. Sie sollten nicht erst in der Grundschule damit anfangen. Gut wäre, wenn die Kinderbetreuung nach dem schwedischen Vorbild ausgebaut werden würde: Dort haben alle Eltern die Chance auf einen Krippenplatz.

Abgesehen davon finde ich, jeder sollte sich frei entscheiden können, ob er zu Hause bleiben oder sein Kind in Betreuung geben möchte. Die Möglichkeit dazu ist aber hier einfach nicht gegeben."

(Protokoll: Lena Jakat)

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite