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"Monopoly" wird 75:Die Frage nach der Hauptstadt

Der spielerische Schacher um Mieten, Macht und Moneten traf damals sofort den Nerv der Zeit. "Monopoly" machte Darrow zum echten Millionär, den Parker-Verlag rettete es vor dem Ruin - und das in einem Krisenjahr. Der Zusammenhang ist wohl immer noch aktuell. Ende 2009 stellten deutsche Spieleverlage fest, dass die Finanzkrise die Lust am Spiel belebt. In Zeiten knapper Kassen blieben mehr Menschen zu Hause und suchten kostengünstig Zerstreuung.

"Monopoly" eroberte Deutschland zuerst im Jahr 1936, umgemünzt auf den Berliner Stadtplan. Nicht ohne Hintergedanken sollen Übersetzer die Insel Schwanenwerder als eines der teuersten Spekulationsobjekte eingezeichnet haben. Denn dort besaß Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels eine Villa. Die hatte er weit unter Wert von einem jüdischen Besitzer erworben, der zum Verkauf gezwungen wurde. Der verärgerte Goebbels ließ das Spiel angeblich verbieten und gab als Grund den "jüdisch-spekulativen Charakter" des Spiels an. Eine sichere Quelle dafür gibt es allerdings nicht. 1938 verschwand "Monopoly" einfach aus den Spiele-Katalogen.

Erst 1953 kam das Spiel in der Bundesrepublik wieder in den Handel, in der DDR blieb es verboten. Doch in Westdeutschland gab es schon wieder ein Problem. Wer kannte schon Innenstadt-Straßen der jungen Hauptstadt Bonn mit merkwürdigen Namen wie Mauspfad? Wie lange würde das Provisorium Bonn Hauptstadt bleiben? Die deutsche Edition erhielt deshalb als einzige Länder-Ausgabe nicht die Straßennamen ihrer Hauptstadt, sondern Phantasiebegriffe wie Schlossallee.

Mathematiker hat "Monopoly" zu Wahrscheinlichkeitsrechnungen über die beste Taktik beflügelt. Psychologen versichern, es käme auch aufs Würfelglück an. Ihre Fähigkeiten testen Spieler heute bei "Monopoly"- Weltmeisterschaften, andere stellen immer neue Rekorde auf. Eine 99-Stunden-Partie in der Badewanne ist schon registriert, 200 Stunden Balanceakt auf dem Schwebebalken sind abgehakt.

Sein Langzeit-Überleben hat das Spiel aber sicher auch seiner Anpassungsfähigkeit zu verdanken. Von Städte-Editionen über Ausgaben zu Star Wars bis zu Fußball-Spielbrettern für Bayern-München-Fans ist fast alles zu haben. Die neueste Idee ist ein rundes Spielbrett. Der Klassiker ist und bleibt aber das mit dem Gefängnis in der Ecke, den vier Bahnhöfen und Wasser- und Elektrizitätswerk und der Schlossallee. Und für die wurde bekanntlich - das sang jedenfalls Klaus Lage im Jahr 1984 - schon immer viel zu viel verlangt.

© sueddeutsche.de/dpa/bre
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