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"Moment mal" - Phrasen der Intoleranz:Ausgrenzen mit vier Worten

Wintersemester startet in Brandenburg

Menschen, die vielleicht ein bisschen anders aussehen, als der Durchschnitt in diesem Land, kennen diesen Satz: "Wo kommst du her?"

(Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Wer Mohammad, Phuong oder Dhakiya heißt, bekommt die Frage "Wo kommst du her?" dauernd zu hören. Warum sich darin Rassismus versteckt und welche Erfahrungen unsere Leser mit noch schlimmeren Sätzen gemacht haben.

Der Satz hat vier einfache deutsche Wörter. Vier Wörter, die beiläufig dahingesagt werden. Vier Wörter, die scheinbar nichts bedeuten. Small Talk. Irgendwie muss man ja ins Gespräch kommen, wenn der neue Freund zum ersten Mal den Eltern vorgestellt wird, bei Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag. Oder wenn die neue Mitbewohnerin einen begleitet, auf die Geburtstagfeier, wo dann alle bei Chips und Bier in der Küche rumstehen.

"Vielfalt und Vorurteile: Wie tolerant ist Deutschland?" Diese Frage hat unsere Leser in der siebten Abstimmungsrunde des Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Dieser Beitrag ist Teil eines Dossiers, das sie beantworten soll. Alles zur Toleranz-Recherche finden Sie hier, alles zum Projekt hier.

Dann fällt also dieser Satz, der genau genommen eine Frage ist: "Wo kommst du her?" Zu hören bekommen ihn vor allem Menschen, die Mohammed, Phuong oder Dhakiya heißen, deren Haut vielleicht ein bisschen dunkler ist, die - kurzum - etwas anders aussehen als der Durchschnitt in diesem Land. Die anders aussehen als diejenigen, die manche Bio-Deutsche nennen, weil sie von Eltern abstammen, die nur deutsche Wurzeln haben.

Man könnte einwenden: Was ist denn schlimm an der Frage "Wo kommst du her?". Das ist doch nett gemeint, das signalisiert Interesse an der Herkunft des anderen. Irgendwie muss man das Gegenüber doch einordnen können. Man will ja wissen, wen man da vor sich hat. Menschlich, charakterlich - und geografisch.

Doch kaum ein Fragesteller versetzt sich in die Lage desjenigen, der diesen Satz hört. Wieder und wieder. Denn hinter der Frage "Wo kommst du her?" verbirgt sich die Annahme, dass ein Mensch, der Mohammad, Phuong oder Dhakiya heißt und auch so aussieht, unmöglich aus Bottrop, Buxtehude oder Berchtesgaden stammen kann.

Solche Menschen, das sind doch normalerweise Asylanten, die von Schleppern über die Grenze gebracht werden. Das sind Wirtschaftsflüchtlinge, die von unserem Wohlstand profitieren wollen. Das sind verzweifelte junge Leute, die ihr Land verlassen und zum Studieren nach Deutschland kommen, weil es in ihrem Heimatland keine Straßen und erst recht keine vernünftige Universität gibt.

Du bist hier nur Gast. Ich war vor dir da

"Wo kommst du her?", so hat es der Autor und Soziologe Mutlu Ergün analysiert, meine implizit: Du bist aus der Fremde gekommen. Du bist hier nur Gast. Ich war vor dir da und habe mehr Rechte als du. Und schließlich, so schreibt Ergün weiter, werfe die Frage "Wo kommst du her?" gleich eine zweite Frage auf: "Wann gehst du wieder zurück?"

Unabhängig davon, dass der latente Rassismus, der sich in diesem Satz zeigt, vom Fragesteller nicht gewollt ist, unabhängig von allen guten Absichten, die sich dahinter verbergen mögen, ist "Wo kommst du her" eine Phrase der Ausgrenzung. Solche Sätze gibt es zuhauf - und sie richten sich nicht nur gegen Migranten. "Ich habe ja nichts gegen Schwule, aber ...", ist ein weiteres Beispiel. Dahingeworfene Sätze, die scheinbar nichts weiter bedeuten. Die aber geeignet sind, dem Gegenüber klarzumachen, dass es außerhalb "unserer" Gemeinschaft steht.

Ergün, der sich seit Jahren gegen Rassismus engagiert, hat im Rahmen seiner Bühnenperformance mal Tipps gegeben, wie man auf diese Sätze möglichst schlagfertig reagieren und sein Gegenüber zum Nachdenken bringen kann. Er hat das in einer Rangliste zusammengestellt. Auf Platz eins der besten Antworten auf die Frage "Wo kommst du her?": "Aus Mama".

Phrasen wie "Wo kommst du her?" waren Anlass und Ausgangspunkt zu unserem #momentmal-Aufruf. Im Rahmen der SZ-Toleranz-Recherche haben wir unsere Leser gebeten, uns Szenen oder Sätze zu schicken, die auf den ersten Blick harmlos oder gar nett erscheinen. Aus denen aber bei näherem Hinsehen Vorurteile und Intoleranz sprechen. Eine Auswahl der eindrücklichsten Tweets, Posts und Mails finden Sie im folgenden, die komplette Sammlung in diesem Text:

"Ich hab auch so einen Kubaner"

Die Frage "Wo kommst du her?", die manchmal auch variiert wird als: "Wo kommst du ursprünglich her?" oder "Wo kommst du eigentlich her?" ist auch vielen SZ.de-Lesern schon begegnet. Drei Beispiele:

Eine Leserin aus Sachsen berichtet gleich von einem ganzen Arsenal solcher Fragen:

"Die Frage nach der Abstammung kann ich nicht mehr hören. Ebenso (...) Aussagen zu meinem Aussehen und selbstverständlich auch noch das Lob, wie gut ich doch meine Muttersprache Deutsch beherrsche. (...) Ja, das sind Fragen die Interesse an meiner Person bekunden sollen. Ich reagiere nicht genervt oder fühle mich angegriffen, weil mich die Menschen freundlich behandeln. Emotional fühlt sich das trotzdem beschissen an". (via Facebook)

"Nach Geburt meines ersten Kindes linsen Omas in den Kinderwagen: "Na, das kommt aber nicht vom Möhrensaft, wo kommt denn da der Papa her?" Zuletzt vor zwei Wochen in meiner Redaktion, eine neue Kollegin sieht erstmals meinen Zweitgeborenen: "Ist der süß, was steckt denn da noch drin?" Auf den Hinweis, so sähe das Kind einer Westfrau und eines Ostmannes aus, fünfmalige Nachfrage: "Na, da muss doch noch was anderes drin sein?", bin ich kurz davor zu fragen, ob sie ernsthaft wissen will, mit wem ich schlafe."

Ich hatte einen Schlüsselmoment während meines Auslandsstudiums in Paris: ich lernte eine Australierin aus Sydney kennen, die phänotypisch eher dem indischen Raum zuzuordnen ist. Bevor ich groß nachdachte, war mir schon rausgerutscht: "And where are you really from?" Sie reagierte irritiert auf die Frage und wollte wissen, was ich überhaupt damit meinte. An ihrer Reaktion konnte ich ablesen, dass sie diese Art Fragen aus Australien nicht gewohnt ist. Mir fiel auf, wie "deutsch" diese Frage ist und wie ich die Einstellung, die hinter ihr steckt, selbst verinnerlicht habe. (via Mail)

Migranten werden aber nicht nur immer wieder nach ihrer Herkunft gefragt, sondern sehen sich auch mit einer Reihe weiterer, mehr oder weniger versteckter, Vorurteile konfrontiert.

"Es sind die Klassiker unter dem Haufen respektloser und übergriffiger Fragen: "Wo ist dein Mann her?" Ich nenne das sächsische Dorf seiner Kindheit. Penetrante Nachfragen: "Jaja, aber jetzt mal in echt!" Dann geht es weiter mit wohlmeinender, vor Toleranz triefender Neugier: "Was esst ihr denn zu Hause?" - "Kartoffeln und Nudeln" - "Nee, ich mein so Exotisches." Oder: "Und? Was sprecht ihr so Zuhause?" - "Sächsisch und Hochdeutsch!" -"Haha, wie lustig, aber jetzt mal im Ernst!" Oder in der Sauna, eine Endvierzigerin patscht mir, mit lüsternem Blick auf meinen Mann, auf meine nackte Schulter: "Meine Freundin, die hat auch so einen Kubaner!", als spräche sie über ein Haustier. Der Siebenjährige, der meinen gleichaltrigen Sohn auf dem Spielplatz anquatscht: "Du bist aber nicht von hier!" - Mein Sohn, der antwortet: "Wieso, rede ich vielleicht Spanisch mit dir?" Der Fremde in der Kneipe, der sich nach den Vorfahren meines Mannes erkundigt, ich pariere die Frage mit: "Und, bei Ihnen? Woher kommt Ihre Oma? Und Ihr Vater? Der Mann schwitzt, wird rot und röter. Verstanden hat er es nicht, dafür sein Kumpel, der ihn wegzieht. (...) Mich nervt diese unverfrorene Neugier, die unmissverständlich Antworten verlangt, die auf dem Recht auf Auskunft über Persönliches, Intimes, Privates beharrt - sie gehört sich nicht. Verweigere ich die Auskunft, ernte ich Unwillen, Unverständnis, Aggression. "Man wird ja wohl mal fragen dürfen ..." - Nein, wir kennen uns nicht. Und nach solch übergriffigen Fragen will ich diese Menschen meist auch gar nicht mehr kennenlernen." (via Mail)

Wenn Schwule nur allein auf Hochzeiten eingeladen werden

Nach einem Umzug rief ein Mitarbeiter der Stadt an, um sich nach der Schulanmeldung für die Kinder zu erkundigen. Dabei fragte er: "Haben Sie Ihre Kinder schon an der Schule angemeldet? Ich kann sie auf keiner Hauptschule finden." Nun ja, die beiden Söhne mit syrischem Vater, beide in Deutschland geboren und mit deutscher Staatsbürgerschaft, waren bereits an der Schule angemeldet. Jedoch auf dem Gymnasium, was der Mitarbeiter wohl gar nicht erst geprüft hatte, sondern vermutete: Wenn sie nicht auf einer Hauptschule sind, dann haben die Eltern sich wohl gar nicht um die Schulanmeldung ihrer Kinder gekümmert. (via Mail)

Ich lebe in Deutschland, seit ich denken kann. Schule, Abitur mit 1,3, dann eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Jetzt studiere ich Wirtschaftspsychologie. In meiner Freizeit trainiere ich ehrenamtlich eine Basketballmannschaft. Dort sprach sich rum, dass ich als Model entdeckt wurde. Irgendjemand scherzte: "Oh, Germany's next Topmodel" und dann sagte ein Vater von einem der Kinder: "Na ja, Germany aber sicher nicht." (via Mail)

Dass "schwul" auf Schulhöfen oder auf dem Fußballplatz noch immer als Schimpfwort benutzt wird, ist eine besonders offensichtliche und sehr verbreitete Form der Diskriminierung. Ausgrenzung zeigt sich aber nicht nur in der plumpen Gleichsetzung "schwul = schlecht", sondern auch in vielen kleinen Anspielungen, die Vorurteile über Homosexuelle reproduzieren.

Wenn Blinde für ihren Studienabschluss gelobt werden

"In meinem Unternehmen, einem großen Versicherungskonzern, wurde mir geraten, meine sexuelle Orientierung zu verheimlichen, wenn ich Interesse an einer Karriere hätte. Ich habe mich nicht daran gehalten. Trotz überdurchschnittlichem Arbeitseinsatz und nachweisbaren Unternehmenserfolgen wurde ich bei Beförderungen, Weiterbildungen et cetera konsequent ignoriert. Als mir eine Stelle in Süddeutschland angeboten wurde, lehnte ich ab, weil ich für 500 Euro brutto mehr dorthin ziehen sollte. Ich argumentierte, dies würde meinen Mehraufwand kaum ausgleichen, geschweige denn den meines Lebensgefährten. Mir wurde darauf geantwortet, dass ich in meinen Kreisen wohl auch schnell jemand neuen kennenlernen würde." (via Facebook)

Als Lesbe finde ich Fragen wie "Wann hast du dich entschieden?" oder "Wer von euch ist der Mann?" oder "Wie verkraften eure Kinder das?" von extremer Ignoranz geprägt. (via Facebook)

Ein weiteres Indiz für versteckte Intoleranz ist, dass ich bisher zu Hochzeiten auch engster Freunde immer alleine eingeladen wurde, obwohl ich seit 18 Jahren den gleichen Freund habe. Insgesamt viermal. Ganz schön bitter. Derzeit lebe ich in Spanien. Hier sind die Leute zurückhaltender. Nach der Frage, ob denn der Mann, von dem ich erzähle, mein Partner sei, ist die Fragerei meistens zu Ende. Natürlich ist hier das Wort "marricón" für "Schwuchtel" ein oft gebrauchtes Schimpfwort. Mein Freund wurde aber bisher in Spanien immer auf Hochzeiten mit mir zusammen eingeladen. (via Mail)

Ich lebe seit zwanzig Jahren offen schwul. (...) Natürlich gab es manchmal blöde Kommentare (...), aber offen abgelehnt wurde ich eigentlich nie. Diskriminierung habe ich subtiler gespürt. Ich wundere mich zum Beispiel immer über die total aus dem Zusammenhang gerissene Frage von Leuten, die ich noch nicht länger kenne, wie ich mich denn mit meinen Eltern verstehe. Die denken wahrscheinlich, dass müsse doch echt problematisch sein. Lust darauf zu antworten habe ich nicht. Ich frage ja auch nicht wildfremde Leute, wie ihre Eltern auf ihre Heterosexualität reagiert haben.

Diskriminierung kann sich auch daran äußern, sich nach außen hin verständnisvoll zu geben.

Die Recherche zu Toleranz

"Vielfalt und Vorurteile: Wie tolerant ist Deutschland?" - Diese Frage hat unsere Leser in der siebten Abstimmungsrunde unseres Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Das folgende Dossier soll sie beantworten.

  • Schwules Priesterpaar Der Herr Pfarrer und sein Mann

    Alexander Brodt-Zabka und Jörg Zabka sind schwul, miteinander verheiratet - und arbeiten beide als Pfarrer. Die Toleranz der evangelischen Kirche hat das gehörig auf die Probe gestellt.

  • Teaser Toleranz Kampf um die Tribünen

    Neonazis recken die Fäuste in die Luft, in den Kurven echauffiert sich die Masse: "Was für ein schwuler Pass!" Wochenende für Wochenende erlebt der Fußball Rassismus und Homophobie. Warum ist das Problem so schwer in den Griff zu bekommen? Eine Spurensuche in der Münchner Arena.

  • - Was hinter 78 antimuslimischen Vorfällen steckt

    Die Regierung, die Medien, die muslimischen Verbände: Wenn es um das Thema Islamfeindlichkeit geht, wird immer wieder eine Zahl zitiert. 78. Doch was ist in diesen Fällen eigentlich passiert? SZ.de hat nachgefragt.

  • Konvertitin Toleranz-Recherche Muslima mit Mütze

    Seit sich Claudia Jansen vor drei Jahren entschied, Muslima zu werden, hat sie ein Problem: In der Arbeit darf sie nur Mütze tragen - die Schulleitung will es so. Dabei ist das Kopftuch für die Konvertitin aus München ein Stück Freiheit.

  • Behinderung Toleranz-Recherche "Wo will der Rollstuhl denn raus?"

    Muss ich einen Blinden vom Bahnsteigrand wegziehen? Hilft es, einem Stotternden die Worte in den Mund zu legen? Und kann ich Behinderte behindert nennen? Betroffene erklären Nichtbetroffenen, wie sie Situationen vermeiden, die für beide Seiten peinlich sind.

  • "Wehe, du bist nicht auf Arbeit"

    Ist eine tolerante Gesellschaft gut für das Wirtschaftswachstum? Wenn ja - warum ist dann die Wirtschaft selbst so intolerant? Ein Gespräch mit dem Wirtschaftsphilosophen Wolf Dieter Enkelmann über Toleranz, Wirtschaft, Konformitätszwang - und die Leibeigenschaft der Corporate Identity.

  • Straftatbestand: Liebe

    Kann ein Urteil, das vor 50 Jahren gesetzeskonform war, heute falsch sein? Deutschland machte Heinz W. zum Straftäter, weil er schwul ist. Mit ihm fordern Zehntausende Homosexuelle, dass die Urteile aufgehoben werden. Doch die Politik lässt sich Zeit - Zeit, die den Betroffenen fehlt.

  • genderneutrale Toilette Toleranz-Recherche Wann ist ein Mann kein Mann?

    Geschlecht ist immer eindeutig und Intersexualität eine Krankheit: Es gibt viele Vorurteile gegenüber Menschen, die nicht dem klassischen Mann-Frau-Schema entsprechen. SZ.de widerlegt die fünf häufigsten.

  • Düstere Aussichten

    Etwa die Hälfte der Deutschen meint, in Deutschland gebe es zu viele Ausländer. Was wäre, wenn es weniger wären? Oder sagen wir: gar keine? Ein Szenario gegen Stammtischparolen.

  • Alltagsrassismus Leipzig Unter Weißen

    Unser Autor ist in Leipzig geboren, spricht - wenn er will - Sächsisch und ist schwarz. Fremde Menschen pöbeln ihn an, bespucken ihn. Umstehende tun, als würden sie nichts bemerken. Wie lebt es sich mit Rassismus im Alltag?

  • Ausgrenzen mit vier Worten

    Wer Mohammad, Phuong oder Dhakiya heißt, bekommt die Frage "Wo kommst du her?" dauernd zu hören. Warum sich darin Rassismus versteckt und welche Erfahrungen unsere Leser mit noch schlimmeren Sätzen gemacht haben.

  • Die Macht der Toleranten

    In unserer Toleranzgesellschaft herrscht ein gewisser Überdruss der politischen Korrektheit. Trotzdem stecken die Stacheln von Rassismus und Antisemitismus fest im Unterbewusstsein. Denn in Deutschland ist Toleranz auch eine Form der Demütigung.

Ich bin stark sehbehindert, mein Lebensgefährte ist blind. Wir haben beide studiert, sind beruflich erfolgreich, engagieren uns in Ehrenämtern und führen ein glückliches und erfülltes Leben. Weil uns nichts fehlt, haben wir uns entschieden, keine Kinder zu bekommen - unabhängig von unserer Behinderung. Aber immer wieder sagen verständnisvolle Leute zu uns, es sei ja klar, dass wir keine Kinder hätten, denn schließlich bestehe das Risiko, dass diese behindert - oder, wenn jemand dieses Wort nicht aussprechen mag - "wie wir" seien. Ich glaube, denjenigen ist gar nicht bewusst, dass sie mir damit sagen, ich hätte besser nicht geboren werden sollen. (via Mail)

Ich als fast blinde, ziemlich kleine Person leide darunter, dass ich von Menschen einfach angefasst werde. Ich werde häufig mit du angesprochen. Wenn eine Begleitperson dabei ist, wird die Begleitperson angesprochen und nicht ich. Mir werden auch häufig Aussagen nicht geglaubt, ich werde nicht ernst genommen. Ich habe studiert und einen Abschluss mit 1,3 hingelegt. (...) Mich stört es aber, wenn Leute sagen: Toll, dass du studiert hast. Nicht nur ich, sondern auch andere Blinde empfinden dies als vergiftetes Lob - so als könne jemand, der nicht sieht, nicht studieren. (via Mail)

Die Worte "blind" und "Blindheit" (...) werden oft in absolut diskriminierender Weise gebraucht. Was bitte hat "blinder Aktionismus", (...) "blinde Zerstörungswut" oder (für mich als politisch denkende und handelnde Blinde besonders schlimm) "auf dem linken oder rechten Auge blind" mit meiner Behinderung zu tun? Auch "hinkende Beispiele" und auf "taube Ohren stoßen" lässt einen als Betroffener sprachlich schlecht aussehen. Wieso werden solche Formulierungen, die Menschen mit Behinderung niedermachen, nicht als politisch unkorrekt bewertet und möglichst schnell beseitigt? (via Mail)

© Süddeutsche.de /sebi/cat
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