Modellprojekt für Sicherheit im Alter:Sensoren für Senioren

Im Schlafzimmer von Gisela Tokarski hängt einer, ebenso im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad: Etwa ein Dutzend Bewegungsmelder sind in der Wohnung der 73-Jährigen aus Trier installiert. Im Ernstfall soll "Susi-TD", so der Name des Überwachungssystems, zur Lebensretterin der alten Dame werden.

Marc Widmann

Mit ihren 73 Jahren ist Gisela Tokarski eine ausgesprochen fröhliche Frau, die nichts zu verstecken hat. "Ich zeige Ihnen jetzt noch den Bewegungsmelder an meinem Bett", sagt sie und führt die Reporter in ihr kleines Schlafzimmer, in dem auch eines dieser kleinen weißen Gebilde an der Wand hängt. Genauso im Wohnzimmer, in der Küche, im Bad, einfach überall. Etwa ein Dutzend Bewegungsmelder hat die gut gelaunte Frau aus Trier an den Wänden kleben. Dazu Kontaktsensoren an allen Türen, selbst an denen von Kühlschrank und Besteckschublade.

Technik soll alleinlebenden Senioren helfen

Big Brother in der Küche: Etwa ein Dutzend Bewegungsmelder sind in der Wohnung von Gisela Tokarski aus Trier installiert - zum Schutz der 73-Jährigen.

(Foto: dapd)

Ist sie damit die Seniorin der Zukunft?

Die Wohnung von Gisela Tokarski ist die erste in einem Modellprojekt. "Sensoren für Senioren", so nennt Frank Weidner dieses Experiment namens Susi-TD, das sein Institut für Pflegeforschung aus Köln mit zwei Fraunhofer-Instituten in Kaiserslautern entwickelte. 30 Rentner aus Trier und Umgebung werden mittels "modernster Technologie" überwacht, 3000 bis 5000 Euro kostet das pro Wohnung.

Niemand soll sich beobachtet oder gar abgehört fühlen

Wenn sie sich plötzlich nicht mehr bewegen, sollen die Sensoren die Notlage erkennen und Hilfe alarmieren. Aber auch längerfristige Krankheiten soll die Technik bemerken.

Gisela Tokarski trägt keine Fühler am Körper, sie hat auch keine Kameras oder Mikrofone in ihrem Apartment. Nur weiße Kästchen. Unauffällig soll die Technik sein, niemand soll sich beobachtet oder gar abgehört fühlen. Dabei registrieren die Sensoren, wie oft sich Tokarski bewegt, wie lange sie im Bett liegt, wie häufig sie auf die Toilette geht und - dank der Fühler an Kühlschrank und Besteckschublade - wie oft sie sich etwas zu essen macht. Schleichende Veränderungen meldet das System im "Aktivitätsreport" an den nächsten Pflegestützpunkt, wo Experten sitzen.

"Das ist ja noch in den Kinderschuhen", sagt Gisela Tokarski vergnügt. Sie treibt eher die Neugier um als Angst um ihre intimen Informationen. Über einen großen Bildschirm auf dem Schreibtisch kann sie jetzt Videotelefonate mit anderen Probanden halten. Bis Februar 2014 läuft der Test, dann werten die Forscher aus, ob die Technik den älteren Menschen wirklich hilft.

"Es ist nichts für jeden", sagt Caren Wagner, eine der Fachleute vom nahen Pflegestützpunkt, "aber vielleicht können wir damit den einen oder anderen ein bisschen länger zu Hause lassen." Die Mainzer Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) sieht in Technik "ein unglaubliches Potenzial" für Senioren. Vorausgesetzt, sie funktioniert.

Als Gisela Tokarski ein Videotelefonat vorführen will, passiert auf dem Bildschirm - überhaupt nichts. Der Server ist überlastet.

© SZ vom 05.09.2012/jobr
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