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Mobbing:Weiblich, erfolgreich, verhasst

Haben alle schon Mobbingattacken hinter sich: Theresa May, Leslie Jones und Claudia Neumann (von links).

(Foto: AP, dpa,)

Frauen kommentieren Fußballspiele, besetzen Actionrollen und bestimmen die Politik. Das wird manchem Mann zu viel. Warum der Hass auf weiblichen Erfolg Konjunktur hat.

Zwei Tage? Eine Woche? Wie lange hält wohl das Hass-Reservoir von ein paar tausend Männern, die sich beleidigt fühlen, weil die Hauptrollen einer Hollywood-Komödie komplett mit Frauen besetzt wurden? Seit dieser Woche weiß man: deutlich länger. Am Mittwoch, also mehr als einen Monat nach dem frauenfeindlich-rassistischen Shitstorm gegen Leslie Jones, die Hauptdarstellerin von "Ghostbusters", haben Hacker private Fotos und Daten der Schauspielerin ins Netz gestellt. Darunter eine Kopie ihres Führerscheins und ihre Handynummer.

Die Mobbingattacke auf Jones ist leider kein Einzelfall. Sie lässt sich einreihen in ein halbes Dutzend anderer gezielt sexistischer Ausfälle gegen prominente Frauen in den vergangenen Monaten. Die anderen Opfer sind zum Beispiel Hillary Clinton, die neue britische Premierministerin Theresa May oder die ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann. Über jede von ihnen ist ein Mob aus männlichen Trollen im Netz hergezogen - mit Hass, frauenfeindlichen Sprüchen oder Theorien über eine feministische Großverschwörung - und zwar allein deshalb, weil sie Frauen sind und in einem Gebiet erfolgreich, in dem die Männer bisher größtenteils unter sich waren.

Von der Filmindustrie über die Politik bis zum Sportjournalismus: Dank des jahrzehntelangen Kampfes für Gleichberechtigung kommen mehr und mehr Frauen in gesellschaftlich einflussreiche Positionen. Die Häufung der gezielten Angriffe im Netz zeigt aber, dass ein bestimmter Typ Mann damit offenbar nicht klarkommt. Der Hass auf Alpha-Frauen entspringt einer neuen männlichen Angst: der Sorge, vom Feminismus überrannt zu werden.

Gering qualifizierte Männer fühlen sich diskriminiert

Die Modernisierung der Welt, so erklären es Soziologen, hat vielen Teilen der Gesellschaft viel gebracht - einer bestimmten Gruppe aber besonders wenig: Gering qualifizierten Männern aus den Industrieländern. Gleichberechtigung oder politische Korrektheit, die liberalen Konsensthemen der letzten Jahre, begreifen einige dieser Männer nicht als Fort-, sondern als Rückschritt. Weil sie nicht davon profitieren. Was in Wahrheit der Abbau von männlichen Privilegien ist - also gesellschaftlich gesehen längst überfällig -, fühlt sich für sie an wie Diskriminierung. Und schon ist jede Frau, die öffentlich eine frühere Männerdomäne betritt, eine weitere Demütigung.

Muss man mit diesen Männern deshalb Mitgefühl haben? Muss man nicht. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die wachsenden autoritären Strömungen - von der AfD über FPÖ und Front National bis zu den Trump-Republikanern - diese neuen Ängste bewusst thematisieren und nicht zuletzt dadurch großen Zulauf haben. Man muss den Hass auf erfolgreiche Frauen im Netz deshalb auch als Zeichen dafür lesen, dass der liberale Diskurs eine gar nicht mal so kleine Gruppe der Gesellschaft längst nicht mehr erreicht.