MinireportageKuscheln mit Dieter

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Lässt sich streicheln und gluckst dann fröhlich: Dieter.
Lässt sich streicheln und gluckst dann fröhlich: Dieter. Andy Koch/Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

Ein Meerschweinchen, das sich bewegt und gluckst, aber nichts isst und nicht läuft? Gibt es. Im elektronischen Streichelzoo in Karlsruhe. Ein Besuch.

Von Tobias Bug

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Flauschiges Fell, ein Kopf mit schwarzen Kulleraugen, zwei Pfoten: Das Meerschweinchen Dieter liegt ganz still auf dem Schoß von Tina Lorenz, lässt sich streicheln, wiegt den Kopf zur Seite und gluckst dann fröhlich. Ups, hat er gerade gepieselt?

Dieter hat keine Ohren, sondern Mikrofone. Keine Stimmbänder, sondern Lautsprecher. Keine Muskeln, sondern Motoren. Und statt Gehirn ist in seinem Inneren ein Chip verbaut. Und nein, pieseln kann er natürlich nicht. Dieter ist ein robotergesteuertes Meerschweinchen. Zusammen mit Lola, Joshi, Mimi, Coco und fünf anderen wohnt er im Zentrum für Kultur und Medien in Karlsruhe: im elektronischen Streichelzoo dort.

Kann man mit Batterien kuscheln? Können Roboter trösten? Schaffen Sensoren Nähe? „Es kommen viele Eltern mit ihren Kindern oder Omas mit ihren Enkeln“, erzählt Projektleiterin Tina Lorenz, aber auch immer wieder Jugendliche. Sie sitzen auf dem Teppich, ein Roboter-Meerschweinchen auf dem Arm, und streicheln es. Mehrmals in der Woche kommen auch Kindergartengruppen vorbei. Lola und Dieter, Mimi und Coco wandern dann von Kind zu Kind, von Schoß zu Schoß. Mit dabei sind Informatik-Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie. Sie beobachten die Kinder beim Spielen mit den Plüschrobotern. Sie wollen herausfinden, wie die Kinder den Unterschied zwischen etwas erkennen, das lebendig ist – und etwas, das nur so tut. Keine echten Beine? Komische Geräusche? On/Off-Schalter? Oder einfach die Tatsache, dass Lola und Co. nie weglaufen? Was braucht der Mensch, um sicher sagen zu können: Das ist eine Maschine!

Im elektronischen Streichelzoo spielen die Besucher mit Minirobotern.
Im elektronischen Streichelzoo spielen die Besucher mit Minirobotern. Felix Grünschloß/Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

Kinder wachsen heute zum ersten Mal mit scheinbar lebendiger Technologie auf, die mithilfe von künstlicher Intelligenz sprechen, auf etwas reagieren, Nähe simulieren und sich sogar wie ein Freund verhalten kann. Spielzeuge oder Chatbots sprechen einen mit Namen an und simulieren Freundschaft. Anders als echte Freunde sind Spielzeuge immer verfügbar. „Wenn ein System immer positiv reagiert und mich bestärkt – braucht man dann überhaupt noch echte Freunde?“, fragt Tina Lorenz.

Natürlich braucht man die, antwortet sie gleich selber. Weil echte Freunde auch mal sagen würden: „Das war nicht okay.“ Sie widersprechen, halten Konflikte aus und bringen einen so weiter. Ein Spielzeug behandelt man anders als eine Freundin oder einen Freund. Ein echtes Meerschweinchen, einen Hund oder eine Katze muss man füttern, man muss auf seine Gefühle und Bedürfnisse achten. Und nicht nur, wie bei den Plüschrobotern, einfach den Akku laden und das Fell abziehen, um es in die Waschmaschine zu werfen. Der Roboter verzeiht es einem, wenn man ihn mal eine Weile ignoriert oder schlecht behandelt – ein echtes Haustier nicht.

Die Forscher der Karlsruher Universität wollen im elektronischen Streichelzoo Richtlinien erarbeiten, wie KI-Spielzeug gestaltet sein muss, damit es keine Verwechslungsgefahr gibt. Dafür gibt es heute noch keine klaren Regeln.

Im Giftshop des Museums kann man die Booboos, wie die kleinen Plüschroboter heißen, kaufen. Sie werden von einer chinesischen Firma hergestellt und kosten 500 Euro. Es sind vor allem Erwachsene, die die Booboos kaufen, für eine bettlägerige Mutter oder einen Vater zum Beispiel. Damit alte oder kranke Menschen, die sich nicht um ein echtes Tier kümmern können, etwas zum Kuscheln haben.

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