MinireportageKlick, klick, Handy weg

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AHAOK (Illustration)

Die SPD will Insta, Tiktok, Snapchat für Kinder unter 14 verbieten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz findet das gut. An einer Schule in München werden Handys jetzt schon eingesperrt.

Von Carla Toenneßen

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Es gongt. Mittagspause. Sofia läuft auf den Pausenhof, Richtung Haupteingang, Handy befreien. An der Wand dort ist ein Spezialmagnet montiert. Sofia holt eine graue Stofftasche heraus, die aussieht wie eine Mischung aus Brillenetui und Topflappen. „So geht der Knopf auf“, sagt sie und hält die Tasche gegen den Magneten. Klick. Handy frei. Um sie herum sind viele andere Kinder. Alle haben graue Stofftaschen in der Hand, alle wollen dasselbe. Klick, klick, klick, Mittagspause.

Sofia ist 14 Jahre alt und besucht die achte Klasse des Münchner Heinrich-Heine-Gymnasiums. An ihrer Schule sind Handys nicht einfach nur verboten. Sie werden sogar weggesperrt. Jede Schülerin und jeder Schüler hat hier eine dieser grauen Stofftaschen. Handy rein, Knopf drücken, Handy weg. Öffnen lassen sie sich dann nur mit einem der Magneten im Pausenhof. Wer wann sein Handy nutzen darf, wer also an die Magneten darf, dafür gibt es genaue Regeln. Sofia etwa ist in der Gruppe (achte bis elfte Klasse), die in der Mittagspause entriegeln darf. In der fünften bis siebten Klasse bleibt das Handy bis Schulschluss in der verriegelten Stoffhülle. Zwölfte und dreizehnte Klasse: keine Handyhüllen. Sie dürfen ihre Handys an bestimmten Orten in der Schule benutzen.

In Frankreich sind Mobiltelefone in Grund- und Mittelschulen seit sieben Jahren verboten. In Griechenland bleiben die Handys in den Schultaschen, in Italien werden sie vor Schulbeginn abgegeben. In Deutschland will jetzt die Partei SPD Instagram, Tiktok und Snapchat für Kinder unter 14 verbieten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz findet das gut. Handyregeln gibt es bereits an Schulen, an vielen sind sie nicht erlaubt. So wie auch früher am Heinrich-Heine-Gymnasium. Doch Schulleiter Marcus Sillober sagt: Viele hielten sich nicht an die Regeln. Schülerinnen und Schüler wurden mit Handys erwischt. Es gab Streit und Konflikte. Und Kinder wurden ausgeschlossen. Neu sind die Hüllen.

Und die sorgen erst mal für Wirbel. Ronja ist 13. Sie sagt: „Ich will meine Nachrichten checken. Und ich habe Angst, etwas zu verpassen.“ Konstantin ist 16. Als Elftklässler gehöre er doch zur Oberstufe. Trotzdem muss er sich an die gleichen Regeln wie Sofia halten. Handy nur in der Mittagspause. Das ärgert ihn. „Für die Kleinen sind die Hüllen eine gute Lösung. Sie verlieren am Handy schnell die Kontrolle“, sagt Konstantin. Plötzlich sind 20 Minuten vorbei. Und keiner merkt es. „Für uns sind die Taschen eher nervig und unnötig.“ Ab der zehnten Klasse ist manchmal Vertretungsunterricht ohne Lehrerin oder Lehrer. Hat man kein Tablet dabei, die sind nämlich mit dem Tabletführerschein erlaubt, könne man schlecht arbeiten. Manchmal müsse man Aufgaben aus dem Internet laden. Oder schnell was nachschauen. Pia, 16, hat sich damit abgefunden. „Am Anfang war es nervig“, sagt sie. „Aber jetzt haben wir uns daran gewöhnt.“

Per Knopfdruck wird hier ein Handy befreit.
Per Knopfdruck wird hier ein Handy befreit. Paul Dittmann

Ist es so einfach? Hüllen besorgen, Handys wegsperren, Magneten verwalten. Geht so Medienerziehung? Wäre es nicht besser, den richtigen Umgang mit dem Internet zu lernen? Genau das versuchen die Netzgängerinnen und Netzgänger. Das sind Schülerinnen und Schüler, die durch die Klassen gehen. Sie machen kleine Übungen, erklären, was im Internet und in den sozialen Medien gefährlich sein kann. Probleme gab es trotzdem. Vor allem Handyspiele, besonders bei den Jüngeren. Viele trafen sich auf den Schulklos. Nicht weil sie mussten. Sondern um in Ruhe zu zocken. Mit den Handytaschen ist das jetzt anders. „Jetzt sind auf den Klos nur noch Leute, die wirklich müssen“, sagt Ronja.

Aber kann man nicht schummeln? „Manche haben ein Zweithandy“, sagt Konstantin. „Andere legen ihr Handy gar nicht richtig in die Tasche. Oder schließen sie nicht. Nicht alle Lehrer kontrollieren das.“ Wer erwischt wird, bekommt das Handy abgenommen plus Verweis. Am schlimmsten dabei, da sind sich die Jugendlichen einig: Die Eltern müssen das Handy persönlich abholen.

Es gongt. Die Mittagspause ist vorbei. Die Kinder laufen über das Schulgelände ins Gebäude. Wieder Unterricht. Davor müssen die Handys zurück in die Hüllen. Handy rein, klick, Tasche zu, Handy weg. Wie Sofia verriegeln auch die anderen ihre Handytaschen. Bloß Pia nicht: „Ich lasse das Handy auch während der Mittagspause in der verschlossenen Hülle“, sagt sie. „Ich brauche es nicht.“

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