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Mimikry:Tierische Trickbetrüger

(Foto: Illustration: Yulia Drobova)

Gefährliche Tiere sehen oft auffällig aus. Und harmlose? Die tricksen, was das Zeug hält.

Von Birk Grüling

Schlaue Spinne

Man muss schon genau hinschauen, um den Unterschied zwischen einer Ameise und einer Ameisenspringspinne zu sehen: Der Körper der Spinne ist lang und rotbraun, nur Beine hat sie zwei mehr. Auch ihre Augen und Fangkiefer könnten sie verraten. Doch für ihren Tarnungstrick reicht die Ver- kleidung allemal. Die Spinne hält sich nämlich am liebsten unter Ameisen auf. Nicht um sie zu fressen, sondern zum Schutz. Um Ameisen machen die meisten Vögel nämlich einen großen Bogen, ihre Säure verdirbt ihnen den Appetit.

Schmetterling mit Augenaufschlag

In fast jedem Garten gibt es Tagpfauenaugen. Gut zu erkennen ist der Schmetterling an seinen braun-roten Flügeln mit vier bunten "Augen" darauf. Sie taugen zur Täuschung und zur Tarnung: Droht Gefahr, klappt der Schmetterling seine Flügel schnell auf. Dabei entsteht ein Zischen und die Augen wirken wie die eines viel größeren Tieres. Abschreckend genug, um nicht gleich gefressen zu werden. Zugeklappt hingegen könnte man den Schmetterling für ein altes Blatt halten.

Faule Seeteufel

Getäuscht wird im Tierreich nicht nur zum Schutz, sondern auch zur Jagd. Der Seeteufel etwa lebt gut getarnt am Meeresboden und lockt seine Beute mit einem fiesen Trick an: An der Stirn, direkt vor seinem riesigen Maul, schwingt ein beweglicher Hautlappen. Der sieht einem Wurm zum Verwechseln ähnlich. Kommt ein hungriger Fisch vorbei und will nach dem Leckerbissen schnappen, endet er selbst im Maul des Seeteufels.

Stachellose Schwebefliege

Mit Wespen will sich niemand anlegen. Sie stechen ordentlich zu und sind obendrein giftig. Von diesem miesen Ruf profitiert die völlig harmlose Schwebfliege. Sie sieht mit ihrem gelb-schwarzen Körper Bienen oder Wespen sehr ähnlich. Allerdings hat sie keinen Stachel und nervt auch keine Menschen, die draußen Eis oder Kuchen essen. Sie treibt sich viel lieber auf Bauernhöfen herum und verteilt ihre Eier in Misthaufen.

Fiese Nattern

Die Sinaloa-Königsnatter sieht supergiftig aus. Sie ist nämlich genau so rot und gestreift wie eine Korallenschlange. Und deren Biss ist sogar für Menschen gefährlich. Die Ähnlichkeit schützt die ungiftige Würgeschlange vor Feinden - kann aber der giftigen Verwandtschaft gefährlich werden. Diese würgt und verspeist die fiese Natter nämlich gerne.

Lärmende Motten

In der Nacht hilft die beste Verkleidung nichts. Deshalb nutzt die Gespinstmotte einen anderen Trick: Der kleine Nachtfalter macht die Warnsignale der viel größeren und giftigen Bärenfalter nach. Das verdirbt Feinden wie Fledermäusen den Appetit - was so scheußlich klingt, kann nicht gut schmecken. Die Gespinstmotte selbst hat keine Ohren und hört deshalb weder die Gefahr und noch die eigenen Geräusche. Sie macht einfach bei jedem Flügelschlag Krach und überlebt so die Nacht.

(B)arsch mit Augen

Wenn ein Raubfisch dem Augenfleck-Mirakelbarsch zu nahe kommt, versteckt er seinen Kopf zwischen den Felsen und reckt sein mit einem augenartigen Fleck versehenes Hinterteil in die Höhe. Mit etwas Glück halten ihn Feinde so für eine bissige Muräne - und mit der legt sich so schnell niemand an.

© SZ vom 10.04.2021
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