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Merkel-Doppelgängerin:Aus Susanne wird Angela

Sie geht auf die Realschule. Sie findet einen Job. Sie findet einen Mann. Sie heiratet und bekommt drei Töchter, die alle aufs Gymnasium gehen. Aber alles in dieser Ehe lastet auf ihr. Die Vergangenheit holt sie ein. Und als mit 33 die dritte Tochter unterwegs ist und außerdem beide Schwiegereltern in den Tod begleitet werden müssen, wird es zu viel. Ende des vierten Monats ist sie zusammengebrochen, Kreislaufkollaps. Im Krankenhaus finden sie den Krebs. Niere, Galle, Operationen, weitere Zusammenbrüche. Mit 38 Jahren dann der Schlaganfall.

Ihr Arzt sagt heute: Damals hätte ich nicht mehr viel auf ihr Leben gesetzt. Die Psychologin sagt das auch. Mitte 2000 hat Susanne Knoll sich dann zum ersten Mal von ihrem Mann getrennt, nach 20 Jahren. Ein Jahr später haben die beiden es noch einmal versucht. Und gleich ist sie wieder krank geworden. Dann war die Trennung endgültig. Sie nahm 20 Kilo ab. Sie bekam einen Job in einem Einrichtungshaus. Es funktionierte.

Und dann, eines Tages vor sechs Jahren, kam diese Einladung zu einem Polterabend in Lübeck. Susanne Knoll geht zum Frisör, lässt ihre langen Locken abschneiden, will mal was anderes, was Praktisches, was Pflegeleichtes. Der Frisör rät zu einem Haarschnitt, den er Bob nennt.

"Du siehst ja aus wie Angela Merkel", sagten die Freunde auf der Party, und das klang in ihren Ohren wie eine Beleidigung. Es war aber keine Beleidigung. Es war die Chance ihres Lebens. Auch der Discjockey sagte, du siehst aus wie Angela Merkel, da musst du was draus machen, geh' zu Jochen Florstedt nach Mühlheim. Dann hat sie tagelang vorm Spiegel gestanden: Nein. Das kann nicht wahr sein. Nein. Du hast die Merkel so oft für ihr Aussehen kritisiert. Nein. Nein. Nein. Die Töchter sagten: Los Mutti, mach das doch mal, versuch es.

Die bessere Angela

Im Januar 2004 hat sie dann zum ersten Mal vor 100 Herren eines Energieunternehmens eine Rede gehalten, in Berlin. Auf der Einladung stand in dicken Buchstaben: Angela Merkel, und winzig klein dahinter das Wort: Double. Im Hilton am Gendarmenmarkt hat sie gewohnt, hat in der Riesenbadewanne gelegen und gedacht, sie ist im falschen Film; hat ihre Rede immer und immer wieder aufgesagt und wollte weglaufen. Schließlich stand sie doch auf der Bühne im Scheinwerferlicht, sagte zwei Sätze und...

"... dann kam der Blackout. Ich dachte nur noch, was würde Angela Merkel jetzt machen. Also sagte ich: Ich schaue gerade in ein großes schwarzes Loch."

Alle lachten. Seither ist es, als hätte Susanne Knoll sich verwandelt. Gleich auf dem Rückweg im Zug sagte ein junger Mann zu ihr: "Wissen Sie, dass Sie aussehen wie Angela Merkel?" Und sie hörte sich antworten: "Ja, ich weiß, ich bin das Double. Ich bin ihre Doppelgängerin."Vier Tage später rief eine Freundin an und fragte: "Hast du heute schon in den Spiegel geguckt?"

"Ich gucke jeden Morgen in den Spiegel."

Die Freundin meinte aber einen Artikel im Spiegel, eine ganze Seite, mit Foto: "Die bessere Angela". Und dann kam die Lawine. Aufträge, Auftritte, Einladungen, Partys, Parteiveranstaltungen, CDU, SPD, Stefan Raab, Frank Elstner, Kai Pflaume, Frank Plasberg und Oliver Pocher. Guido Westerwelle sagte zu ihr: Sie machen das gut. Till Schweiger hatte seinen Spaß bei den Dreharbeiten. Und wenn Susanne Knoll seither das Fernsehen anstellt, denkt sie, die kenne ich inzwischen alle.

2005, kurz vor der Bundestagswahl, war sie für einen Berliner Sender im Schloss Meseberg. Neben dem Schloss gibt es eine kleine Kneipe. Der Wirt wollte unbedingt ein Foto. Zwei Jahre später war dann Angela Merkel in dieser Kneipe, die richtige Angela Merkel. Und der Wirt sagte: "Das ist ja toll, dass sie mich noch mal besuchen."

"Noch mal?" Der Wirt zeigte auf das Foto. Und die Bundeskanzlerin sagte: "Das verstehe ich jetzt nicht, ich war doch noch nie hier."

"Setzen Sie mal ihre Brille auf, Frau Bundeskanzlerin", sagte der Wirt, "das ist doch Ihre Doppelgängerin."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die Identität der Doppelgängerin langsam zu schwinden drohte ...