"Tag des Kusses" Wenn die Liebe fehlt

Heute ist der "Tag des Kusses". Manche Menschen fühlen sich an solchen Tagen jedoch nur fehl am Platz: Sie hatten noch nie einen Partner, kennen zum Teil weder Küsse noch Zärtlichkeiten. Zwei Erfahrungsberichte.

Protokolle: Franziska Seng

Sie nennen sich Absolute Beginners: Erwachsene, die unfreiwillig Single sind und noch nie einen Partner hatten, zum Teil mit 40 Jahren noch nie einen Menschen geküsst und körperliche Nähe erfahren haben. Wenn an Tagen wie dem "Valentinstag" oder dem "Tag des Kusses" Romantik und Partnerschaft zelebriert werden, fühlen sie sich besonders fehl am Platz. Zwei Erfahrungsberichte.

Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl - nicht jeder der allein ist, fühlt sich einsam.

(Foto: i.Stock)

Andrea, 26 Jahre:

Verliebt war ich schon öfter, zum ersten Mal mit dreizehn, aber der Junge hat mich damals abgewiesen. Seitdem habe ich mir, wenn ich jemandem meine Gefühle offenbart habe, immer wieder Körbe geholt. Als Teenager hat mich das Single-Dasein noch nicht so sehr gestört, ich war offener und habe gedacht, das würde schon werden.

Es fällt mir inzwischen relativ schwer, mich in jemanden zu verlieben. Es kann zum Beispiel sein, dass Freunde oder Kollegen jemanden für mich perfekt finden, ihn für intelligent und attraktiv halten, aber ich selbst kann überhaupt nichts für die Person empfinden. Mittlerweile ist es auch so, dass ich aufgrund meiner negativen Erfahrungen schnell versuche, störende Kleinigkeiten an dem Mann zu suchen, für den ich mich interessiere. Um Gründe zu finden, warum wir nicht zusammenpassen und warum es besser ist, wenn nichts daraus wird.

Irgendwie gewöhnt man sich mit der Zeit an die ständig enttäuschten Hoffnungen, eine Abfuhr erlebe ich auch nicht als persönliche Herabsetzung. Ich habe einen großen Freundeskreis und würde mich nicht als schüchtern bezeichnen. Wenn ich jedoch merke, dass sich ein Mann für mich interessiert und versucht, mir näher zu kommen, werde ich ziemlich unsicher. Da ich keine Beziehungserfahrungen habe, weiß ich nicht, wie man sich in solchen Situationen verhält.

Ich werde auch oft von Männern, die ich kennenlerne, gefragt, wie das bei mir bisher so gewesen wäre mit Beziehungen. Wenn ich sage, dass da noch gar nichts war, sind sie ziemlich irritiert. Und mit der Tatsache, dass ich noch Jungfrau bin, wissen sie erst recht nicht, wie sie umgehen sollen.

Mit dem ewigen Single-Dasein ist es ein Paradox: Zwar möchte man nichts anderes, als dass die Einsamkeit endlich vorbei ist. Ich verspüre den Wunsch nach Vertrautheit und natürlich auch körperlicher Nähe. Doch man hat sich mittlerweile an das Alleinsein gewöhnt, und der Gedanke an alles, was anders ist, bereitet Angst.

Ich suche aktiv nach Partnern, im Internet zum Beispiel. Wenn ich auf einer Dating-Seite ein Foto einstelle, bekomme ich Komplimente und viele Zuschriften, aber jemanden, von dem ich glaube, dass er zu mir passen würde, habe ich dort noch nicht gefunden. Ansonsten besuche ich gerne Konzerte und Museen, aber dort trifft man meistens nur alte Ehepaare oder andere Frauen.

Von meinen Eltern fühle ich mich in meiner Situation nicht verstanden. Sie sind der Ansicht, dass man auch als Single ein glücklicher und produktiver Mensch sein kann. Von anderen Leuten höre ich manchmal Sprüche wie "Du bist eben zu anspruchsvoll" oder "Das wird schon, du bist noch so jung". Aber die Leute, die das sagen, gehören meistens einer Generation an, die im Alter zwischen 18 und 25 ihre ersten Kinder bekommen hat. Vielen meiner Freundinnen geht es jedoch ähnlich wie mir, sie finden auch keinen Partner. Deswegen stoße ich zumindest bei ihnen auf Verständnis.

Ich hätte gerne jemanden, mit dem ich mein Leben teilen kann, und dass ich nicht immer allein mit allem fertig werden muss. Und auch Sexualität wäre mir, denke ich zumindest, wichtig. Oder einfach mal in den Arm genommen zu werden, wenn es einem nicht so gut geht. Ich sage mir immer: "Irgendwann findest du schon jemanden. "Gleichzeitig gehen die Hoffnungen aber auch langsam flöten.