Meine Kindheit: Anja Brinker "Ich habe oft Heimweh gehabt"

Die 18-jährige Anja Brinker, Deutsche Meisterin am Stufenbarren, über hartes Training, das Leben bei einer Gastfamilie und Heimweh.

Protokoll: Tanja Rest

"Ich bin in Nelle geboren, in der Nähe von Osnabrück. Meine Eltern sind Turn-Trainer, da habe ich natürlich früh angefangen: mit vier Jahren, beim Mutter-Kind-Turnen. Mit acht habe ich dann schon im Leistungszentrum Hannover trainiert. Viermal die Woche sind wir nach der Schule von Nelle nach Hannover gefahren: eineinhalb Stunden mit dem Auto, dann drei Stunden Training, abends wieder zurück. Schulaufgaben habe ich auf dem Rücksitz gemacht.

Später sind wir dann komplett nach Hannover gezogen, weil es mit dem Fahren zu viel wurde. Als ich 13 war, habe ich ein Angebot von einem Trainer aus Bergisch-Gladbach bekommen. Dort waren auch die Trainingsbedingungen besser. Ich habe da bei einer Gastfamilie gewohnt. Anfangs hat das gut funktioniert, aber irgendwann wollte ich nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, dass ich dort störe. Da haben meine Eltern eine Wohnung für mich gemietet. Übernachtet habe ich aber bei einer Freundin oder bei meinen Trainern.

Sicher habe ich oft auch Heimweh gehabt. Aber ich werde das alles, das viele Umziehen, das stundenlange Training, nie bereuen. Ich hab das ja gemacht, weil ich es unbedingt wollte. Ich liebe das Turnen einfach! Und alle haben sich sehr gut um mich gekümmert. Manchmal werde ich gefragt, ob mir das nicht fehlt: eine richtige Kindheit, wo man sich mit Freunden getroffen hat, draußen gespielt hat und so.

Und natürlich gab es Momente, wo die anderen schwimmen gegangen sind und man selbst dachte, da wär man jetzt auch gern dabei. Aber ich habe mich nun mal fürs Turnen entschieden. Allzu lang kann ich das sowieso nicht mehr machen, ein paar Jahre noch, dann ist es vorbei. Und da muss ich einiges halt später nachholen."