Medizin und Wahnsinn (141) Nachdenkliches Heilwasser

Wasser ist als Produkt eigentlich unschlagbar. Es ist gesund und vielseitig einsetzbar. Trotzdem gibt es Leute, die immer wieder meinen, es noch verbessern zu können.

Von Werner Bartens

Endlich muss einmal das Wasser gewürdigt werden. In der Medizin und überhaupt. Wasser bedeckt 71 Prozent der Oberfläche des Planeten, der Mensch besteht als Neugeborener zu 75 Prozent aus Wasser. Dass man bei manchen Mitmenschen trotzdem manchmal den Eindruck hat, gerade mit einem Sack Mehl geredet zu haben, liegt am geringer werdenden Flüssigkeitsgehalt mit dem Alter.

Als Produkt eigentlich nicht zu verbessern: Wasser. Doch manche Leute haben immer Ideen, wie man es anreichern könnte.

(Foto: ddp)

Immerhin bestehen Erwachsene aber noch zu 50 bis 65 Prozent aus Wasser, je nach Depots an Bauch, Beinen und Po. Zudem gilt die Erkenntnis der Naturforschung: ,,Das weiche Wasser bricht den Stein'', wie eine Band namens ,,bots'', die mit niederländischen Experimentalphysikern besetzt war, schon Ende der 1970er Jahre festgestellt hat.

Das sind eine Menge erstaunlicher Eigenschaften, und das Wasser könnte zufrieden sein. Ist es wohl auch, zumindest ist es meistens still. Trotzdem muss das Wasser, ginge es nach seinen Anhängern, immer noch mehr können und noch besser und reichhaltiger sein. Gelegentlich wird der Anteil des Körperwassers daher höher als mit 50 bis 75 Prozent angegeben. Aus medizinischer Sicht kann das nur an einer übervollen Blase oder dicken Beinen liegen. Zu viel Wasser im Körper ist ja alles anders als gesund. Das führt zu Nierenversagen und bedrohlich erhöhtem Hirndruck und endet im Delirium, schlimmstenfalls.

Neben der Quantität führen Freunde des Wassers gerne seine Qualität an. Man denke an die Connaisseure, die sich im Restaurant mit der Wahl des richtigen Wassers schwertun wie andere bei der Suche nach dem besten Wein. Um den ästhetischen Distinktionsgewinn zu ermöglichen, hat die Gastronomie längst kubistische Flaschen und Design-Humpen entworfen, in denen überteuertes Wasser aus lombardischen Südlagen oder den Cevennen angeboten wird. In manchen Etablissements ist eine Karaffe Medium teurer als andernorts ein sauberer Landwein. Auch so kann der Hirndruck steigen.

Wasser ist allerdings noch bedeutungsvoller. Kürzlich haben wir von einem Versuch in Dresden erfahren, der dazu angetan war, zu zeigen, was wirklich im Wasser steckt. Es ging darum, welche Auswirkungen positive wie negative Gedanken auf das Wasser haben. Unter den Augenzeugen des Experiments wurde als bekannt vorausgesetzt, dass Wasser ,,durch verschiedene Einflüsse wie Musikschwingungen, Gebete und Meditationen Informationen und Energien aufnehmen'' kann.

Der Versuchsaufbau kann nur als ausgeklügelt bezeichnet werden. Auf den ersten Wasserbehälter konnten die Kongressbesucher positive Gedanken projizieren. Um methodische Zweifel zu zerstreuen, gab es einen zweiten Wasserbehälter, auf den die Kongressbesucher negative Gedanken projizieren sollten. Als Clou muss das dritte Gefäß gelten. In diesem Behälter befand sich zur Kontrolle ,,neutrales'' Wasser, auf das keinerlei Gedanken projiziert werden sollten.

Der Ausgang des Versuchs ist unklar, vermutlich hat ein Saboteur fiese Gedanken an das neutrale Wasser gerichtet. Trotzdem sollte der Ansatz weiter verfolgt werden. In Wasserwerken tun sich neue Berufsfelder auf, damit künftig nicht nur Warm und Kalt aus der Leitung strömt, sondern auch ein Hahn für positives und negatives Wasser geöffnet werden kann.

Im Restaurant könnte man endlich zu Recht hohe Preise für das energetisch angereicherte Wasser verlangen, je nachdem, ob die pöbelnd-aufgekratzte Stimmung mit negativ aufgeladenem Wasser verstärkt werden oder ob sanftes Wasser Harmonie verbreiten soll. Und es sollte gelingen, das Wasser in den Beinen und die Bauchwassersucht mit positiven Gedanken zur Genesung zu bewegen. Die Begriffe Heilwasser und Badearzt erführen dann endlich eine Neubewertung.