Massenhafter Zustrom:Flüchtlinge als Jobmaschine

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Massenhafter Zustrom: Mit der steigenden Flüchtlingszahl steigt der Verwaltungsaufwand.

Mit der steigenden Flüchtlingszahl steigt der Verwaltungsaufwand.

(Foto: Illustration Christine Rösch)

Verwaltung:

Die Flüchtlinge in Deutschland sind eine Jobmaschine. Der Bund sucht Hunderte Asyl-Entscheider, die Bundespolizei 3000 neue Kollegen. Die Bundesregierung kann sich das leisten. In Rheinland-Pfalz sind die Kassen dagegen ziemlich leer, eigentlich müsste man am Personal sparen, nun aber muss aufgestockt werden. 110 zusätzliche Polizisten sollen jetzt Dienst tun, allesamt Männer und Frauen aus dem Polizeidienst, die im Pensionsalter sind, aber noch arbeiten mögen. Nachwuchs gibt es nicht über Nacht: Polizisten werden drei Jahre ausgebildet.

Bei Lehrern sieht sich die rot-grüne Regierung gut gerüstet, 240 zusätzliche Stellen gab es in diesem Jahr, mit der Zahl der Flüchtlinge steigt auch die Schülerzahl. Neue Sprachvermittler wurden eingestellt, sie unterrichten Deutsch, die Neuankömmlinge müssen so schnell wie möglich Deutsch lernen. In den bald sieben Erstaufnahmestellen braucht man dringend zusätzliche Betreuer. Spätestens nächstes Jahr muss man sich auch in Rheinland-Pfalz um die Betreuung minderjähriger, allein reisender Flüchtlinge kümmern. Städte und Gemeinden sind dafür zuständig, Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verspricht Hilfe.

Die Kommunen, oft höchst verschuldet, sind im Wortsinn arm dran. Auch sie brauchen allesamt mehr Leute, die sie aus Haushaltsgründen eigentlich nicht einstellen dürften. Wolfgang Henseler ist Bürgermeister von Bornheim nahe Bonn. Dort leben 305 Flüchtlinge in Wohnungen und Containern, 154 sind in einer Turnhalle untergebracht. Henseler hat die Arbeit in der Verwaltung umorganisiert, aber das reicht nicht. Henseler hat zwei zusätzliche Mitarbeiter im Sozialreferat eingestellt, wo man sich dieser Tage vor allem um Asylbewerber kümmern muss. Aber Anliegen der Alteingesessenen dürften keinesfalls liegen bleiben, sagt er. Ein Architekt wurde engagiert, der sich um Wohnraum für Flüchtlinge kümmert, ein weiterer Hausmeister wurde angestellt, eineinhalb neue Stellen für Sozialarbeiter geschaffen. Was braucht Bornheim am nötigsten? "Ein offenes Ohr und Geld aus Berlin und Düsseldorf", sagt Henseler. Den Rest schaffe man schon selbst.

Text: Susanne Höll

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