Massenhafter Zustrom:Was Arbeitgebern und Flüchtlingen noch im Weg steht

Lesezeit: 11 min

Massenhafter Zustrom: Den Arbeitsmarkt öffnen.

Den Arbeitsmarkt öffnen.

(Foto: Illustration Christine Rösch)

Arbeit:

Asghar Djafari hat eine Lehrstelle gefunden. Der 22-Jährige, mit 16 Jahren allein aus Afghanistan geflohen, lernt Maschinen- und Anlagebauer bei einer Firma in Köln. "Ich war beeindruckt von seinem Lebenslauf", sagt sein Chef Boris von Wisotzky, "und von seinem Drang, den Job haben zu wollen." Er ist nicht allein mit seiner Freude über Flüchtlinge wie Djafari. 597 000 freie Stellen verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit Ende August, da kommen die Neuankömmlinge, drei Viertel im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 65, gerade recht. Theoretisch jedenfalls. Tatsächlich steht Arbeitgebern und Flüchtlingen noch einiges im Wege.

Dabei hat die Politik Flüchtlingen die Arbeitsaufnahme deutlich erleichtert. Bereits nach den ersten drei Monaten im Land dürfen Asylbewerber arbeiten, jedoch nur bedingt: Wenn die Ausländerbehörde zustimmt und die Bundesagentur geprüft hat, ob nicht ein Deutscher oder arbeitsberechtigter Ausländer die Arbeit machen kann. Diese Frist gilt 15 Monate, sie dauert Arbeitgebern oft zu lange. Für Fachkräfte gibt es diese Vorrangprüfung nicht mehr, anerkannten Flüchtlingen steht der Arbeitsmarkt ohnehin offen.

Das größte Problem jedoch ist die Qualifikation der Ankommenden. Darüber wissen die deutschen Behörden nur wenig. Laut Stichproben hat jeder achte bis zehnte Asylbewerber einen Hochschulabschluss, bis zu zwei Dritteln haben aber keine abgeschlossene Berufsausbildung. Unter Syrern ist das Bildungsniveau im Schnitt wohl etwas höher, dafür können die wenigsten von ihnen Deutsch. Und es hakt oft im Detail: Welches ausländische Zeugnis, welche Berufsausbildung wird anerkannt? Die Bundesagentur versucht, mit Modellprojekten unter dem Titel "Early Intervention" Flüchtlinge auf den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Langfristig, so kalkuliert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), kommen etwa 55 Prozent der Flüchtlinge in Arbeit. Kurzfristig ist die Quote der Erwerbstätigen unter ihnen deutlich geringer. Bei in Deutschland lebenden Syrern betrug sie Ende 2014 gerade 16 Prozent, die Arbeitslosenquoten schwanken bei Zuwanderern aus den Krisenstaaten des Nahen Ostens zwischen 23 und 54 Prozent. Allerdings sehen Berechnungen des IAB auch bei hoher Zuwanderung nur geringen Einfluss auf die Höhe von Löhnen und Arbeitslosigkeit in Deutschland.

Text: Jan Bielicki

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema