Männer-Kolumne Denis

Er hat rotblonde Haare, sein Taxi ist innen blitzblank sauber und sein Redebedürfnis ist groß: Bereit für einen Monolog über das Taxifahren? Und los geht's!

Von Johanna Adorján

Er hat kurze rötliche Haare und einen kurzen Bart. In seinem Taxi herrscht Sauberkeitsstufe 1. Nirgends ein Staubkörnchen, die Fenster glasklar, es riecht weder nach Leder noch nach Raucher-Fahrgästen noch nach Duftbaum noch nach sonst irgendetwas. Angenehm, genau wie die Temperatur, die an diesem heißen Tag perfekt heruntergeregelt ist, leicht kühl, aber keine Erkältungsgefahr.

Wie kamen wir eigentlich ins Gespräch? Es war nicht wirklich ein Gespräch, eher ein Monolog, dessen Publikum bis zum Flughafen Tegel ich war, gefesselt bis zur letzten Bremsung. Hier Auszüge:

Taxifahren sei anstrengend, so fing es an. Aber, ging es weiter, jeder Berliner Taxifahrer verdiene gut. Solle einem keiner was anderes erzählen, es sei genug für alle da. Allein Trinkgeld, er käme auf 500, 600 Euro im Monat, könne sich keiner beschweren.

Je sauberer das Taxi, desto wilder der Fahrer. Wenn je eine Regel stimmte, dann die

Aber es gäbe so viele Arschlöcher unter den Taxifahrern. Da raste er aus. Am schlimmsten seien die, sehe er sofort, sofort, für die jeder andere ein Konkurrent sei, dem die eins auswischen wollten. Die würden einen vorher schon im Rückspiegel spotten, richtig anstarren, und dann, Ampel rot, Ampel grün, immer im genau selben Tempo fahren wie man selber, damit man nicht an denen vorbeikomme. Wenn er das mitkriege, also, dann ziehe er die raus, da kenne er nichts, da setze es Prügel. Weil das gehe nicht. Sei auch gefährlich. Da gäbe es keine andere Antwort drauf als Prügel. Und das sei auch das Einzige, das die verstehen. Sei so. Sei ihm jetzt im Taximilieu noch nicht passiert, aber ...

Am Flughafen zum Beispiel müsse man geschickt sein. Man könne die Schlange schon umgehen, aber müsse halt vorsichtig sein, weil sonst zögen die einen raus, und dann gäbe es Prügel. Da würden die echt höllisch aufpassen. Aber es gäbe einen, voll ekliger Typ, lange versiffte Haare, der fahre seit zwei Jahren gezielt Tegel an, immer Zone 13, 14, also gleich vor der Ausfahrt, und da ziehe der Fahrgäste ab. Also stehle sie. Bei dem sage keiner was, warum, wisse er auch nicht, aber sei so.

An der Friedrichstraße hätten sich mal zwei blutig geschlagen. Ein Fahrgast hätte einem Taxi gewunken, der Fahrer habe den aber zu spät gesehen, da habe schon ein anderer gehalten. Da sei der erste aber zurück. Zum zweiten hin, Tür aufgerissen, "Das war mein Fahrgast" gebrüllt, und dann gleich auf den drauf. Der war sauer. Und dann hätten sich alle Fahrer verhalten müssen, was dazu sagen ... Schlimm. Ah, guck an, ein Uber. Der schwarze da, erkenne man am LN-Kennzeichen, Brandenburg. Habe sich nicht durchgesetzt in Berlin, Uber. In der Türkei hätten die auf Uber-Wägen geschossen. Taxifahrer. Da habe ja jeder zweite 'ne Waffe dabei. Ham die einfach auf die geschossen ...

Aber tausendmal besser als ein Bürojob. Nee, ernsthaft, er sei tausendmal lieber im Freien unterwegs und fahre in der Stadt rum, sehe was, kriege was mit von der Welt, als den ganzen Tag so ... Wand.

Wir sind inzwischen die Tempo-10-Zone in Tegel zum Gate gerast und da. Ob's in den Urlaub gehe? Er dreht sich um. In ein paar Tagen habe er's auch geschafft, dann gehe es in den Urlaub. Er sieht wahnsinnig nett aus, Anfang 30 vielleicht, als er lacht, zeigt sich eine hinreißende Zahnlücke.