London Fashion Week:Der Tod als PR-Maschine

Die Trauer um Alexander McQueen wirft einen Schatten auf die Fashion Week. Er ist beinahe so groß wie die Aufmerksamkeit, die die Modemesse durch den Tod des Designers erfuhr.

Violetta Simon

Er galt als Visionär der britischen Fashion-Szene: Alexander McQueen, der mit seinen grellen Entwürfen zuweilen die Modewelt schockierte, hatte sich am 11. Februar im Kleiderschrank seiner Londoner Wohnung erhängt - wenige Tage nach dem Tod seiner über alles geliebten Mutter.

Der Mode-Rebell, der im Alter von nur 40 Jahren starb, verlieh Londons Fashion Week neben Paris, New York und Mailand das nötige Gegengewicht, um als innovative und seriöse Modemesse wahrgenommen zu werden. Entsprechend groß war der Schatten, den sein überraschender Tod auf die Londoner Fashion Week warf.

Der Vorsitzende der britischen Modekammer, Harold Tillman, sagte zu Beginn der Schauen, McQueen habe einen außerordentlichen Einfluss auf London und die internationale Modeindustrie gehabt, "wir werden ihn sehr vermissen". Dann bat er alle Anwesenden um eine Minute der Stille.

Supermodel Naomi Campbell hatte am Vorabend der Eröffnung zur Promi-Benefiz-Modenschau zugunsten der Erdbebenopfer in Haiti geladen. Gemeinsam mit Kate Moss und Annabelle Neilson präsentierten sie bei der Veranstaltung zu Ehren des Designers Entwürfe seiner letzten Frühjahrs-Sommerkollektion und posierten damit vor den Kameras.

Eröffnet wurden die Schauen dann wie gewohnt von dem irischen Designer Paul Costelloe. Zu Beginn seiner Präsentation sagte Costelloe: "Es wird eine dunkle Wolke über dieser Saison der London Fashion Week hängen." Er und viele andere Designer fühlten tiefe Trauer über diesen Verlust. "Alexander McQueen hinterlässt eine große Lücke." Bei Costelloe wurde noch mehr Schwarz getragen als sonst: Er habe sich von der Ermordung des US-Banditen Jesse James inspirieren lassen, sagte der Ire.

Auch andere Designer hatten ihre Kollektionen auf der Londoner Fashion Week McQueen gewidmet und kurzfristig dem Tod ihres Visionärs angepasst. Der Modemacher John Rocha kreierte für seine Entwürfe mit Hilfe unterschiedlicher Stoffe 25 verschiedene Schwarz-Töne.

Die Designer selbst trugen wie immer Schwarz. Doch nach dem Selbstmord ihres Kollegen, der in seinen Entwürfen häufig Totenköpfe verarbeitete, habe dieser Trend eine völlig neue Bedeutung erhalten, sagten mehrere Modeschöpfer.

Die Veranstalter hatten der Trauer um McQueen ebenfalls Raum gegeben: So befestigten beispielsweise die Organisatoren der Nachwuchsschau "OnOff", bei der einst auch McQueen seine Karriere begonnen hatte, an einer schwarzen Wand in der Nähe des Laufstegs 40 iPods mit jeweils 50 Bildern aus McQueens Kollektionen. Und im Somerset House, dem Ort der wichtigsten Modeschauen, wurde eine McQueen-Gedenkwand mit Bildern von den Kollektionen des Modedesigners eingerichtet. Schon nach kurzer Zeit war sie gespickt mit Trauerbotschaften.

Nach Angaben der bekannten US-Blogger-Plattform Huffington Post enthielten viele der Zettel einfach nur die Botschaft "Ruhe in Frieden Lee McQueen" - der Geburtsname des Designers. Andere beklagten den Verlust seines gigantischen Talents. "So viele denkwürdige Momente - ein wahrer britischer Held," schrieb Clara Mercer, Mitglied des Verwaltungsrats der British Fashion Week. "Wir werden ihn vermissen." Zahlreiche Besucher hielten an und ließen sich vor den McQueen Gedenktafeln fotografieren.

Viele Respektsbekundungen lobten das Genie und den Einfluss des Modeschöpfers, der auch nach seinem Tod fortdauern werde. "Meine Lieblingsentwürfe von McQueen sind seine Clutches (Anm. d. Red.: Unterarmtaschen) und Schals mit den Totenkopf-Motiven. Sie vereinen Gewagtes und damenhaften Chic", schrieb Marigay McKee, Leiterin der Bereiche Mode und Kosmetik bei Harrods. Seine skulpturenhaften Kleider seien eine Kunstform.

Diese und all die anderen zahlreichen Botschaften werden am Ende der Fashion Week in einem Buch gesammelt und McQueens Familie übergeben.

Durch das Gedenken an Alexander McQueen erhielt die Fashion Week noch mehr Aufmerksamkeit als sonst. Und bei so vielen Erinnerungsveranstaltungen dürfte es den Designern schwerfallen, dabei ihre Kreationen in den Vordergrund zu rücken. Wenn Anfang März die Pariser Fashion Week eröffnet, könnte Alexander McQueen noch etwas mehr Aufmerksamkeit erregen - in Gestalt seiner jüngsten Kollektion, die bis Anfang März von seinen Assistenten vollendet wird. Wenn alles verläuft wie geplant, kann die Modewelt dort sein letztes Werk bewundern.

Im Video: Posh Punk und perverse Blumen auf der Londoner Fashion Week.

Weitere Videos finden Sie hier

© sueddeutsche.de/dpa/bre/bgr
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