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Lieblingsitaliener:"Tschianti und Gnotschi? Ist nicht schlimm"

"Einmal Gnotschi, bitte!" - kein Problem für den italienischen Kellner Giovanni.

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Giovanni M. ist Kellner in einem traditionell neapolitanischen Restaurant. Warum er die Italienisch-Versuche seiner Gäste nicht belächelt, sondern begrüßt, verrät er in einer weiteren Folge der Serie "Wie ich euch sehe".

In unserer Serie "Wie ich euch sehe" kommen Menschen zu Wort, mit denen wir im Alltag zu tun haben, über die sich die meisten von uns jedoch kaum Gedanken machen: ein Obdachloser, eine Kontrolleurin, ein Pfarrer, eine Kassiererin. Sie erzählen, wie es ihnen ergeht, wenn sie es mit uns zu tun bekommen - als Kunden, Patienten, Mitmenschen. Diesmal beschreibt Giovanni M., was einen Lieblingsitaliener ausmacht - und warum er Spaghetti Carbonara auch mit Sahne serviert, wenn es sein muss.

"Wenn jemand einen "Tschianti" bestellt, "Latte Matschiato" oder "Gnotschi", finde ich das nicht schlimm. Mich freut es, wenn die Gäste in unserer Trattoria versuchen, Italienisch zu sprechen. Schon dass ihr euch darum bemüht, zeugt doch von Respekt und Wertschätzung. Wenn ich nach Spanien fahre, versuche ich schließlich auch, Spanisch zu sprechen.

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Einmal Knotschi und zwei Expressos, bitte!

Ob in der Pizzeria in Rimini oder beim Italiener um die Ecke: Wer italienisch essen geht, wird vor sprachliche Herausforderungen gestellt. Sagt man "Brusketta" oder "Bruschetta" und wie werden mehrere Espresso korrekt bestellt? Eine Nachhilfestunde beim Italiener.

Manchmal muss ich zwar ein bisschen lachen, aber das geht euch umgekehrt ja auch so mit unserem Singsang. Und wenn es um Aussprache geht, dürfen wir Italiener uns ohnehin nicht beschweren. Es klingt bestimmt sehr lustig, wenn wir Deutsch sprechen und Wörter wie Eichhörnchen einfach nicht richtig rausbringen.

Wenn ihr in unseren Laden kommt, begrüße ich euch auf Italienisch. Das gehört einfach dazu. Schließlich transportieren wir ja nicht nur Pizza, sondern italienische Kultur - und dazu zählt nun mal auch die Sprache. Würden wir nicht Italienisch sprechen, wäre das so, als ob ein Kellner in einem oberbayerischen Wirtshaus nicht mehr Bairisch spricht. Da fehlt einfach ein Stück Kultur. Das ist in immer mehr Lokalen so, ich finde das traurig.

Wie viel Show dann jeweils dazukommt - in Form von wildem Gestikulieren, Flirten oder Frotzeln der Kellner untereinander - das ist Typsache und hängt davon ab, woher man kommt. Norditaliener sind eindeutig anders als Sizilianer.

Leider sind viele von euch gestresst, das gehört scheinbar schon fast zur deutschen Mentalität. Und das nicht nur, wenn ihr in der Mittagspause kommt und nach einer halben Stunde wieder wegmüsst - das könnte ich ja verstehen. Manche wollen jedoch aus Prinzip schnell bedient werden, schnell bestellen und schnell bezahlen. Als ob wir ein Fast-Food-Restaurant wären. Aber mit "schnell, schnell" hat die italienische Küche gar nichts zu tun. Wir sind Slow Food, durch und durch.

Doch selbst wenn ihr euch Zeit lasst und zwei, drei Stunden sitzen bleibt - wenn es ans Zahlen geht, muss das sofort passieren. Da kommt das Deutsche wieder durch. Vier Stunden gemütlich essen, kein Problem. Aber die S-Bahn in zehn Minuten dürft ihr auf keinen Fall verpassen. Warum die plötzliche Hektik? In solchen Situationen wünsche ich mir, dass ihr uns früher Bescheid sagt. Dann können wir, gerade wenn das Lokal voll ist, flexibler reagieren.