Leukämie "Ich vermisse jetzt schon alles, was ich verpassen werde"

ÜberLeben Leukämie

"Wie soll man sein Leben führen, wenn man es verloren hat?"

(Foto: Illustration: Yinfinity)

Ihre statistische Lebenserwartung liegt schon lange unter drei Monaten. Viermal war sie klinisch tot, viermal wurde sie wiederbelebt. Eine 27-Jährige über ein Leben mit Krebs im Endstadium.

"Ich habe ein Jahr hinter mir, das mir alles abverlangte. Das mich nicht nur an meine Grenzen brachte, sondern weit darüber hinaus. Wie ich überlebt habe, weiß ich nicht.

Es war eine Zeit, in der ich mir nichts sehnlicher wünschte, als dass das Wunder, das viele in meinem Überleben sahen, niemals eingetreten wäre. Ich habe mir gewünscht, gestorben zu sein. Nicht, weil ich das Leben nicht schätze. Ganz im Gegenteil: Ich liebe das Leben. Ich will nicht sterben. Und genau das ist der Grund, warum ich mir wünsche, schon gestorben zu sein.

Ich bin 27 Jahre alt. Ich habe Krebs. Eine sehr seltene Form von Leukämie. Schon sehr lange. Seit mehr als zwei Jahren liegt meine statistische Lebenserwartung unter drei Monaten. Viermal war ich klinisch tot. Viermal wurde ich wiederbelebt. Zweimal lag ich im Sterben. Zweimal musste ich mich zurückkämpfen in ein Leben, das für mich nicht mehr existent war. Zwei Operationen am Hirn und viele weitere.

Mein Körper ist entstellt. Bis heute kann ich mich nicht im Spiegel betrachten. Ich bin traumatisiert. Was mir am meisten fehlt, bin ich. Ich habe mich verloren. Lange Zeit dachte ich, ich werde keine Minute mehr erleben, die erträglich ist. Ich habe gegen den Tod gekämpft und dann gegen das Leben. Ich wollte niemals sterben, ich wollte immer leben, ich habe immer gekämpft, mehr als alles andere, ich habe sehr lange nur noch gekämpft, nicht mehr gelebt, sondern nur überlebt. Der Tod erschien mir grausam, aber nicht so grausam wie das Leben. Ich lag im Sterben und dann sollte ich plötzlich wieder leben und stand vor der Frage, wie ich das schaffen sollte.

Wie soll man sein Leben führen, wenn man es verloren hat? Wie soll man sich wiederfinden, wenn nur noch eine zerschundene Hülle übrig ist, wo vorher ich war?

Ich erkenne mich nicht wieder. Ich bin mir fremd. Oft sehne ich mich nach einem Ende dieser Tortur, oft wünsche ich mir, ich müsste nicht mehr um jeden Tag kämpfen, sondern würde endlich meinen Frieden finden.