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Leistungswahnsinn:Komm, süßer Schmerz

Die Beine treten, die Umgebung verschwimmt, das Durcheinander im Schädel sortiert sich: Beim Fahrradfahren handelt es sich in Wirklichkeit um eine schweißtreibende Form der Meditation.

(Foto: AFP)

Laufen und Radfahren waren mal eine entspannte Angelegenheit. Heute gehört die permanente Leistungssteigerung auch in der Freizeit dazu. Egal, was viele Leute daran auszusetzen haben - wie wunderbar!

Morgens um halb drei vor der Haustür in einer Münchner Vorstadt. Die Nacht hat ihren Namen nicht verdient, zwei, drei Stunden schlafloses Wälzen im Bett, bis der Wecker die Unruhe endlich beendet. Dann ein frühes Frühstück aus Nudeln mit Tomatensoße, die am Vorabend übrig geblieben sind, dazu Kaffee und kribbelnde Nervosität, die sich ebenso als Vorfreude wie als Versagensangst deuten lässt. Draußen vor der Tür wartet der Nachbar, steht über den Lenker seines Rennrads gebeugt und fummelt an seinem GPS-Fahrrad-Computer herum. Eine Begrüßung, ein Gähnen, noch ein Abschiedsselfie mit dem Handy, dann los, um die anderen Mitfahrer einzusammeln. Sechs Rennräder rollen schließlich über verwaiste Bundesstraßen in Richtung Süden. Das Hinterrad des Vordermanns dreht sich im Kegel des Lichts, Ketten surren, Fahrtwind rauscht in den Ohren. Die kühle Frische der Sommernacht und die Bewegung vertreiben die Müdigkeit, sechs Radler begeben sich in ihren je eigenen Tunnel. Nächster Halt Gardasee.

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