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Laser und Radiowellen:Kunst am Bein

Wann schöner gesünder ist: Fünf Fragen an den Gefäßexperten Thomas Proebstle, der auf moderne Behandlungsalternativen durch Laser oder Radiowellen setzt.

Der Sommer naht, die Tage werden länger, die Röcke kürzer. Manche Frauen sehen dem mit gemischten Gefühlen entgegen. Schon das Wort mit dem man landläufig ihr Problem beschreibt, klingt so gar nicht schön: Krampfadern. Und die sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Sie können chronische Entzündungen verursachen und bis zur Embolie führen. Viele schrecken trotzdem davor zurück, sie entfernen zu lassen. Dabei gibt es längst viel schonendere Verfahren, als das sogenannte Stripping bei dem die Vene förmlich aus dem Bein gerissen wird. Der Gefäßchirurg und Dermatologe Thomas Proebstle gehört zu den Vorreitern der modernen Behandlungsalternativen durch Laser oder Radiowellen, die in den USA längst Usus sind.

Der Winter ist vorbei, endlich ist wieder Zeit für kurze Röcke - doch nicht alle Frauen zeigen gerne Bein.

(Foto: Foto: AP)

SZ: Wie funktionieren die neuen Operationsmethoden?

Proebstle: Venenerkrankungen sind fast ausnahmslos durch krankhaften Blutrückstrom bei funktionsuntüchtigen Venenklappen bedingt. Zur Ausschaltung diese Rückstroms muss die Vene nicht herausgerissen werden - es genügt, sie zu verschließen. Dies geschieht besonders wirksam durch Laser oder Radiowelle, die über feine Fasern und Katheter die Vene mit Wärmeenergie "verschweißen".

SZ: Was sind die Vorzüge?

Proebstle: Vor allem geringere Ausfallzeiten mit weniger Nebenwirkungen. Die meisten Patienten können bereits am nächsten Tag wieder Beruf und Alltag bewältigen, und nur einer von fünf Patienten nimmt überhaupt Schmerzmittel ein. Außerdem sind die kosmetischen Resultate exzellent.

SZ: Bergen diese neuen Methoden eigene, spezifische Risiken?

Proebstle: In der Hand des Spezialisten sind die vernachlässigbar. Wichtig ist eine kontinuierliche Ultraschallkontrolle durch den Operateur. Dann kann der Verschluss der Vene sehr genau durchgeführt und seltene Risiken wie Hautverbrennungen können sicher vermieden werden. Infektionen, die bei der herkömmlichen Operation schon gelegentlich eintreten, gibt es bei den Kathetertechniken praktisch gar nicht.

SZ: Warum praktizieren nicht schon viel mehr Ihrer Kollegen diese Verfahren?

Proebstle: Einer flächendeckenden Verbreitung des Verfahrens steht in Deutschland vor allem die fehlende Erstattung durch gesetzliche Krankenversicherungen entgegen. Private Versicherer übernehmen das Verfahren hingegen.

SZ: Können Frauen und Männer präventiv etwas gegen Besenreiser, Krampfadern und Co etwas unternehmen?

Proebstle: Prävention ist ein problematisches Thema, da die Anlage zur Entwicklung eines Venenleidens derzeit nicht behandelbar ist. Um nicht zusätzliche Besenreiser zu bekommen, sollte man Blutergüsse und extreme Sonnenexposition vermeiden. Die bekannten Ratschläge, wie Vermeidung von langem Stehen oder Sitzen wirken hauptsächlich auf die typischen Beschwerden, nicht aber auf die Entstehung neuer Krampfadern.