Süddeutsche Zeitung

Langzeit-Experiment mit einer Jeans:"Der Geruch war ein Problem"

Zu Forschungszwecken hat der Student Josh Le seine Jeans 15 Monate getragen, ohne sie einmal zu waschen. Seine Erkenntnis? Bei müffelnden Klamotten hilft schockfrosten - und "ich bin sauberer, als ich dachte".

Waschmuffel können aufatmen: Ob man seine Hosen zwei Wochen oder über ein Jahr lang ungewaschen trägt, macht hygienisch keinen Unterschied. Die Humanökologin Rachel McQueen von der kanadischen Universität Alberta hat die Zahl der Bakterien in Jeans verglichen, die 15 Monate beziehungsweise zwei Wochen lang ohne zu waschen getragen wurden. Versuchsperson war ihr Student Josh Le, der sich im September 2009 die Versuchsjeans gekauft hatte.

SZ: Herr Le, was tragen Sie gerade?

Josh Le: T-Shirt und Jeans. Es ist eine neue Jeans, die haben mir meine Brüder zu Weihnachten geschenkt. Ich habe sie seit dem 1. Januar täglich an, ohne sie gewaschen zu haben. Das ist ein Wettbewerb mit einem Freund, wir wollen sehen, wer seine Jeans länger tragen kann.

SZ: Sie haben noch nicht genug von muffigen, ollen Jeans?

Typ: Nein, ich finde Jeans toll. Sie sind wie eine zweite Haut, und nach einer gewissen Zeit erzählen sie eine Geschichte. Dieser Fleck erinnert an den Ausflug im Sommer, jene hellen Stellen belegen, dass ich viel Rad fahre und sich der Stoff abnutzt. Aber okay, der Geruch war hin und wieder durchaus ein Problem.

SZ: Haben Ihre Mitmenschen gelitten?

Le: Für ganz empfindliche Nasen war es sicher manchmal anstrengend, neben mir zu sitzen. Ganz schlimm war es im Urlaub in Kalifornien. Wenn ich da den Koffer aufgemacht habe, in dem die Jeans lag, kam mir eine recht unappetitliche Wolke entgegen.

SZ: Was taten Sie dagegen?

Le: Die letzte Rettung war meist das Gefrierfach: Wenn der morgendliche Geruchstest sehr negativ ausfiel, hab ich die Jeans ein paar Stunden tiefgekühlt. Ein befreundeter Molekularbiologe hat mir erzählt, dass dabei Bakterien zugrunde gehen oder zumindest eine Weile außer Gefecht gesetzt werden. Das hat ziemlich gut geholfen. Wenn's nicht ganz so schlimm war, habe ich die Jeans einfach ein paar Stunden in den Wind gehängt.

SZ: Das hat offensichtlich geholfen, denn wirklich fiese Bakterien haben die Forscher ja nicht gefunden.

Le: Ja, das hat uns auch überrascht. Es fanden sich ausschließlich normale Hautbakterien: Corynebakterien, Staphylokokken und Mikrokokken. Und dass es nach dem zweiwöchigen Tragen genau so viele sind wie nach mehr als einem Jahr, sagt uns zwei Dinge. Erstens: Man muss es mit dem Waschen nicht übertreiben, dann halten die Jeans länger und die Umwelt hat auch was davon. Zweitens: Ich bin sauberer, als ich dachte.

SZ: Kein Hautausschlag in all den Monaten? Kein Jucken, kein Kratzen?

Le: Nein, absolut nichts.

SZ: Was haben Freunde und Familie zu Ihrem Experiment gesagt?

Le: Meine Eltern haben mich für komplett verrückt gehalten. Mein Vater sagte, dass anständige Leute ihre Sachen nach jedem Tragen waschen. Irgendwann haben sie dann drüber gelacht. Meine Freunde konnten den Verfall der Jeans in meinem Facebook-Profil mitverfolgen. Die meisten amüsierten sich.

SZ: Wieso haben Sie die Hosen nach 15 Monaten endgültig ausgezogen?

Le: Der Stoff war dünn geworden, man konnte an manchen Stellen fast schon durchgucken. An den Schenkeln gab es sogar schon kleine Löcher. Es war Zeit, sie gehen zu lassen.

SZ: Sie haben das Forschungsobjekt weggeworfen?

Le: Natürlich nicht, wir sind ja sehr vertraut nach all der Zeit. Ich hebe sie auf. Für besondere Anlässe.

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Quelle:
SZ vom 08.02.2011/jobr
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