Lange Unterhosen Das Pfuideifigwand

Für Frauen Stehbrunzhosen

Das Pfuideifigwand

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Dass die lange Unterhose ihre im Kern vorhandene erotische Ausstrahlung nie richtig ausspielen konnte, hängt vor allem damit zusammen, dass die baumwollenen Ungetüme früherer Zeiten nach mehrmaligem Waschen ihre Elastizität gänzlich verloren und radikal aus der Form gingen.

Danach hingen sie schlaff an den Beinen, als wäre ihnen die Luft ausgegangen, und zu allem Unglück stand vorne auch noch der Eingriff weg, der ja eigentlich eine revolutionäre Erfindung darstellte - aber eben nur im jungfräulichen, elastischen Zustand. Lion Feuchtwanger hat diesem Unterhosen-elend in seinem Münchner Romanepos "Erfolg" ein literarisches Denkmal gesetzt, indem er den Komiker Balthasar Hierl (in Wirklichkeit meinte er Karl Valentin) beschrieb, nachdem dieser die Hosen heruntergelassen hatte: "Knurrig, mit gelangweiltem, hohlwangigem Kopf, ausgemergelt, in schlottrigen alten Unterhosen stand er da, kläglich ..."

Die Anrüchigkeit dieses Pfuideifigwands verdichtete dann später der Kabarettist Gerhard Polt, indem er von seinem zukünftigen Rentnerdasein in Spanien erzählte, "wo er kein Nasivin und keine Angoraunterhose" mehr brauche. In Bayern herrschte außerdem lange Zeit Konsens darüber, dass es ohne Unterhose keine Sittsamkeit geben könne. Einer, der vehement auf diese Problematik aufmerksam machte, war Ludwig Thoma, nur gab er ihr eine neue, unerwartete Richtung.

So ließ er den fiktiven Abgeordneten Josef Filser über einen ansonsten weniger beachteten Zweck der Unterhose räsonnieren und ihn behaupten, der biedere Ökonom schäme sich bereits im Hemd, weswegen er sich in der langen Unterhose ins Bett lege. "Und bald ich meine kristgadollische Ehefrau anschauge, ist es mir viel liber, bald sie mer anhat als wie wehniger, hobwol es beim ferheirateten Zuschtand keine Unkeischheid nicht gibt sontern es ist gesetzlich. Haber man kahn sein Schamgefiehl nicht einmahl bei der Ehe unterdriken."

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es freilich nur wenige Frauen, die Unterhosen trugen, sagt Ruth Kilian vom Rieser Bauernhofmuseum in Maihingen. Bis dahin schützten sie sich lediglich mit langen Hemden und mehreren Schichten von Unterröcken gegen die Kälte. Dann setzten sich zuerst die im Schritt offenen Unterhosen durch, die im Dialekt "Stehbrunzhosen" hießen.

Die geliebte Armee-Unterhose

Ansonsten war die Unterhose ein männliches Privilegium, gegen Ende des 19.Jahrhunderts wurden die ersten Soldaten mit Unterwäsche ausgestattet. Die wussten das zu schätzen, bei der Bundeswehr genießt die tarngrüne lange Unterhose seit jeher einen guten Ruf, nicht zuletzt weil die Rekruten draußen im herbstnassen Feld in Grafenwöhr froh sind über jedes Kleidungsstück, das dem verweichlichten Körper Schutz gegen Nässe und Kälte bietet. So mancher Soldat liebte die Armee-Unterhosen so sehr, dass er sie auch später im Berufsleben anzog, bis sie vom vielen Waschen zerfaserten.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die lange Unterhose in ein High-techkleidungsstück verwandelt. Vor allem Sportler, Radfahrer und Holzarbeiter genießen die neue Freiheit. "Die modernen Unterhosen sind atmungsaktiv und federleicht, sie sind angenehm zu tragen, trocknen schnell und verwöhnen die Haut", fasst der Camping-Experte Georg Eberle ihre Vorzüge zusammen.

Davon sind die alten schweren Unterhosen weit entfernt. Selbst in den Textilkaufhäusern auf dem Land werden sie nur noch als Randsortiment geführt. "Die weißen Feinrippunterhosen kaufen nur noch ältere Damen für ihre Männer", sagt die Verkäuferin in einem Modehaus in Vilsbiburg. "Von 70 aufwärts, diese Generation ist das halt so gewöhnt. Für sie muss eine Unterhose einfach weiß sein, und sie muss beim Waschen ausgekocht werden."

Es ist jene Generation, die noch mit den grauen Wollunterhosen der Nachkriegszeit aufgewachsen ist, die schwere Gummizüge hatten, innen aufgeraut waren und die Oberschenkel rot wie Feuer werden ließen. Im Kramerladen lagerten sie im obersten Regal, und einmal im Jahr kamen die Bauern, probierten sie im Laden umständlich und unter großem Gekrächze an.

Das häufige Wechseln der Unterhose war noch kein geläufiger Brauch, was auch damit zusammenhing, dass sie mühsam zu waschen waren und ewig nicht trockneten. Nicht umsonst ermahnten die Dorflehrer ihre Schüler noch in den siebziger Jahren, mindestens einmal in der Woche die Unterhose zu wechseln.