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Kuschelsutra:Die Kunst des Knuddelns

Alle denken immer nur an das eine. Doch was ist mit dem anderen? Das "Kuschelsutra" verrät, wie man sich professionell aneinanderschmiegt.

Viktoria Weichselgartner

Kuscheln ist besser als Sex, behauptet der Schriftsteller Rob Grader. Sein fröhlich-buntes Bilderbuch für Erwachsene soll zeigen, wie man sich erfolgreich durchs Leben kuschelt. Bei der abgespeckten Version des Kamasutras muss man nicht viel lesen, denn die Bilder sagen eigentlich schon alles. Sex tritt dabei in den Hintergrund. Kuscheln ist für Rob Grader viel intimer als Sex, hat aber laut Autor zu wenig Stellenwert in den meisten Beziehungen. "Kuscheln ist die perfekte Art, grenzenlose Liebe zu zeigen."

Kuschelsutra, Grader

Augen zu und genießen: Durch Kuscheln zu neuer Lebensenergie.

(Foto: Foto: Schwarzkopf Verlag)

Dass Grader damit den Nerv der Zeit trifft, zeigt sich etwa an den "Free Hugs", kostenlose Umarmungen, die auf der Straße von Kuschelwilligen verteilt werden. Auch geht der Trend zu Kuschel-Events: Diese neue Art von Party findet sowohl in Amerika als auch in Europa begeisterte Anhänger. Bei ruhiger Musik, gedämpftem Licht und gemütlicher Stimmung treffen sich Unbekannte einfach nur zum Kuscheln, Knuddeln und Berühren.

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit den zarten Liebkosungen: Das Touch Research Institute an der University Miami School of Medicine hat in Studien herausgefunden, dass Berührungen wichtig für die psychische und physische Gesundheit sind. Säuglinge, die nicht berührt werden, leiden unter einer Verzögerung ihrer Entwicklung. Bei Erwachsenen ist die Stimulierung der Druckrezeptoren gut für die körpereigenen Abwehrkräfte und das seelische Gleichgewicht.

Das Buch von Grader ist allerdings keine wissenschaftliche Abhandlung zur Wirkung des Kuschelns. Grader ist Romantiker: Mit seiner Frau zelebriert er jeden zweiten Samstag im Oktober den "Kuscheltag". An diesem Tag tun sie nichts anderes, als sich gegenseitig anzufassen, zu streicheln, zu spüren - und genau das will Grader nun auch mit seinem Buch weltweit erreichen.

In 48 abgebildeten Kuschelstellungen zeigt der Autor, wie das Kuscheln zur schönsten Nebensache der Welt werden kann. Zwar könnten die Ausführungen zu den Abbildungen etwas kreativer sein, aber die gelungenen Illustrationen und die Anregungen durch das Buch, bei denen man sofort nach Hause zu seinem Schatz laufen möchte, machen das wieder gut.

Vom lauschigen "Bett-Geflüster" über Verrenkungen auf der Couch bis hin zum öffentlichen Aneinanderschmiegen auf der Straße reichen die zahlreichen Möglichkeiten. Wahlweise kann man sich die ganze Nacht um den Liebsten oder die Liebste ringeln oder ganz oldschool-kuschelmäßig den Arm krallen und drauflos schnurren. Für besonders ausgefeilte Methoden verrät der Autor auch nützliche Tricks: Wer will schon mit einem tauben Arm nach dem Power-Kuscheln aufwachen?

Die Gründe für die Kuschelattacken auf den Partner können dabei ganz unterschiedlich sein: Parasiten-Kuscheln, um in kalten Winternächten die Wärme vom Bettnachbarn abzugreifen, strategisches Kuscheln, um das ewige Hin- und Hergewälze auf der Matratze zu verhindern, tröstendes Kuscheln, das sagt : "alles wird gut". Oder auch Passions-Kuscheln, bei dem man dem Kuschelobjekt recht offensiv zu nahe rückt, aber die süße Botschaft bleibt: Dich lass ich nicht mehr los.

Das Buch "Das Kuschelsutra - Eine liebevolle Hommage an die Innigkeit" von Rob Grader ist erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf.

© sueddeutsche.de/viw
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