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Kuba:Buena Vista Social Network

Viele Menschen telefonieren mit dem Handy am Hotspot der Uferpromenade Malecon Kuba *** Many peopl

Weltweit im Internet surfen können die Kubaner nur mittels Hotspots auf öffentlichen Plätzen. Deshalb haben sie sich das SNet geschaffen.

(Foto: imago/Cathrin Bach)

Auf Kuba haben Tausende Nutzer ein lokales Internet aufgebaut. Nicht erlaubt, allerdings auch nicht wirklich verboten - nun soll es unter staatliche Kontrolle gestellt werden.

Ach, Havanna! Millionen kommen jedes Jahr, um deinen morbiden Charme zu erleben, um zu flanieren zwischen putzbröckeligen Häusern, klapprigen Pferdekarren und zahnlosen Greisen, die Musik machen, wie es sie nur auf Kuba gibt. Allein das Internet, das lässt zu wünschen übrig.

Seiten laden in etwa so schnell, wie die bunten Oldtimer über die Avenidas tuckern. Dazu kommen Gebühren, die gesalzener sind als das Wasser des Meeres, dessen mächtige Wellen unablässig gegen den Malecón schlagen. Auf der weltberühmten Uferpromenade Havannas kann man übrigens herrliche Fotos machen, vor allem zum Sonnenuntergang, nur Hochladen bei Instagram kann man sie kaum, immer wieder hakt die Verbindung. Ach, Havanna!

Dabei ist das bisschen Internet, dass es heute in Kuba gibt, schon ein Riesenfortschritt. Bis vor ein paar Jahren war die Insel noch so gut wie ganz abgeschnitten vom weltweiten Netz. Schuld waren technische Schwierigkeiten, vor allem aber auch politische Hürden, einmal gab es da die US-Sanktionen, dann aber auch die Bedenken in der Kommunistischen Partei. Doch die Revolution lässt sich nicht aufhalten, erst recht nicht in Kuba. Und so ist auf der Insel das SNet entstanden, ein lokales Netzwerk bestehend aus Tausenden Computern, untereinander vernetzt durch drahtlose Verbindungen und Kabel. Wie ein Spinnennetz ziehen sie sich durch ganz Havanna. SNet ist wie das World Wide Web, nur ohne Zugang zur weiten Welt. Es gibt Chatforen und Datingseiten, eine Offline-Version von Wikipedia und sogar eine eigene Suchmaschine und einen Social-Media-Dienst.

Internet in Kuba

Vor einem einem Ladenlokal in Havanna sitzen einige Kubaner, um einen Wlan-Hotspot zu nutzen. In einem Pilotprogramm wurde im Dezember 2016 in einigen Haushalten Internet eingeführt.

(Foto: dpa)

Erlaubt ist das alles natürlich nicht, allerdings auch nicht wirklich verboten. Die Regierung tolerierte SNet lange, vor allem auch deshalb, weil die Nutzer und die Administratoren im Gegenzug darauf achteten, dass keine verbotenen Inhalte geteilt wurden. Wer Pornos verbreitete, flog raus. Man durfte nicht über Politik oder Religion diskutieren, dafür aber gab es illegal kopierte Hollywoodschinken und Serien zum Download, und Computerspieler konnten Egoshooter gegeneinander zocken. Für viele junge Habaneros war und ist SNet ein wichtiger Teil ihres Lebens, umso aufgebrachter sind sie nun über neue Regelungen, die das Ende des Netzwerks bedeuten könnten.

Denn unlängst hat das kubanische Kommunikationsministerium ein paar neue Bestimmungen eingeführt bezüglich der Nutzung und vor allem des Aufbaus von lokalen Netzwerken. Erstmals sind diese grundsätzlich erlaubt, verboten sind dafür aber explizit das Spannen von Kabeln über Straßen hinweg und der Einsatz von leistungsstarken Routern. Anders gesagt: Wer ein paar Rechner über drei oder vier Stockwerke verbinden will, hat den Segen der Regierung. Ein Netzwerk von der Größe von SNet, mit Tausenden Benutzern und Leitungen durch die ganze Stadt, ist mit den neuen Bestimmungen nicht mehr möglich.

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SNet soll in den staatlichen Jugend-Computerclub eingegliedert werden

Am 29. Juli sind die Regelungen in Kraft getreten, kurz darauf gab es die ersten Proteste. Die Administratoren versuchten erst, das Ministerium umzustimmen und Ausnahmeregelungen zu erwirken, ohne Erfolg. Dann begannen Nutzer unter dem Hashtag #YoSoySNet ("Ich bin SNet") im weltweiten Netz gegen die neuen Regelungen zu demonstrieren, es kam sogar zu öffentlichen Protesten in Havanna. Beteiligte berichteten im Anschluss von Verhaftungen und Wohnungsdurchsuchungen.

Nach zwei Wochen lenkte das Kommunikationsministerium nun ein: Die neuen Bestimmungen bleiben zwar bestehen, SNet aber soll dafür in die Strukturen des staatlichen Jugend-Computerclubs eingegliedert werden. Die Nutzer sind nun gespalten: Die einen hoffen, ihr Netzwerk auf diese Weise doch noch retten zu können, die anderen glauben, dass die staatliche Kontrolle am Ende ihre Gemeinschaft kaputt machen wird. Viele hegen dazu auch Zweifel, ob der Jugend-Computerclub das technische Wissen hat, ein Netzwerk von der Größe von SNet zu verwalten. Sie wollen darum weiterkämpfen, für SNet. Oder, um es mit Che Guevara zu sagen: Hasta la victoria, siempre!

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