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Kosmetische Operationen:Schönheit per Skalpell

Pro Jahr gibt es in Deutschland mehr als 500.000 kosmetische Eingriffe, die Teilnehmer werden immer jünger - und jede fünfte OP geht schief. Nun beschäftigt sich der Gesundheitsausschuss damit.

Eine kleine Schönheitsoperation für das bestandene Abitur, eine Nasenkorrektur zum Beginn des Studiums: Der Wunsch nach maßgeschneiderter Schönheit wächst - vor allem bei jungen Menschen. Narkose, Skalpell und anschließende Wundschmerzen lassen immer weniger Menschen davor zurückschrecken, sich einer sogenannten Schönheitsoperation zu unterziehen.

Immer mehr junge Menschen wollen sich unters Messer legen.

(Foto: Foto: iStock)

Weltweit gibt es nach Schätzungen jährlich zehn Millionen kosmetisch-operative Eingriffe. Allein in Deutschland ist die Zahl von einigen hunderttausend auf zuletzt mehr als eine Million drastisch gestiegen.

Jeder Einzelne muss die Entscheidung für einen solchen Eingriff für sich selber treffen - aber was ist mit Jugendlichen und Kindern? Nach Angaben der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen werden zehn Prozent solcher Eingriffe an unter 20-Jährigen vorgenommen. Eine Umfrage ergab: Schon unter den neun- bis 14-Jährigen wünscht sich jedes fünfte Kind eine solche Behandlung. "Der Trend geht dahin, den eigenen Körper passend zu machen", sagt die Kölner Psychologin und Psychotherapeutin Gerhild von Müller.

Um diese Entwicklung zu bremsen, drängen nun Unions- und SPD-Fraktion Bund und Länder in einer Gesetzesinitiative, medizinisch unnötige Schönheits-OPs an Minderjährigen zu verbieten. Zudem fordern die Fraktionen, dass auch bei Erwachsenen nur besonders qualifizierten Ärzten solche Eingriffe gestattet sein sollen. An diesem Mittwoch will der Gesundheitsausschuss des Bundestags daher Experten zum Thema anhören.

Aus einer Studie, die dem Gesundheitsausschuss vorliegt, geht hervor, dass es sich bei den Operationen um gefährliche Eingriffe handeln kann. Bei 22 Prozent der Schönheits-OPs, die an Frauen durchgeführt werden, gibt es Komplikationen. Vor allem bei Fettabsaugungen gebe es immer wieder Schwierigkeiten. Nach einer US-Untersuchung kommt auf 5000 Fettabsaugungen gar ein Todesfall.

Die Folgen seien oft unabsehbar und weder von den minderjährigen Patienten noch ihren Erziehungsberechtigten seriös abschätzbar, meint dazu der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in seiner Stellungnahme zum Antrag der Fraktionen. Mögliche Komplikationen, wie beispielsweise Infektionen und innere Blutungen, oder missglückte Eingriffe würden häufig vor einer OP nicht ausreichend berücksichtigt. Aber auch die psychischen Probleme werden häufig unterschätzt.

"Ich bin klipp und klar für ein Verbot solcher Eingriffe bei Minderjährigen", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Brustvergrößerungen oder das Absaugen von Fett bei 15-jährigen Mädchen seien "grotesker Ausdruck eines verirrten Schönheitsideals per Skalpell". Auch die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will Schönheitsoperationen eindämmen, wie eine Sprecherin sagte.

Unterschieden wird bei dem Wunsch nach einem Verbot allerdings ganz deutlich zwischen Operationen aufgrund erlittener Verletzungen und angeborener Fehlbildungen im medizinischen Sinn einerseits und operativen Eingriffen ohne medizinische Notwendigkeit andererseits. Nur Letztere stehen im Fokus der Diskussion. Die einzige Voraussetzung für schönheitschirurgische Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen ist bislang eine Einwilligungserklärung der gesetzlichen Vertreter. Eine vorherige medizinische Begutachtung ist zurzeit nicht nötig.

"Häufig werden vermeintliche Körperdefekte, wie eine krumme Nase, zu kleine oder zu große Brüste als die Ursache für persönliche Probleme angesehen, dass man zum Beispiel keine Freunde oder Partner findet", sagt von Müller. Nach der Operation merkten sie dann, dass ihr eigentliches Problem auch durch eine Schönheitsoperation nicht gelöst ist. "Beziehungs- und Kontaktschwierigkeiten lassen sich eher durch Beratung und Psychotherapie überwinden.

Ein generelles Verbot für kosmetische Schönheitsoperationen ohne medizinischen Anlass bei Jugendlichen hält von Müller daher für sinnvoll. "Man muss auch immer mit der Uninformiertheit der Eltern rechnen, deshalb ist es ganz wichtig, Kinder zu schützen." Ab 18 könnten sie sich dann immer noch für eine Schönheitsoperation entscheiden, wenn sie die Risiken eingehen wollten. "Man muss ein generelles Verbot nicht als Bevormundung der Eltern interpretieren: Es kann auch eine Entlastung für sie darstellen - eine so weitreichende Entscheidung für ihre Kinder nicht treffen zu müssen."

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert in seiner Stellungnahme darüber hinaus, auch Piercings und Tätowierungen von Minderjährigen grundsätzlich zu untersagen. "Das Ohrlochstechen bereits bei Säuglingen ist ebenfalls schmerzhaft für die Kinder und daher aus kinder - und jugendärztlicher Sicht mit Skepsis zu betrachten. Auch bei Jungen sehen wir zunehmend entsprechende Ohrstecker bereits im Säuglingsalter." Besonders aber führten die Folgen der zahlreichen Piercings bei Kindern und Jugendlichen an allen möglichen Stellen am Körper und im Mund sowie im Genitalbereich zu medizinischen Komplikationen.

© sueddeutsche.de/dpa/jüsc
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