KolumneMänner aktuell, diesmal: Jochen

Lesezeit: 2 Min.

Illustration eines Blind Dates.
Illustration eines Blind Dates. Illustration Jessy Asmus

Nicht schön, wenn einem gesagt wird, man sehe müde aus. Dass es noch schlimmer geht, schreibt unsere Autorin in einer neuen Folge ihrer Männer-Kolumne.

Von Johanna Adorján

Eine Freundin von mir stand mal kurz vor einem Supermarkt, um zu verschnaufen. Im Kinderwagen hatte sie ihr Baby dabei, das Einkaufen war mal wieder anstrengend gewesen, überhaupt war damals gerade alles ein bisschen anstrengend, vor allem fehlte ihr Schlaf. Sie muss ganz schön fertig ausgesehen haben, denn ein Penner kam auf sie zu und fragte, ganz leise, nur zwischen ihnen beiden: "Brauchst du Geld?"

Wahnsinnig rührend eigentlich. Und tausendmal respektvoller und freundlicher als diese Menschen, von denen es ja gerade in Deutschland unbeschreiblich viele gibt, die einem gleich zur Begrüßung schon mitteilen, dass man müde aussieht. Kennt jeder, oder? Diese "Hey, hallo, wie geht's, siehst ganz schön müde aus"-Leute.

Ich frage mich immer, was es mit dieser Sitte auf sich hat, einfach alles, was man denkt, ungefiltert weiterzugeben. Ist das einfach Stumpfheit, oder wird das von ihnen selbst als unheimlich aufrichtig empfunden? Glauben sie, man werde ihnen für ihre Ehrlichkeit dankbar sein? Oder soll es genau das sein, wonach es klingt, also eine kleine Beleidigung, hübsch passiv-aggressiv als Anteilnahme verkleidet? Und was soll man eigentlich darauf entgegnen? "Ja, tut mir leid, ich weiß, der Anblick ist nicht schön"? Oder: "Danke für den Hinweis, du, dann renne ich schnell nach Hause und leg mich noch mal für ein paar Stunden hin"?

Kolumne
:Männer aktuell, diesmal: Lothar

Gäbe es den Konjunktiv nicht, man müsste ihn erfinden. Alleine schon, weil es so großartige Sprüche über ihn gibt. Ein besonders toller stammt, Männer wissen es, von Lothar Matthäus.

Von Johanna Adorján

Der Mann, mit dem sie sich online verabredet hat, wirkt vielversprechend

Wäre es nicht viel netter, etwas Nettes zu sagen? Irgendetwas wird sich schon finden lassen, wenn man nur danach Ausschau hält. Und wenn nicht, wie schlimm wäre Schweigen?

Hier meine Lieblingsgeschichte aller Zeiten, was das sensible Thema angeht, dass man möglicherweise manchmal schlechter aussieht, als man selbst glaubt. Es ist eine wahre Geschichte, ich kenne jemanden, der die Person kennt, der sie passiert ist, hier also jetzt sozusagen aus dritter Hand.

Also.

Nach langer Zeit hat eine Frau endlich mal wieder ein Date. Sie ist Ende vierzig und sieht fantastisch aus, obwohl das eigentlich überhaupt keine Rolle spielt, aber jedes Mal, wenn ich die Geschichte erzähle, kommt diese Rückfrage, daher weiß ich, dass dieses Detail interessiert. Also stellen Sie sich ruhig eine schöne Frau vor, der diese Sache hier passiert. Der Mann, mit dem sie sich über eine Online-Dating-Plattform verabredet hat, wirkt vielversprechend, und sie hat Lust, sich für diesen Mann richtig Mühe zu geben. Sie föhnt sich die Haare so, dass sie perfekt fallen, schminkt sich, dezent, zieht sich ein Kleid an, dazu hohe Schuhe. Bisschen Parfüm hinter die Ohren, noch etwas Rouge auf die Wangen. Als sie sich schließlich im Spiegel ansieht, denkt sie fröhlich: Na also!

Auf dem Weg zu dem Café, in dem sie verabredet sind, kommt ihr ein Mann entgegen, der sie ansieht, als kenne er sie. Sie lächelt ihm zu, bester Laune, er guckt sie komisch an. Es verunsichert sie ein wenig, dass er sie so ansieht, am Ende ist er ihr Date, obwohl das eigentlich nicht sein kann, weil er ganz anders aussieht als auf den Fotos. Nein, kann nicht sein. Doch der Mann kommt auf sie zu, ein bisschen zögerlich, als wäre er sich nicht ganz sicher, bleibt direkt vor ihr stehen, sieht sie fragend an - und sagt: "Jochen?"

Kolumne
:Männer aktuell, diesmal: Adolf

Unsere Kolumnistin würde gerne wissen, wer der Mensch war, der mal in ihrem Haus wohnte, als in Berlin überall "Sieg Heil"-Rufe zu hören waren. Auf den Spuren von Adolf Zadek, der 1943 nach Auschwitz kam.

Von Johanna Adorján

Und das Allerschlimmste: Es war überhaupt nicht böse gemeint.

© SZ vom 02.12.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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