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Kolumne "Familie und andere Turbulenzen":Schleich dich raus, wenn du kannst

Familien-Kolumne

Der Plan der Eltern: Die Kinder müde toben lassen, so dass sie schnell einschlafen.

Der Plan der Kinder: So lange toben, bis die Eltern einschlafen.

(Foto: Stephanie Wunderlich)

Sind die Kinder endlich im Bett, gehört der Abend den Eltern. Theoretisch. Denn die Kleinen arbeiten mit allen Tricks, um Mutter und Vater niemals gehen zu lassen.

Es ist 21:04 Uhr, und die Eltern wollten seit 34 Minuten eigentlich ganz woanders sein: beim Italiener gegenüber. Dort warten ihre Freunde, wahrscheinlich genauso hungrig wie Vater und Mutter. Nur gibt es ein kleines Problem: das Kind.

Zwar funkt das Babyphon bis zum Restaurant gegenüber, aber momentan benötigen die Eltern es nicht, sie hören das Kind auch so. Was daran liegt, dass sie die Wohnung noch nicht verlassen konnten.

Dabei hatten die Eltern dem Kind bereits am Nachmittag schonend beigebracht, dass sie heute Abend ausgehen würden. Nur bis zur anderen Straßenseite. "Ui ja, ich komme mit", hatte der Sohn gerufen. "Äh ... nein", hatte die Mutter gesagt.

Die Eltern bestachen ihn mit Pommes zum Abendessen und versprachen, sie würden sofort zurück in die Wohnung eilen, sollte er aufwachen und rufen. "Wie der Blitz sind wir da", sagte der Vater. "Bevor du bis zehn zählen kannst", rief die Mutter. Beide freuten sich auf einen entspannten Abend mit ihren Freunden. Das Kind übte, möglichst schnell bis zehn zu zählen.

20:15 Uhr. Das Abendritual haben sie hinter sich gebracht. Waschen, Zähneputzen, Vorlesen, Kuscheln, Licht ausschalten, nochmal Wasser bringen, nochmal aufs Klo gehen, die wichtigste Neuigkeit des Tages erfahren ("Meine Lieblingsfarbe ist nicht mehr Blau. Ich mag jetzt Rot!"), den Wunsch nach einem weiteren Schluck Wasser ablehnen, die Tür schließen, nach zehn Sekunden wieder öffnen und den Wunsch nach einem weiteren Schluck Wasser doch gewähren, dann einen letzten Gute-Nacht-Kuss auf die weiche Wange drücken.

20:25 Uhr. Seit fünf Minuten dringt kein Laut mehr aus dem Kinderzimmer. Die Eltern schleichen zur Wohnungstür, die Schuhe in der Hand. Mit lauten Schritten hatten sie sich schon einmal verraten und sich damit vor drei Wochen einen Ausflug in die Bar im Erdgeschoss verdorben. Der Vater zieht die Wohnungstür ins Schloss, leider unüberhörbar. "MAMAAAA!!!! PAPAAAA!!!!", brüllt es in Stereo aus dem Kinderzimmer und dem bereits eingeschalteten Babyphon. Das Echo hallt im Treppenhaus wider.

"Geht ihr jetzt?", fragt der Sohn. "Das hatten wir vor, ja", sagt die Mutter. "Ich kann aber nicht einschlafen", klagt der Sohn. "Du hast es doch noch gar nicht richtig versucht", sagt der Vater. "Doch", widerspricht der Sohn und setzt sich entrüstet im Bett auf. "Bleib liegen!", rufen die Eltern. "Ich will nicht allein im Dunkeln sein", jammert der Sohn. "Du hast ja deinen Teddybär", sagt die Mutter. "Der hat im Dunkeln aber auch Angst", flüstert der Sohn.

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Die Eltern lassen die Lampe im Flur an, so dass ein wenig Licht durch den Türspalt ins Kinderzimmer scheint. "Seid ihr schon weg?", fragt der Sohn. "Leider nicht", seufzt der Vater.

20:33 Uhr. "Ich kann nicht schlafen, es ist so hell hier", greint der Sohn. Die Mutter beißt in ein Sofakissen. "Ich geh schon", sagt der Vater. "Bleibst du bei mir im Dunkeln stehen, bis ich schlafe? So wie früher?", fragt der Sohn.

20:46 Uhr. Der Vater lauscht den ruhigen Atemzügen seines Kindes und versucht, die Zimmertür geräuschlos zu schließen. BIIIEEEP-BIIIEEP, piepst sein Handy. " Wo bleibt ihr denn, wir verhungern", schreiben die Freunde. "MAMAAAAAA!!!! PAAPAAAAA!!!", schmettert der Sohn. "Ich stehe direkt neben dir", sagt der Vater. Von draußen hört er den unterdrückten Frustschrei seiner Frau. Unterzuckert ist sie so leicht reizbar.