bedeckt München 16°
vgwortpixel

Kolumne "Er sagt, sie sagt":Hast du mein Handy gesehen?

popart teaser kolumne "er sagt, sie sagt"

Der Chaot und die Suchmaschine - eine symbiotische Verbindung.

(Foto: iStock)

Dass Männer ständig ihre Sachen suchen, hat nur einen Grund: Frauen räumen immer alles weg. Oder wie war das nochmal? Eine Beziehungs-Kolumne in Dialogform.

Ein Paar in Urlaubsvorbereitung. Sie holt Dinge aus Schränken und sortiert sie in einen der beiden Koffer, die aufgeklappt auf dem Bett liegen. Er läuft kreuz und quer durch die Wohnung, öffnet und schließt Schranktüren und Schubladen, sein Koffer ist leer.

Er: Wo ist bloß mein Kulturbeutel?

Sie: Der müsste im Bettkasten sein, vorne rechts.

Er: Hast du meine blaue Badehose irgendwohin geräumt?

Sie: Im mittleren Schrank, zweites Fach von unten.

Er: Weißt du vielleicht, wo die Tennisschläger sind?

Sie: Da, wo sie immer sind, im Keller. Zwischen Werkzeugschrank und Regal, beim Sonnenschirm und den Campinghockern.

Er verschwindet wieder und läuft suchend durch die Wohnung, sie räumt weiter in Ruhe vor sich hin.

Er (steckt den Kopf ins Schlafzimmer): Sag mal, du hast nicht zufällig meinen Rasierapparat gesehen?

Sie: Ist er denn nicht im Badezimmerschrank? Rechte Seite, zweite Schublade?

Er: Jetzt nicht mehr, ich habe mich doch heute morgen damit rasiert.

Sie: Immerhin gibst du inzwischen selbst zu, dass alles verschwindet, was du benutzt.

Er: Verschwinden ist nicht der richtige Ausdruck. Ich habe ihn nur ein bisschen verlegt, als der Anruf kam und ich mit dem Rasierer in der Hand durch die Wohnung lief, um das Handy zu suchen.

Sie: Na, dann ist doch alles klar! Der Rasierer liegt bei deinem Handy.

Er: Äh ... das Handy. Richtig. Du hast es nicht zufällig irgendwo gesehen?

Sie: Hervorragend. Wir vermissen also einen Rasierapparat und ein Telefon. Oh Mann, das ist wieder mal ...

Er: Statt dich aufzuregen, könntest du zum Beispiel mit deinem Handy auf meinem anrufen. (Sie holt ihr Mobiltelefon aus der Handtasche und tippt. Aus der Küche dringt ein sehr leiser Klingelton. Als sie näherkommen, bimmelt es eindeutig aus dem Kühlschrank. Er öffnet die Tür und holt das Telefon heraus.) Ich hab's!

Sie: Das ist nicht dein Ernst, oder? Wie kann man bitte ein Handy im Kühlschrank vergessen?

Er (spielt kurz mit dem Gedanken, zu antworten: "Das war ich nicht!" und räumt ein): Ich glaube, ich wollte mir etwas zu trinken holen und hatte es wohl noch in der Hand. (Schaut auf sein Handy) Mist, der Akku ist gleich leer. Du weißt nicht zufällig, wo mein Ladekabel ist? (Ein Blick in ihr Gesicht sagt ihm, dass sie zwar weiß, wo es ist. Aber dass sie gerade nicht in der Stimmung ist, es ihm zu verraten.) Ok, lass uns lieber überlegen, wo mein Rasierer sein könnte. Hast du 'ne Idee?

Sie: An deiner Stelle würde ich mal in der Mikrowelle nachsehen. Meinetwegen auch in der Sockenschublade. Ich hab jedenfalls keine Lust mehr, deine persönliche Suchmaschine zu spielen. Nie weißt du, wo dein Zeug ist, und ich soll dann immer alles orten und wieder herzaubern (die Worte "nie" und "immer" sind in der partnerschaftlichen Anklage-Rhetorik von zentraler Bedeutung)!

Er: Du bist ja auch diejenige, die meine Sachen irgendwohin räumt. Und dann wunderst du dich, wenn ich nichts finde.

Sie (denkt sich: Wenn du nicht immer alles rumliegen lassen würdest, müsste ich dein Zeug auch nicht wegräumen! Sagt stattdessen): Also, das hast du diesmal ja wohl ganz alleine geschafft! Und überhaupt, was heißt da "irgendwohin räumen"! Wenn ich etwas aufräume, dann befinden sich die Sachen immer genau da, wo sie hingehören. Und trotzdem fragst du mich jedes Mal. Manchmal glaube ich, du bist einfach nur zu faul zum Nachdenken.

Er (seufzend, weil ihm dagegen einfach kein Argument einfällt): Ok, dann sei bitte so lieb und räum meinen Rasierapparat an seinen Platz, wenn du ihn demnächst findest.

Stumm und verärgert räumt jeder vor sich hin. Das heißt: Sie räumt, er sucht fluchend irgendwelche Dinge. Als sie sich erschöpft auf die Couch fallen lässt, brummt und vibriert es plötzlich unter ihrem Hintern.

Sie (springt wie von der Tarantel gestochen wieder auf): Verdammt! Du kannst aufhören zu suchen. Ich hab deinen Rasierapparat gefunden.

© SZ.de/rus
Zur SZ-Startseite