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Kolumne "Er sagt, sie sagt":Grau sind alle ihre Kleider

popart teaser kolumne "er sagt, sie sagt"

Von wegen grau: Die Kleider einer Frau unterscheiden sich sehr wohl - in Nuancen.

(Foto: iStock)

Wenn ihre Pullis in seinen Augen alle gleich aussehen, dann kann es dafür nur einen Grund geben: Mit seinen Augen stimmt etwas nicht. Eine Kolumne über die Kommunikation zwischen Mann und Frau.

Sie steht vor ihm, die Hände in die Hüften gestemmt.

Sie: Du hast noch gar nichts gesagt.

Er: Wozu?

Sie: Zu meinem neuen Pulli.

Er: Ach, der ist neu?

Sie: Ja, gefällt er dir?

Er: Sicher, dass du ihn nicht schon mal anhattest?

Sie: Ja. GANZ sicher!

Er: Ich dachte, so einen hätte ich schon an dir gesehen.

Sie: Gefällt er dir jetzt oder nicht?

Er: Er ist so ... grau, findest du nicht?

Sie: Was soll das heißen: so grau? Und warum beantwortest du meine Fragen eigentlich immer entweder gar nicht oder mit einer Gegenfrage?

Er: Ach - tu ich das?

Sie: Siehst du, genau das meine ich!

Er: Also gut. Ich geb's zu: Ich kann deine Pullis nicht auseinanderhalten. Die sehen alle gleich aus.

Sie: Weil du eben nicht richtig hinschaust!

Er: Ich schaue ja! Aber für mich sind die alle ... na ja, grau halt.

Sie: Eben nicht - das ist Chinchillagrau!

Er: Ist doch auch eine Art Grau, oder nicht?

Sie: Du hast echt keine Ahnung! Komm mit, ich zeig dir was. (Zieht ihn zu ihrem Kleiderschrank und öffnet die Türen. Der Blick fällt auf drei Fächer mit Stapeln fein säuberlich zusammengelegter Pullover sowie eine Kleiderstange, an der Strickjacken und Blusen hängen - alle in diversen Grau-Nuancen). Wusstest du, dass es in der Grafik 256 verschiedene Grautöne gibt?

Er: Bis eben nicht. Aber wie es aussieht, hast du sie bald beisammen. Und die willst du wirklich alle tragen?

Sie: Die TRAGE ich. Du merkst es nur nicht.

Er: (Zieht etwas ratlos an einem Ärmel, dann an einem anderen) Also, ich kann hier bestenfalls Nuancen erkennen - zwischen steingrau und mausgrau.

Sie: Von wegen: Dieser hier zum Beispiel ist eindeutig Kopenhagenergrau. Und das da aschgrau.

Er: Aschgrau? Sagst du nicht immer, deine Haare wären so?

Sie: Blond - das heißt Aschblond! Also echt.

Er: Das versteh ich jetzt nicht, weil deine Haare doch eher ... obwohl ...

Sie: Sprich nur weiter!

Er: Äääh ... was hat die Strickjacke jetzt noch mal für eine Farbe?

Sie: Diamantgrau melliert - mit Nuancen in Schieferkiesel.

Er: Im Ernst jetzt? Klingt ja eher nach irgendwelchen Phantasienamen, die sich so ein unterbeschäftigter Modefuzzi ausgedacht hat.

Sie: Du hast echt keine Ahnung. (Nimmt einen Cashmere-Cardigan vom Bügel). Oder das hier: Dieses grünstichige Chalzedongrau ist total angesagt.

Er: Ich tendiere ja in dem Fall eher zu einem gelbstichigen Kneipengardinengrau. Obwohl es mich auch ein bisschen an Mieselaunegrau erinnert.

Sie: Ruhe! Siehst du das? (Holt einen Rollkragenpullover hervor) Das nennt man Eisgrau.

Er: Ach wo, eindeutig Matschepampegrau!

Sie: Du willst es nicht kapieren, stimmt's?

Er: Doch, ich kapier es jetzt erst richtig! Komm, lass mich mal: Das da ist Abgasgrau, stimmt's? Und das Schlechtwettergrau. Oder nein, warte! Schimmelgrau. Ach, nicht? Dann vielleicht Kleistergrau?

Sie: Also gut, ein letzter Versuch: Welche Farbe haben deine Felgen?

Er: Titangrau. Aber nur bei den Winterreifen. Die Felgen für die Sommerreifen sind Himalaya-Metallic!

Sie: Siehste? Jetzt hast du's kapiert.

© SZ.de/ddau
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