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Königin Margrethe zum 70.:Dänisches Design

Sie war schon immer ein wenig anders als viele andere Monarchen: heute wird Königin Margrethe 70 Jahre alt. Alles Wissenswerte über die Regentin der Dänen. In Bildern.

C. Fromme und G. Herrmann

8 Bilder

Margrethe II, Reuters

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Für die Dänen ist heute ein Festtag: Königin Margrethe wird 70 Jahre alt. Gleichwohl fällt die Feier etwas kleiner aus als geplant - wegen des Vulkanausbruchs in Island ist der Himmel über Dänemark so vernebelt, dass die anderen Royals es mit dem Flugzeug nicht pünktlich zur Feier schaffen. Sonja von Norwegen soll ebenso Reiseprobleme haben wie Spaniens König Juan Carlos und Königin Beatrix der Niederlande. Egal, das Volk wird seiner Regentin auch ohne sie traditionsgemäß neunmal "Hurra" zurufen. Neun Fakten zu Margrethe II.

Die Krone

Auch wenn Margrethe selten ihre Krone ausführt, sollte man nie unterschätzen, wie ernst sie ihre Rolle in der ältesten Monarchie Europas nimmt. "Ich danke erst ab, wenn ich vom Hocker falle", hatte sie einmal erklärt, und so sind Umfragen, nach denen sich viele Dänen ihre Abdankung zum 70. wünschen, allein als Nebelkerzen republikanischer Meinungsforscher zu werten. Außer in den Niederlanden verfügt nur einer in Europas Palästen, wann es Zeit ist, zu gehen: Gott. Weil die Wege des Herrn selbst für Könige unergründlich sind, präsentierte Margrethe soeben ihre letzte Ruhestätte: einen Glassarg. Er symbolisiere die Transparenz der heutigen Zeit und der Demokratie, aber auch der Auferstehung, sagte sie der Würde ihres Throns gemäß. Vor drei Jahren allerdings erwies sich eine unsachgemäße Nutzung desselben als sehr unwürdig: Eine Stripperin, der ein Wachmann zugetan war, schlich sich nachts in Schloss Christiansborg und setzte sich nackig auf Margrethes Thron. Erst als Fotos davon im Internet auftauchten, bemerkte der dänische Hof die Unsitte.

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Margrethe II, dpa

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Die Zigarette

Die Königin liebt Zigaretten und hüllte sich lange auch bei öffentlichen Auftritten in den blauen Dunst. "Ich rauche, sobald ich einen Aschenbecher sehe", sagte sie einmal. Als nicht lustig befand derlei Bonmots Hugo Kesteloot. Der belgische Epidemiologe stellte 2001 im renommierten Fachblatt Lancet die Frage, ob die Königin nicht mit dafür verantwortlich ist, dass der Tabakkonsum dänischer Frauen weit über dem Europadurchschnitt liegt. Inzwischen sind im gesundheitsbewussten Skandinavien die Nichtrauchergesetze immer strenger geworden, und auch die Regentin zieht sich nun zum Rauchen in ihre Privaträume zurück. Ans Aufhören denkt sie aber nicht. Sie bevorzugt die griechische Marke Karelia, die wegen ihres hohen Teergehaltes von der EU geächtet ist und in Dänemark nicht mehr verkauft wird. Wie sie trotzdem daran kommt, bleibt ihr Geheimnis. Mehrere Mitglieder der königlichen Familie teilen Margrethes Schwäche. Kronprinz Fredrik allerdings wurde das Rauchen von seiner Frau Mary abgewöhnt.

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Margrethe II, Archäologie, Getty

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Die Buddelei

Seit ihrer Kindheit gräbt Margrethe gerne nach alten Schätzen. Sie widmete dieser Leidenschaft sogar ein paar Jahre ihrer Jugend und studierte neben Politikwissenschaft auch Archäologie. Selbst hat sie einmal gesagt, dass sie gerne einen Abschluss in dem Fach gemacht hätte, dafür sei aber keine Zeit gewesen. Als junge Frau war Margrethe bei einigen Ausgrabungen dabei und half, die Gebeine von Römern und Wikingern freizulegen. Als Geburtstagsgeschenk eröffnete ein Museum in Aarhus in dieser Woche die Ausstellung "Margrethe und die Archäologie". Im Audioguide erzählt die Königin höchstselbst den Besuchern von ihren Forschungsabenteuern.

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Margrethe II, AFP

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Der Hobbit

Unter dem Pseudonym Ingahild Grathmer hat Margrethe 1977 eine Ausgabe von Tolkiens Herrn der Ringe mit Elfen, Zwergen und Dämonen illustriert. Es war der Anfang einer langen Saga, die Königin hat seitdem viele Leinwände gefüllt. Über die Qualität ihrer Gemälde gibt es unterschiedliche Auffassungen. So zitierte eine Zeitung erst kürzlich wieder einen Kunstkritiker mit dem Urteil, Margrethe sei "Sonntagsmalerin". Die Regentin interessiert sich außerdem für Handarbeit und sammelt Kunst. Zum Geburtstag dürfte ihre Kollektion wachsen. Mehrere Gemeinden planen, der Königin neue Werke heimischer Künstler zu schenken - was auch wieder umstritten ist: Manche Dänen meinen, andere Leute hätten Geschenke nötiger. Vielleicht muss die Künstlerin Margrethe ja manchmal an die Hobbits zurückdenken - die hatten auf ihrem Weg durch Mittelerde auch mit einer Menge Widrigkeiten zu kämpfen.

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Schüssel, Rosti Mepal

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Die Rührschüssel

Es ist nicht so, dass Margrethe die stilsicherste aller Regentinnen ist. Zuweilen bevorzugt sie Blütengewänder, deren Designer offenbar heftig LSD genascht haben, sie trägt trotz ihrer stattlichen Größe von 1,82 Metern Hüte groß wie Wagenräder, und regelmäßig macht sie Furore, wenn sie ihre grönländischen Filzhosen auspackt. Für ein Utensil allerdings steht sie Patin, das wirklich jede Modesünde auf alle Zeit vergessen macht: die Rührschüssel Margrethe. Designfreunde in aller Welt haben den Pott aus Melamin mit dem Gummiring im Fuß in ihr Herz geschlossen, längst steht er in der Walhalla des dänischen Designs neben Klassikern von Verner Panton und Arne Jacobsen. Entworfen hat ihn 1950 Sigvard Bernadotte, der schwedische Onkel von Margrethe, mit dem Architekten Acton Bjorn, und als er bei Hofe nachfragte, ob er die Schüssel nach Margrethe benennen dürfe, fühlte sich der königliche Haushalt sehr geschmeichelt. Längst steht der Küchenklassiker im Museum of Modern Art in New York, auch hat die dänische Post ihn schon mit einer Briefmarke geadelt. Da die Schüssel nun schon 60 ist und ihre Namensgeberin 70, hat die Herstellerfirma Mepal Rosti inzwischen einen Nachfolger im Angebot, der über einen breiteren Rand und Ablauflöcher am Gummiring verfügt. Benannt worden ist diese praktische Schüssel nach Victoria, der Thronfolgerin in Schweden. Das dürfte Margrethe sehr recht sein, schließlich teilen alle skandinavischen Königshäuser ihren Sinn für Bodenständigkeit.

Foto: Rosti Mepal

Margrethe II, Weinberg, Getty

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Der Weinberg

Es ist heute oft die Rede davon, dass Männer derart viel den Frauen überlassen müssen, dass sie eines Schutzraumes bedürfen. Eines Man Cave. Weil bei Königs alles größer ist, gewährt Margrethe ihrem Prinzgemahl keinen Keller sondern gleich einen Weinberg. Der liegt in Caix, was gut passt, weil Henrik, 75, französischer Diplomat war und mal Henri Marie Jean André Graf de Laborde de Monpezat hieß. Er lernte Margrethe in England bei einem Empfang kennen, "es war Liebe auf den ersten Blick", sagt sie. 1967 heirateten sie, 1972 wurde sie Königin. Für sie gab er auf: den Namen, den Pass, die Religion, die Freiheit. Seither grollt er, fordert eine eigene Apanage, will König heißen, mit Philip aus UK eine Gewerkschaft der Prinzgemahle gründen. Als Margrethe einmal erkrankte und Frederik statt ihrer zum Neujahrsempfang eilte, verschanzte er sich wochenlang im Weinberg. Was soll das Protokoll, fragte er ratlose französische Reporter, warum stand nicht ich dort? Überdies würden ihn die Dänen eh nicht mögen. Die findige Margrethe erklärte öffentlich, dass er für sie "der erste Mann" im Staat sei, worauf Henrik nach Hause kam. Das Geheimnis ihrer Ehe? Die Schrullen des anderen zu akzeptieren, sagte Margrethe einmal.

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Dackel, Margrethe II, Getty

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Die Dackel

Während ihre britische Kollegin den Corgi zum engsten Vertrauten erkoren hat, ist es bei Margrethe der Dackel. Zwei, drei der Hunde begleiten das Königspaar ständig. Evita, Zenobia, Celimene und Helike sind die berühmtesten Vertreter. Dass sich die Dackel bevorzugt in Wachmännern verbeißen, hält Prinzgemahl Henrik nicht davon ab, Verse zu ihren Ehren zu verfassen. "Lieber, besonderer, herrlicher Hund... stolz wie ein Papst empfängst du Schelte wie eine Gnade...", heißt es in einem seiner Dackelpoeme, und die Dänen wundern sich einmal mehr über ihn. Auf dem Kopenhagener Flughafen gibt es einen eigenen Grünstreifen für die Kläffer, der nicht von Zollhunden genutzt werden darf. Ein Schild mit einem gekrönten Dackel setzt sie davon in Kenntnis. Es gibt böse Menschen, die sagen, dass Margrethe für ihre Dackel ein besseres Händchen hat als für ihre Söhne. Viele Jahre ist es her, da sagte Prinz Frederik öffentlich, dass er eine schwere Kindheit gehabt und an Selbstmord gedacht habe. "Ich war keine gute Mutter", gab Margrethe zu.

Foto: Getty

Margrethe II, Mary, Getty

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Der Exportschlager

Seit die Bürgerliche Mary Donaldson aus Tasmanien an den dänischen Hof gezogen ist, kaufen die Australier so viel dänische Butter wie nie. Auch für Margrethes neue Familie ist die 38-Jährige ein Gewinn. Sie weiß, wie man die royale Marke pflegt. Kein Wunder, vor ihrer Heirat mit Kronprinz Fredrik arbeitete sie in der Werbung. Die Trendprinzessin ist eine schillernde Bereicherung für das Königshaus. Manchmal vielleicht ein wenig zu schillernd: Kurz vor Margrethes Geburtstag gab es Schlagzeilen, weil Mary sich mit einer wegen Kokainkonsums verurteilten Freundin getroffen hatte. Die Königin: "Man sollte vielleicht darüber nachdenken, dass manche Dinge privat sind und andere nicht." Ob das eine Kritik an Mary oder den Medien war, blieb offen.

Foto: Getty

Text: SZ vom 16.04.2010

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