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Klettern gegen ADHS:Therapie am Seil

Kindern, die am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leiden, kann geholfen werden: Zum Beispiel, indem man sie klettern lässt.

Überschüssige Energie, starker Bewegungsdrang und Konzentrationsschwäche: Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden in Familie, Schule und Freundeskreis oft als störend empfunden.

Klettern - gut für das kindliche Selbstbewusstsein.

(Foto: Foto: dpa)

Therapeutisches Klettern lenke den Bewegungsdrang in bewusste Aktivität um und sei damit die ideale Behandlung für die kleinen Patienten, schreiben Therapeuten in der Fachzeitschrift ergopraxis. "Das therapeutische Klettern spricht nicht nur einzelne Teilleistungen an, sondern fördert das Kind in seiner Gesamtheit", betonen die Autoren um Stephanie Veser von der Hogeschool Zuyd im niederländischen Heerlen.

Dabei würden nicht nur motorische Abläufe geschult, sondern auch grundlegende Fähigkeiten wie Konzentration, Merkfähigkeit und Vertrauen in Sicherungspartner. Das Kind müsse Handlungsabläufe planen und einhalten und erhalte unmittelbare Rückmeldung durch den Kletterablauf.

Zusätzliche Aufgaben können die Behandlung demnach weiter unterstützen. So lässt sich etwa die Merkfähigkeit trainieren, indem oben in der Wand ein Blatt Papier befestigt wird, auf dem das Kind ein Bild nachzeichnet, das ihm unten am Boden gezeigt wurde.

Zudem stärkt das therapeutische Klettern den Therapeuten zufolge das Selbstbewusstsein der Kinder. Wenn die ihre Angst vor der Höhe verlieren, selbstständig das Seil verknoten, sich den Gurt umlegen und neue Grenzen erschließen, erfülle sie das mit Stolz und zeige ihnen, dass Anstrengung sich lohnt.

Gespräche mit Kindern, Eltern und Therapeuten deuten darauf hin, dass die Patienten viele der neuen Strategien in den Alltag übertragen können. Demnach können sie Reihenfolgen besser einhalten, Hausaufgaben leichter bewältigen und sich in der Schule länger konzentrieren.

© AP/bilu/mmk
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