Familien-NewsletterWann hat Ihr Kind zum ersten Mal geflucht?

Lesezeit: 2 Min.

Selbst wenn man als Elternteil die besten Absichten hat: Irgendwann fallen bei Kindern Worte, die man lieber nicht hören würde.
Selbst wenn man als Elternteil die besten Absichten hat: Irgendwann fallen bei Kindern Worte, die man lieber nicht hören würde.
Franz Xaver Fuchs

Die Tochter unseres Autors sagt mit 18 Monaten zum ersten Mal unüberhörbar „Scheiße“ bei einem kleinen Missgeschick. Und jetzt?

Ein Familien-Newsletter von Vinzent-Vitus Leitgeb

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Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Tochter, eineinhalb Jahre alt, lernt seit einigen Monaten eifrig sprechen. Manchmal müssen wir ihre Sätze erst noch entschlüsseln, wenn sie etwa vom Mittagessen in der Kita erzählt und wir nicht direkt verstehen, dass „nille oose gesst“ bedeutet, dass sie Vanillesoße gegessen hat. Manchmal müssen wir ihre Aussagen mehr für andere übersetzen. Zum Beispiel, wenn sie in der S-Bahn auf Fremde zeigt und sagt: „Schau mal, Papa: Mann nackt.“ Dafür reicht nämlich aus, dass jemand ein kurzärmliges T-Shirt trägt. Aber die Person weiß ja nicht, dass unser Kind im Winter sprechen gelernt und die meisten Menschen immer warm angezogen erlebt hat.

Letztens sagte sie dann allerdings noch ein Wort, das wenig Interpretationsspielraum offenließ: „Scheiße.“ Ihr nonchalanter Kommentar, als ein Bauklotz heruntergefallen war. Vielleicht ein einmaliger Ausrutscher? Na ja! Die nächsten Tage wiederholte sie das Wort bei kleinen Missgeschicken und erklärte schließlich eher zufällig, woher es kam: „Mama hat ‚Scheiße‘ gesagt.“

Mein erster Gedanke: Zum Glück hat sie nicht mich verpetzt, dem das Wort bestimmt genauso schon im Stress herausgerutscht war. Der zweite: Vielleicht sollten sollten wir noch mal mehr auf unsere Vorbildfunktion achten, selbst wenn wir denken, dass das Kind gerade bestens mit dem Zerlegen eines Pixi-Buchs beschäftigt ist.

Vom Schimpfen geht dabei natürlich nicht die Welt unter. Es gehört zum Sprechenlernen dazu. Und wir Eltern machen uns ohnehin oft genug zu viele Gedanken, was „das Beste“ für unsere Kinder sein könnte. Darüber hat vor Kurzem auch mein Kollege Max Scharnigg geschrieben, dessen Text ich sehr empfehlen kann (SZ Plus). Er fragt, wann wir Kinder womöglich mit gut gemeinten Aktivitäten sogar überfordern, die dann Worte wie „Workshop, Kreativquartier und Bilderbuchlesung“ kennen, aber gar nicht mehr wie ein Kind klingen, sondern „gleich ein zynischer alter Mann von etwa 1,32 Meter Körpergröße werden“.

Das Thema wird mich also wohl noch die nächsten Jahre beschäftigen, und gerade Schimpfworte werden ja noch spannender, wenn die Kinder merken, dass sie damit Tabus brechen. Oder wie war das bei Ihnen? Schreiben Sie mir gerne, wann Ihre Kinder damit begonnen haben oder was Ihre Lieblingsaussagen Ihrer Kinder waren. 2020 haben wir bei der Süddeutschen Zeitung mal eine Liste aus Einsendungen mit Kindersprüchen gemacht, also zum Beispiel: „Der Papa duscht. Dann ist er wieder schön und riecht nicht mehr nach Wein.“

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende.

Vinzent-Vitus Leitgeb

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