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Kindesmissbrauch:Ich habe nicht gewusst, dass ich auch Nein sagen durfte

Ich musste so verlogen werden. Ich habe ein Leben lang gebraucht, um wieder ich selbst zu sein. Ich hoffte und betete zu diesem unbekannten Wesen namens Gott, dass ich diesen Drang eines Tages nicht mehr haben würde.

Doch ein Ehemann wünscht sich, dass seine Frau diesen Drang hat und 'sexy' ist. Also musste ich weiter so tun als ob.

Ich habe diesen Drang nicht mehr und ich bin froh darüber. Doch als ich noch ein kleines Mädchen war, dachte ich, ich sei dazu verurteilt, für alle Zeit etwas vorzutäuschen - auch mir selbst.

Wenn du tatest, was du 'Kommen' nanntest, Papa, dann wolltest du immer, dass ich ... in den Mund ... wie konntest du, Papa? Du hast mich um ein Haar erstickt.

Und dann, kurz darauf in der Schule, als Mädchen unter Mädchen, fühlte ich mich so anders und gehörte nie dazu. Nicht im Schulbus, nicht im Klassenzimmer und nicht im Pausenhof. Denn ich gehörte, nach dir, nie mehr irgendwo dazu. Ich war wie eine zertrümmerte, ausgebombte Stadt, eine demolierte Ruine. Oder war ich das stinkende Skelett eines von Dali gemalten toten Fischs?

Und als ich meine Kinder erwartete, hoffte ich auf Mädchen, denn ein Kind mit einem Penis, wie du ihn hattest, Papa, hätte ich nicht ertragen. Du warst so schrecklich kontrollierend in meinem Kopf. Du gingst einfach nicht weg ...

Dieser Teil des Ehelebens versetzte mich in Angst und Schrecken. Mir wurde übel bei dem Gedanken daran, doch ich lächelte und lag da, genau wie mit dir.

Ich versuchte, nicht auf das Ding zu schauen, das an dir immer so gestunken hat. Und die Angst, dass du mich töten und meine Mami erschießen würdest, ist immer noch in mir. Seit du meine kleine Maus, die ich liebte, bei lebendigem Leib verbrannt hast. Und sie schrie wie ein Mensch.

Warum hast du so etwas getan, Papa?

Warst du wirklich mein Papa?

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