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Kinderliebe Singlefrauen:Community für coole Tanten

Savvy Auntie, so erfährt der User, ist die "erste Community für coole Tanten, Großtanten, Patentanten und alle Frauen, die Kinder lieben". Und das ist gänzlich ironiefrei gemeint. Gründerin Notkin ist selbst Tante verschiedener Nichten, Neffen, außerdem die Patentante einiger Kinder von Freunden. Das Akronym Pank habe sie eigens entwickelt, um damit möglichst treffend jenen Frauentypus zu beschreiben, der bei Savvy Auntie unterwegs ist - und natürlich, um dieses einflussreiche Marktsegment besser zu verstehen.

Wie gut sie diese Klientel versteht, fasst Notkin in ihrem gleichnamigen Buch ("Savvy Auntie" - der ultimative Ratgeber für coole Tanten usw.) zusammen, einer Art Ratgeber für kinderliebe Frauen, der dort ansetzt, wo bei den meisten Familienratgebern offenbar eine unverzeihliche Lücke klafft: beim "auntie-ing".

Was wie eine abstruse Wellness-Bewegung klingt, steht für eine Bevölkerungsgruppe, die über ein nicht zu unterschätzendes Potenzial verfügt: In den USA sind derzeit 42,6 Prozent der Frauen unter 44 Jahren kinderlos, etwa 23 Millionen fallen somit in die Kategorie der so genannten Panks. Die Kaufkraft dieser Zielgruppe ist gigantisch: Laut einer Studie des weltgrößten PR-Netzwerks Weber Shandwick investieren 76 Prozent dieser Frauen mehr als 500 US-Dollar (ca. 370 Euro) im Jahr für jedes Kind in ihrem Lebensbereich. Das entspricht einer Summe von rund neun Billionen US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) für das ganze Land.

Hoch motiviert und liquide

Klar, dass der Markt von diesem Potenzial profitieren will. Zumal die gut verdienenden Singlefrauen es einem auch noch so leicht machen, wenn man den Marketing-Strategen glaubt. Die preisen vor allem die Zugänglichkeit dieser Zielgruppe für virales Marketing: Die weiblichen Konsumenten müssten nicht erst für die digitalen Medien gewonnen werden, schreibt Christine Birkner in ihrem Artikel "The Power of Panks". Sie seien bereits bestens vertraut mit Internet, Blogs, Facebook, Twitter und Co.

Zur Bekräftigung schiebt die Autorin bei der Gelegenheit gleich noch eine in die Jahre gekommene Klientel zur Seite: "Move over, soccer moms!", erschallt ihr Schlachtruf - geht zur Seite, Fußballmuttis. Hausfrauen, die am Spielfeldrand stehen, sind nicht mehr gefragt. Gesucht sind hochmotivierte, hochqualifizierte Freizeit-Begleiterinnen, die wenig Erfahrung, aber jede Menge guten Willen und Budget mitbringen - eine leichte Beute für die Industrie, schließlich wissen sie es ja nicht besser.

Eines Tages wird auch die Zeit der Panks vorbei sein. Wer weiß, vielleicht feilen ja die Marketing-Experten bereits an den nächsten hübsche Namen. Braucht die Backbranche mehr Kunden? Dann erschaffen wir eben die "Banks" (Baking Aunts no Kids), die Kuchentanten ohne Kinder. Soll die Industrie mehr Wollpullis verkaufen? Rufen wir doch die "Kanks" ins Leben (Knitting Aunts no Kids) und singen: "Hoch lebe unsere Strickmamsell!" Weiß schließlich jeder: Ein selbstgestrickter Wollpullover aus kratziger Schurwolle gehört zu einer glücklichen Kindheit.